Wenn in vier Tagen die vierzehnte EPS-Ausgabe anläuft, waren nahezu alle Teams schon enorm fleißig. Allerdings nicht nur auf dem Server sondern auch außerhalb. Denn es wurde mal wieder fleißig gewechselt zwischen den Teilnehmern. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen macht sich Gedanken darüber, wo der Sinn und Unsinn dieser Wechselaktivitäten liegen mag, die mittlerweile fest zum Pro Series-Alltag gehören.
„Wer will nochmal, wer hat noch nicht?“ – Es war mal wieder Wechselzeit vor der EPS-Saison. Wie jedes halbe Jahr eine wunderbare Möglichkeit, sich zurückzulehnen und das bunte Treiben zu betrachten. Auch vor der 14. Saison wurde man nicht enttäuscht, der Unterhaltunsgwert der Aktivitäten auf dem Transfermarkt war wieder äußerst hoch. Es ist zwar sehr nett von allen Beteiligten, dass sie sich auch in diesem Winterloch wieder als verlässliche Lückenfüller für fröstelnde Szeneseiten erwiesen haben, aber wird einem nicht langsam schwindelig im Wechselkarussell?
Am Ende der Wechselfrist zur vierzehnten Saison ersetzten vierzig Neuzugänge die siebenunddreißig Abgänge. Angabe ohne Gewähr und die Rotationen während der Transferperiode nicht mit eingerechnet. Zahlen, die dem einen oder anderen geneigten Leser davon abschrecken dürften, sich weiter mit der Materie zu beschäftigen. Deshalb sei hier die Geschichte eines ganz ordinären EPS-Teilnehmers im Schnelldurchlauf erzählt: Am Anfang der Saison stellt man ein Team aus einigen vielversprechenden Einzelspielern zusammen, die offensichtlich gut zusammenpassen. In Interviews auf diversen Szeneseiten schwärmen die Spieler davon, dass es „menschlich absolut passt in diesem Team“ und berichten von „ziemlich guten PCW-Ergebnissen“, die auf eine Saison hoffen lassen, in der man „ganz oben angreifen“ möchte. Mit diesen Vorsätzen geht es in die frische Saison.
Doch der Start verläuft nicht wie geplant. Wegen der üblichen Gründe (Omas Geburtstag, Unistress, Poker etc.) konnte man leider nicht das gewünschte Trainingspensum abspulen. Auch das geplante Bootcamp musste leider verschoben werden, weil… ging nicht. Die ersten fünf Spieltage werden somit zum Reinfall. Der Start ist verpatzt.
In der Mitte der Saison fängt sich das Team zwar endlich und legt einige vernünftige Ergebnisse hin. Der Start allerdings war zu schlecht, um die hochgesteckten Ziele nun noch erreichen zu können. Man spielt noch schnell lustlos die restlichen Partien herunter, schimpft über Schlendriane im Team, nennt die „unglücklichen Umstände“ die zu der schlechten Saison geführt haben und geht nach dem letzten Spieltag getrennte Wege. – Das nächste Ticket für’s Wechselkarussell liegt schon bereit, das Quintett verstreut sich zur neuen Saison auf neue Lineups, in der Hoffnung, vielleicht doch einmal einen Glückstreffer in Sachen Teamfindung zu landen.
Alle Spieler? – Nein, nicht alle. Mittendrin – oder eher gesagt: oben drüber – entzieht sich ein Team dem bunten Treiben: mousesports. Eines der weltbesten Teams und der alleinige Platzhirsch der EPS setzt auf ein kostantes Lineup. Ebenso wie nahezu alle Konkurrenten auf der großen Counter-Strike-Weltbühne. Da könnte langsam aber sicher der Verdacht aufkommen, dass Erfolg vielleicht – ganz vielleicht – etwas mit Kontinuität zu tun hat. Aber wann setzt sich diese Erkenntnis in der wohl professionellsten Liga der Welt durch?
Entweder wollen manche selbsternannten Profis keinen Erfolg oder schlichtweg zuviel auf einmal. Man hat das Gefühl, der kurzfristige Erfolg, den die EPS bietet, verdreht manch einem schnell den Kopf. Und so dreht sich vor jeder EPS-Saison alles: die Köpfe, das Wechselkarussell und der Teufelskreis, in dem sich die wechselfreudigen Teams befinden. Denn offenbar sehen einige einen Wechsel zwangsweise als Schritt nach vorne an und merken dabei gar nicht, dass sie zu jedem Saisonstart immer wieder am gleichen Fleck stehen: am Startpunkt.