In einem Interview zur Finanzkrise im eSport spricht Jens Hilgers, CEO Turtle Entertainment, über die aktuelle Lage in seinem Unternehmen und der angeschlossenen Liga ESL. Neben einem Aufruf an die Community, endlich offener mit Neuerungen im eSport umzugehen, fordert er Spieler und Fans zur Beibehaltung der Aktivität auf. Nur so könne der eSport sich von der Finanzkrise loslösen.
Befragt zur Finanzkrise zeigt sich der Chef des Unternehmens hinter dem größten europäischen Ligenveranstalter zuversichtlich im Hinblick auf das kommende Jahr. Zwar spüre man insgesamt eine stärkere Zurückhaltung und Fokussierung bei den Sponsoren, doch habe dies keinen unmittelbar negativen Effekt auf die ESL. Man stünde in regem Kontakt mit den Partnern und sei auf alles vorbereitet. Ganz im Gegenteil geht Jens Hilgers sogar davon aus, dass sich Vorteile für die Liga ergeben könnten.
„Wir haben uns in den letzten Jahren eine außerordentliche Größe und Reichweite sowie einen guten Namen aufgebaut“, resümmiert Hilgers im Gespräch mit fragster. Dadurch profitiere man von der Tatsache, dass sich die Firmen innerhalb ihrer Marketing-Budgets in der nächsten Zeit nur auf zuverlässige Angebote konzentrieren würden. Statt neue Risiken einzugehen, vertraue man auf bestehende Erfolgsrezepte. Infolgedessen kann der eSport „mit einer ruhigen Hand und einer Portion Vorsicht, trotz eines schwierigen Jahres 2009, weiterhin wachsen“, so der CEO der Kölner Firma.Großes Vertrauen steckt Jens Hilgers hingegen in die Vorarbeit, die man im vergangenen Jahr geleistet hätte. Neben vielen Projekten, die bereits weiterentwickelt und veröffentlicht wurden, scheint die ESL noch einige Neuheiten im Ärmel zu haben. So spricht er unter anderem den Ausbau der Extreme Masters, die Gründung ESL Sports‘ und die Ausweitung ESL-TVs an; von diesen Schritten könne man in den kommenden Monaten profitieren. Darüber hinaus kündigt auch er für die ESL eine Fokussierung auf den Kernbereich an. Im Zuge dessen wäre eine Trennung und Einstellung von quersubventionierten Turnieren – konkret beispielsweise des ENC – denkbar.
Weiterhin bestätigt Jens Hilgers die Gerüchte zur stockenden Auszahlung der ESL-Preisgelder indirekt. Er führt Probleme in diesem Bereich auf die derzeitige wirtschaftliche Lage zurück und verweist allerdings gleichzeitig auf viel Verständnis, das die Vereine der Liga entgegenbrächten. Die Nicht-Einhaltung der 3-Monats-Regel – die ESL verspricht in ihren Regularien eine Auszahlung innerhalb von drei Monaten – in letzter Zeit nennt er bedauerlich.
Zuletzt appelliert er an die Community: Neuerungen und Veränderungen in der Szene müsste endlich offener begegnet werden. So spielt er an dieser Stelle beispielsweise auf das Thema World of Warcraft an, das bislang in der Szene als verpönt gilt. Die Ausweitung des eSports auf dieses Spiel käme allen Beteiligten zugute. Sechsstellige Zuschauerzahlen seien für jeden wünschenswert, so Hilgers. Außerdem fordert er die Fans und Spieler auf nach wie vor ihrem Hobby nachzugehen und so den eSport durch eigene Kraft durch die Krise zu helfen.
