Lange Zeit blieb die Frauenszene bescheiden, wenn es sich um das Thema eSport drehte. Doch scheint sich eine Wende anzubahnen: Die „Deutsche Female Meisterschaft“ nimmt ihren Lauf. Schließlich baut man mit der Electronic Sports League auf ein stabiles Fundament. Doch fällt die Saat auf fruchtbaren Boden und gelingt gar ein Durchbruch? – Guido ‚Mr.Jumper‘ Schwering ging dem Phänomen Femalegaming auf den Grund.
Für viele ist die Antwort auf die Frage nach dem Durchbruch eindeutig: Er wird nie kommen. Doch ist das so klar zu beantworten? – Eine Betrachtung der Hintergründe, der Entwicklung mit all ihren Höhen und Tiefen und der heutigen Situation wird nötig. – Ende der 1990er Jahre fing alles an.Wie alles begann: Der Ursprung liegt in Amerika
Genauer gesagt, im Jahr 1997. Es war das Geburtsjahr des ersten Femaleteams, das sich aus weiblichen Quake-Spielern zusammensetzte. Der Clan QGirlz wurde gegründet. Zunächst fand man sich in den hauseigenen vier Wänden zusammen, um der gemeinsamen Leidenschaft nachzugehen. Die Spielerinnen waren schnell vom eSport-Fieber befallen, sodass sie 1999 in New York an einem speziellen Femaleturnier teilnahmen. Ein Jahr später fand in Dallas ein weiteres Event statt, an dem es ein Preisgeld von $2.000 zu gewinnen gab.
Das Team empfand sich als eine Familie, die ständig an neuen Computerspielen interessiert war. Leider verlor sich im Jahr 2003 ihre Spur; die Clanleaderin Medusa ging inaktiv und der Clan wurde anscheinend nicht weitergeführt. Was mit den verbliebenen Spielerinnen geschehen ist, bleibt der eSport-Welt verschlossen.
In Deutschland traten bis dato nur vereinzelt weibliche Spieler auf, die sich der aufstrebenden Szene anschlossen. Erst im Jahr 2000 startete wegen einer Initiative von PC Action das erste große Projekt für Frauen im eSport. Heike ‚Zockerweibchen‘ Preßler und Uli ‚Blauauge‘ Lächelt riefen am 10. August 2000 die Seite Zockerweibchen ins Leben. Bis heute ist die Seite eine Anlaufstelle für alle weiblichen Spieler im Internet. Es werden Cups veranstaltet, Spielerinnen vermittelt und aktuelle News verfasst, die das weibliche Gamerherz höher schlagen lassen.
Die Deutsche Female Meisterschaft unter die Lupe genommen
Bis in das Jahr 2008 sollte es dauern, bis eine angesehene Liga für Frauen in Deutschland geschaffen wurde. Allerdings ist die Deutsche Female Meisterschaft nicht der erste Entwurf Frauen in den elektronischen Sport zu integrieren. Zwischen den Jahren 1997 und 2008 gab es viele Vorläufer, die sich aus verschiedenen Cups und europäischen Events wie der ESL Major Series für weibliche Spieler zusammensetzten. Jetzt möchte man mit der Deutschen Female Meisterschaft in ein noch professionelleres Gebiet vorstoßen.
Doch um eine Bundesliga für Frauen zu etablieren, müssen noch einige Hürden genommen werden. Zurzeit ist die neue Liga nur ein leichter Abklatsch der Königsklasse der Männer. Die erste Saison ist jetzt vorbei, Playoffs stehen bevor. Viele werden sich fragen, ob es überhaupt eine Saison gegeben hat. Die Antwort ist Ja, es gab tatsächlich eine. Irgendwo hinter den Kulissen der Electronic Sports League, neben Friday Night Games, an denen die Frauen nicht teilnehmen durften und den Finals der Pro Series. Bei den Damen ist nur ein Playoff-Turnier angesetzt, das ab morgen online stattfinden wird. Der direkte Vergleich im LAN fällt weg.mousesports.female sagt die Teilnahme der Finals ab
Der Ansporn für die Teilnahme der Finals schwindet immer mehr und die Reize der Liga verflüchtigen sich. Sogar der Erstplatzierte mousesports.female hat sich dazu entschlossen, lieber auf die CeBIT zu fahren, als an den Finals teilzunehmen. Der Entschluss könnte zum einen mit den Preisen der Deutschen Female Meisterschaft zusammenhängen, zum anderen aber auch der Sponsorenveranstaltung von mousesports geschuldet sein. Die Preise jedenfalls halten sich vorerst in Grenzen, mit Geldpreisen wird in nächster Zeit nicht zu rechnen sein.
So ist die Deutsche Female Meisterschaft in ihrem Anfangsstadium nur ein Versuch, Frauen in der Szene zu integrieren. Wenn die Liga zunehmend Interesse bei der Community weckt, möchte man sie erweitern und mit höheren Preisen weitere Spielerinnen locken. Auch eine Fanbase würde der Szene gut tun, bis jetzt blieben die HLTV-Server größtenteils leer und die Frauen lieber unter sich.
Ein weiteres Problem birgt die geringe Teilnehmerzahl: Es haben sich zwar 21 weibliche Teams für die Liga angemeldet – für eine Profiliga im eSport beachtlich viel -, allerdings sind das auch schon alle Teams, die es in Deutschland überhaupt gibt – eine überschaubare Anzahl.
Hinzu kommt, dass viele Teams den Anreiz an der Liga verloren haben. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Tabelle, ist es unschwer zu erkennen, dass sich die obere Tabellenhälfte klar von der Masse abhebt. Nur wenige der weiblichen Teams konnten sich behaupten und werden an den kommenden Playoffs teilnehmen. Der Rest wurde chancenlos mit deutlichen Niederlagen vom Server gespielt. Drei der Teilnehmer haben die Saison ohne einen einzigen Erfolg abgeschlossen und sich bereits aufgelöst.
Doch hat die Femaleszene auch ihre sonnigen Seiten: Viele Clans, die sich schon international und national einen Namen gemacht haben, unterstützen die Frauen im Kampf um die ersten Plätze. Die Zusammenarbeit scheint für beiden Seiten vorteilhaft. Hinter den Spielerinnen steht ein renommierter Clan, der den Frauen den Rücken stärkt und sie durch bekannte Sponsoren unterstützt. Die Branche scheint daher für viele lukrativ und zukunftsträchtig.
Internationale Events: Females auf dem Vormarsch
Ein weiterer Erfolg im Aufbau der neuen Szene ist eine sensationelle Neuigkeit aus den Niederlanden: Vor gut zwei Monaten wurde angekündigt, dass die „Everglade Games Convention“ bei einem Female Counter-Strike Turnier satte $50.000 Preisgeld ausschütten wird. Stattfinden soll das Event im Oktober 2009, näheres ist noch nicht bekannt.
In der Femaleszene ist die News jedenfalls eingeschlagen wie eine Bombe. Trotzdem kann eine Spielerin von Team Alternate der ganzen Sache noch keinen Glauben schenken. Sie lässt sich erst davon überzeugen, wenn sich die Aussage bewahrheitet hat und sie mit ihrem Team vor Ort ist.
Angesichts des großen Medienspektakels auf der Everglade Games Convention, scheint es eine optimale Gelegenheit zu sein, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Zwar gibt es bereits Femaleteams, die bei den männlichen Fans schon fast einen Kultstatus haben, aber so richtige Plattformen, auf denen die Teams gegeneinander antreten können sind derzeit noch Mangelware.
Letztendlich liegt es in den Händen der Veranstalter. Allein von ihren Entscheidungen hängt die Existenz der Femaleszene ab. Dazu kommen noch die Sponsoren, die ein Wörtchen mitzureden haben. Doch in einer Phase der weltweiten Rezession sind die Aussichten auf eine Erfolgswelle leider gering.

