Gestern prangerte der ehemalige mTw.wc3-Akteur Dae Hui ‚FoV‘ Cho auf fragster an, dass mTw ihm noch Geld schulde. Zwar revidierte er dieses Aussagen heute, doch trotzdem meldet sich auf readmore.de der CEO von mTw, Lars Eiben, zu Wort. Im Gespräch mit Nils ‚hellphyte‘ Johannsen reagiert er auf FoVs Interview, gibt interessante Einblicke in die finanzielle Lage des Clans und bekennt sich klar zu einer Zukunft mit dem dänischen CS-Team.
readmore.de: FoV behauptete gegenüber fragster, dass er erst vor kurzem einen Großteil seiner Gehälter bekommen habe. Entsprechen diese Aussagen der Wahrheit und wie geht ihr mit solchen öffentlichen Anschuldigungen um?
Lars Eiben: Unsere Warcraft-3-Spieler haben über das letzte Jahr hinweg ihr Geld zeitnah erhalten. Die letzten beiden Monate sind derzeit noch offen und wir sind seit Ende des Jahres schon mit den Spielern im direkten Gespräch. Bis zum heutigen Tag hatten wir durch intensive Kommunikation das volle Verständnis unserer früheren Spieler und waren beiderseitig daran interessiert die offenen Posten so schnell wie möglich zu begleichen. Solche Informationen gehen im Normalfall nur die jeweils Beteiligten etwas an. Jede Art von Aktionismus seitens mTw kann jetzt als Reaktion auf die Veröffentlichungen verstanden werden, dies möchte ich hier noch einmal deutlich dementieren. Wir sprechen mit all unseren Spielern offen und vertrauensvoll über aktuelle Probleme, die finanzielle Lage und unsere daraus resultierende Vorgehensweise.
readmore.de: Ebenso behauptet FoV, er wäre ganz plötzlich und ohne wirkliche Begründung entlassen worden. Wie ging die Kündigung der koreanischen Spieler damals von statten?
Lars Eiben: Die Kündigung einer solchen Zusammenarbeit ist generell immer ein Thema, das überraschend kommt und mit negativem Beigeschmack behaftet ist. In diesem speziellen Fall kam für die Spieler hinzu, dass wir das erste Team waren, welches auf die Wirtschaftslage und die Ligaproblematiken reagierten. Jedoch hat unser Team-Manager Christopher ‚rukie‘ Pawlowski den Spielern versucht zu erklären, dass wir uns in Zukunft stärker auf den deutschen Markt konzentrieren müssen und es sich mit einem derart großen Team, zu dem zusätzlich die deutschen Talente hinzukommen, nicht lohnt. Bis zum Ende war für uns das weitere Vorgehen nicht zu hundert Prozent sicher. Wir haben direkt nach der feststehenden Entscheidung gegen die koreanischen Spieler dies auch kommuniziert. Weiterhin war uns sehr wichtig, dass auch nach Vertragsende die NGL ONE Finals als positiver Schlusspunkt bestehen bleiben. Das wollten insbesondere die Spieler und der damalige Sieg hat bewiesen, dass sie noch einmal alles gegeben haben.
readmore.de: Waren die Kündigungen rein sportlich begründet oder gab es wirklich finanzielle Probleme, wie WinNers gegenüber fragster behauptet?
Lars Eiben: Scheinbar glauben viele Leute, mTw fährt das Geld in der Schubkarre durchs Büro. Natürlich macht es sich auch bei uns finanziell bemerkbar, wenn der Hauptsponsor wegfällt. Diese finanziellen Einbußen mussten erst einmal überwunden werden. Dazu gehört es auch die sportlichen Kosten mit dem derzeitigen Finanzbudget abzugleichen. Das wird auch in der Zukunft unsere Richtlinie sein.
readmore.de: Gibt es in der Regel in Spielerverträgen eine Klausel, die es ermöglicht, den Spieler bei schlechten Ergebnissen zu entlassen?
Lars Eiben: Wir erfüllen unsere Verträge auch bei schlechten Leistungen unserer Spieler. Keiner der Akteure bei mTw muss Angst haben, bei einem schwachen Abschneiden gefeuert zu werden. Trotzdem ist es in meinen Augen ein sinnvoller Punkt sich vor unentschuldbarer Nichtleistung zu schützen, da letztendlich jeder Spieler und auch der Clan ein Interesse an sportlichen Erfolgen haben muss. Das ist man schon seinen Fans, Partnern, Sponsoren und auch jedem anderen Teammitglied gegenüber schuldig. Hier auch in gewisser Weise etwas Druck durch Festschreiben der jeweiligen Faktoren im Vertrag zu erzielen, sorgt letztendlich für Klarheit auf beiden Seiten. Der eSport vergleicht sich gern mit anderen Bereichen des Sports. – Dort läuft es auch nicht anders.
readmore.de: Die vielen Spielerentlassungen kamen im Zuge der Umstrukturierung der WC3-Ligen zustande. Mittlerweile hat die NGL aber trotzdem ein ansprechendes Angebot mit einer Solo- und einer Teamliga; dazu behaupten die koreanischen Spieler, hohe Gehälter wären ihnen nicht so wichtig. Bereut ihr im Nachhinein die Entscheidung zu Gunsten eines radikalen Neuaufbaus?
Lars Eiben: Wir haben nie gesagt, dass wir die Spieler gern entlassen haben, und wir sind auch nicht der Meinung, dass Warcraft 3 tot sei. Die NGL ONE verfolgt mit ihrem aktuellen Angebot ein interessantes Konzept und hier ist es für uns als Clan wichtig, vertreten zu sein. Die Aussage bezüglich der Unwichtigkeit hoher Gehälter lässt mich schmunzeln. Es ist schade, dass diese Einstellung erst jetzt zutage kommt, wenn die Spieler merken, dass sie auf dem Transfermarkt nicht mehr attraktiv genug sind. Die Erhöhung von Einnahmen wird immer sehr gern und dankend zur Kenntnis genommen. Derzeit haben wir es aber mit einer schwachen Wirtschaftslage zu tun und müssen durch Kürzungen weiter lebensfähig bleiben. Der völlige Neuaufbau war für uns ein Schritt für Warcraft 3 und nicht wie bei anderen Clans dagegen.
readmore.de: Wie zufrieden könnt ihr bisher mit dem Kosten-Nutzen-Faktor des neuen Teams sein?
Lars Eiben: Für uns war es beim Neuaufbau des neuen Teams wichtig, weiterhin zur Weltspitze zu gehören und zusätzlich auf dem deutschen Markt deutlich vertreten zu sein. Unsere jungen Talente Eric und Leon profitieren im Team von einem erfahrenen Routinier wie hanf und präsentieren sich bisher ausgezeichnet. Durch die Spielstärke von WhO können sie außerdem schon jetzt internationale Luft schnuppern und sich mit den besten Spielern in der Szene messen. Wie könnte ich jetzt also mit dem Kosten-Nutzen-Faktor unzufrieden sein?readmore.de: Wie sicher könnt ihr aus finanzieller Sicht in das Jahr 2009 starten? Habt ihr euch von der AMD-Trennung erholen können?
Lars Eiben: Der finanzielle Einbruch durch den Wegfall des Hauptsponsors macht sich natürlich bemerkbar und führte auch zu kurz- bis mittelfristigen Sparmaßnahmen. Durch die Unterstützung unserer Partner wie OCZ oder Sennheiser Communications konnten wir auch diese Situation meistern und sehen optimistisch in die Zukunft. Wir haben mit mTw eine Marke, welche aufgrund der langen Geschichte des Clans, der Erfolge des letzten Jahres und der angepeilten Ziele 2009 hervorragend positioniert ist. Wir können in den nächsten Wochen beweisen, dass wir hier besser aufgestellt sind, als es vielleicht derzeit vermutet wird. Durch die Entwicklung einer standesgemäßen Webpräsenz werden wir außerdem noch in diesem Monat der Forderung vieler Fans nachkommen und dem Clan auch im Web wieder ein wirkliches Zuhause bieten.
readmore.de: Mit AMD ist euer Hauptsponsor weggefallen. Wann werdet ihr einen Ersatz präsentieren können?
Lars Eiben: Wir werden in der nahen Zukunft natürlich neue Partner bekanntgeben. Diese werden aber keinesfalls nur Lückenbüßer oder wie du es nennst – Ersatz sein, sondern mTw durch ihre Unterstützung in einem erfolgreichen Jahr 2009 und hoffentlich auch darüber hinaus zur Seite stehen.
readmore.de: Woher kamen deiner Meinung nach die Gerüchte, dass ihr und euer dänisches CS-Team getrennte Wege gehen werdet?
Lars Eiben: Bei einer Antwort darauf würde ich mich – ähnlich den beiden Seiten, die für die Gerüchte verantwortlich waren – ohne wirkliche Fakten aus dem Fenster lehnen. Wir können letztendlich nur sagen, dass wir ein sehr gutes Verhältnis zu unseren „Dänen“ haben und beide Seiten wissen, was sie aneinander haben. Das wurde mir durch die Reaktionen der Spieler und des Managers guddo in Kommentaren und Interviews noch einmal öffentlich bestätigt. Die Jungs und ich gehen ja nicht erst seit Januar 2008 gemeinsame Wege und wollen auch in Zukunft zusammen arbeiten.
readmore.de: Wenn man sich die CS-Turnierfülle im letzten Quartal 2008 ansieht, müsste ein international ambitioniertes CS-Team wie eures hohe Kosten verschlungen haben. Wie rentabel ist solch ein Team noch für den Clan, sollte der Turnierkalender weiterhin so voll sein?
Lars Eiben: Die Teilnahme an den vielen Turnieren und die damit verbundenen Reisekosten in fünfstelliger Höhe wurden alleine durch die Menge der Erfolge gerechtfertigt. Nur durch so eine Masse von Topplatzierungen und die damit eingehende Medienpräsenz kann man sich starken Partnern nicht nur national, sondern auch international präsentieren. Wir werden selbstverständlich auch in Zukunft all unseren Spielern die Möglichkeit bieten, an so vielen Turnieren wie möglich teilnehmen zu können.
readmore.de: Außerdem besteht das CS-Team aus fünf Profi-Spielern, die eSport als einzige Einnahmequelle haben. Sind ihre monatlichen Einnahmen primär vom Festgehalt abhängig oder besteht der größte Anteil aus Preisgeldeinnahmen?
Lars Eiben: Alle unsere Spieler beziehen bei uns monatlich einen festen Betrag und können ihr Preisgeld zu 100 Prozent behalten. Gleichzeitig kommen wir auch für jegliche Kosten während eines Events auf. Wir sind der Meinung, dass dies der Anspruch an einen professionellen Clan sein muss und wir nur so den Spielern die Möglichkeit bieten, sich vollständig auf ihren Job, das Spielen, zu konzentrieren.readmore.de: Wie sehr trifft es euch als Clan und wie sehr trifft es die Spieler, wenn bei großen Ligen Preisgelder verspätet oder gar nicht ausgezahlt werden?
Lars Eiben: Wir haben in der jungen Vergangenheit gelernt, dass es fast keine Ligen gibt, die ohne gewisse Verspätungen ihren Preisgeldzahlungen nachkommen. Dadurch ist die Enttäuschung bei den Spielern immer wieder groß. Wichtig ist dabei in jedem Fall, dass weiter detailliert kommuniziert wird und sowohl der Clan als auch die Spieler sich der Gründe hinter den fehlenden Preisgeldern bewusst sind. Einige Ligen schaffen es hier, sich durch Offenheit und Verantwortungsbewusstsein Verständnis bei den professionellen Spielern zu erarbeiten. In dieser Situation trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.
readmore.de: Wie abhängig ist das Clanbudget von sportlichen Erfolgen oder Turniersiegen?
Lars Eiben: Turniersiege oder Top3-Platzierungen sind nicht nur für die Spieler, sondern auch für einen Clan unabdingbar. Dadurch werden Partner in den Vordergrund gebracht und mögliche Sponsoren können von der Qualität der Spieler und des Clans überzeugt werden. Direkt erhalten wir, wie oben schon beschrieben, nicht einen Cent vom Preisgeld unserer Spieler.
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.

