Der 22-jährige David ‚Dave‘ Wegener ist CEO des deutschen Clans wooSai. Während er mit seiner Organisation seit längerer Zeit auf ein dänisches Counter-Strike-Team baut, hat wooSai in Deutschland nicht zuletzt seit der Disqualifikation aus der EPS 13 mit herben Imageproblemen zu kämpfen. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen sprach mit Dave über die aktuellen Ziele des Clans und fragte, wie man sich in Zukunft besser in der deutschen Szene präsentieren kann.
readmore.de: Ein zweiter Platz auf der HKLAN und eine knapp verpasste Qualifikation für die deutschen KODE5 Regional Finals – Wie zufrieden kannst du mit den letzten Ergebnissen deines Teams sein?
David ‚Dave‚ Wegener: Ich persönlich bin hoch zufrieden mit diesem zweiten Platz. Wir haben auf dieser LAN gezeigt, dass wir zu den Top3 in Dänemark gehören. Vor allem der knappe Loss gegen Mirror hat mich sehr gefreut. Er hat gezeigt, dass in dem Team Potential steckt und sie heiß sind auf diese Spiele. Mit ein wenig mehr Glück hätten wir Mirror auch besiegen können.
Andererseits bin ich etwas enttäuscht über das Ergebnis des deutschen KODE5 Invite-Turniers. Das Problem des Teams ist es leider, dass sie ihre Gegner sehr oft unterschätzen. Das haben wir im ersten Match gegen ESC gesehen; die Jungs sind total überheblich in dieses Spiel gegangen. Im Finale gegen ein starkes plan-B trat dieses Verhalten nach den ersten fünf Runden auch wieder auf. Daran müssen wir stark arbeiten. Jeder Gegner muss ernst genommen werden, egal was für Namen vor den Spielern stehen.
readmore.de: Anscheinend ist das Team ziemlich selbstbewusst. Wie lauten denn die Ansprüche und Ziele auf internationaler Ebene?
Dave: Das Team ist sehr selbstbewusst. Anders als bei unserem vorigen Team trainieren sie sehr viel und intensiv. Daher sind die Ansprüche, die sie selbst an sich stellen, auch sehr hoch. Vom Management kommt kein Druck auf das Team. Wir wissen, was für ein Potential in den Spielern steckt, und vertrauen ihnen. Wir wollen aber natürlich versuchen, durch den Eurocup und auch mit einer eventuellen Teilnahme an den Extreme Masters den einen oder anderen Gegner zu überraschen.
readmore.de: Warum setzt ihr dabei schon seit so langer Zeit auf dänische Squads? Immerhin ist die dortige Szene die wohl inkonstanteste in Europa, was ihr auch schon oft genug zu spüren bekamt.
Dave: Die Frage ist wohl berechtigt. (lächelt) Das liegt einfach daran, dass wir persönlich schon fast freundschaftliche Kontakte zu den Spielern pflegen. Insbesondere der Kontakt zu Magnus (pzyclone) ist sehr intensiv. Es macht einfach Spaß mit ihnen; die Spieler haben einiges auf dem Kasten. Das bekannte Problem der Inkonstanz haben wir nun mit dem aktuellen Team ganz gut unter Kontrolle bekommen. Das wichtige daran ist, dass die Spieler sich einander mögen und dass sie sich bei der Organisation wohl fühlen. Das Team kennt sich privat schon sehr lange und spielte auch lange erfolgreich unter der Flagge von Ideal Gaming.
readmore.de: Kann es in solchen Fällen nicht passieren, dass man aufgrund von persönlichen Bindungen oder Freundschaften den objektiven Blick für das Sportliche oder Wirtschaftliche verliert?
Dave: In der Tat kann das schnell passieren. Aber wir unterscheiden uns mit Sicherheit von den Clans, denen es alleine um den wirtschaftlichen Aspekt geht. Bei uns geht es primär um Spaß und Erfolg. Für mich persönlich ist es schon super, dass sich der Clan mittlerweile selbst trägt. Es kamen schon viele bekannte Leute zu mir, die meinten, sie würden so Teams wie unsere nie unterstützen und ich solle mich doch einmal auf anderen Märkten umsehen. Aber wie es so schön heißt: „Das Geheimnis des Erfolges ist die Beständigkeit des Ziels.“
readmore.de: Trotzdem konntet ihr kürzlich einen neuen Hauptsponsor vorstellen. Was kann ein Clan wie wooSai den Spielern in Sachen Reisen oder Aufwandentschädigungen nun bieten?
Dave: Das ist richtig und freut mich auch sehr. Sascha (CFO bei wooSai) hatte sich auf den Weg zur CeBIT gemacht und es hat sich direkt gelohnt für uns. Er kam gut mit Firmen wie LC-Power ins Gespräch und konnte uns trotz Krise würdig präsentieren. Was wir bieten können? – Mehr als viele andere von uns denken vermutlich. Wir kümmern uns um jede Kleinigkeit, um den Spielern einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen; wir bezahlen Flüge, Reisen und Eintritte. Außerdem profitieren die Spieler von unseren Partnerschaften mit SteelSeries und können sich ohne Probleme ausstatten lassen. Wir sind natürlich stets bemüht, den Spielern Prämien und Belohnungen zu bezahlen. Allerdings sind wir noch nicht so weit, dass wir hier von einem geregelten Einkommen sprechen können.
readmore.de: Warum nutzt ihr diese guten Voraussetzungen nicht, um zum Beispiel wieder mit einem EAS- oder EPS-Team ein Standbein in Deutschland aufzubauen?
Dave: Ich bin persönlich ein wenig enttäuscht von der deutschen CS-Szene. Das liegt aber eher an den leicht vermessenen Forderungen eines EAS-Teams. Andererseits haben wir in Deutschland durch unsere Vergangenheit auch keinen besonders guten Ruf. Wegen der meiner Meinung nach falschen Disqualifikation unseres letzten Teams haben wir einen starken Imageschaden davon getragen. Die Leute wissen zum Teil bis heute nicht, was genau dort vorgefallen ist. Am Ende fällt es wieder auf die Organisation zurück. Wir überlegen derzeit, eine eventuelle Rookie-Sektion aufzubauen, ähnlich dem deutschen Traditionsclan pod. Denn man darf nicht vergessen, dass der deutsche Markt sehr lukrativ sein kann, was Sponsoren und Partner anbelangt.
readmore.de: Du sprachst euer schlechtes Image in Deutschland bereits an. Was konkret könnt ihr noch tun, um dieses wieder zu aufzubessern?
Dave: Ein Image aufzubessern, ist immer sehr schwer, wenn man immer in eine Schublade gesteckt wird. Denn leider ist die Masse der Leute, die tatsächlich eine eigene Meinung haben, nicht sehr dicht. Ich denke, wenn wir in Deutschland wieder richtig angreifen wollen, dann können wir das nur durch Taten, sprich guten Resultaten, eines deutschen Teams, einer vernünftigen Webseite mit deutschem Content und Userfreundlichkeit. Vielleicht müsste man auch mehr für die Community tun, in Form von Turnieren oder Cups. Wir bieten im Moment nichts Interessantes an, aber ich hoffe, wir können das in Zukunft ändern.
readmore.de: Auch du persönlich hast keinen guten Stand in der Szene. Oft eckst du mit emotionalen Kommentaren oder Forenposts an. Was bewegt dich zu diesem sehr offenen Dialog mit der Community?
Dave: Ja, was bewegt mich dazu? – Im Grunde genommen mache ich das gleiche wie alle anderen auch, nur lege ich mir keinen extra Fakeaccount an. (lächelt) – Nein, Spaß beiseite. Eigentlich möchte ich den Leuten im Forum immer helfen. Zum einen verstehen mich die Leute manchmal allerdings einfach falsch, zum anderen bin ich leider ein sehr jähzorniger Mensch. Wenn jemand alles in den Dreck zieht, das ich über Jahre mühselig aufgebaut habe, werde ich schnell sehr sauer. Stell dir vor, du arbeitest an einem Projekt, steckst dein ganzes Herzblut rein, fieberst mit jedem Spiel mit. Und dann kommen so disqualifizierte Kommentare von irgendwelchen Leuten – nicht nur einmal, sondern immer wieder. Früher habe ich gar nicht geschaut, was die Leute geschrieben haben, bis mich dann einmal Freunde darauf aufmerksam gemacht haben, dass die meisten denken, wir sind der größte Saftladen. Und das stimmt einfach nicht.
readmore.de: Sind eure Leistungen in dieser Hinsicht vielleicht einfach nicht transparent und ersichtlich genug für die Community?
Dave: Meiner Meinung nach sind die Leistungen schon ersichtlich. Aber wie ich oben schon erwähnt habe, wenn man einmal in dieser Schublade steckt, ist es schwer, wieder herauszukommen. Mag sein, dass wir vor Jahren manche Abmachungen mit deutschen Teams nicht nachkommen konnten, aber wir zeigen mittlerweile seit mehreren Jahren das Gegenteil. Wir schicken unsere Jungs auf LAN, wir lassen sie bootcampen, wir tun wirklich viel für unsere Teams. Das Wichtigste ist, dass sie sich wohl fühlen. Das kommt bei der Community irgendwie nicht wirklich an oder – besser gesagt – sie wollen es nicht wissen. Wenn ich mir manche Kommentare durchlese, bekomme ich das Gefühl, ein Clan wie wir hat es in den Augen der Community nicht verdient, oben mitzuspielen.
readmore.de: Habt ihr mit diesen Problemen momentan genug Baustellen oder plant ihr, euer Spiele-Portfolio auf andere Spiele neben CS auszuweiten?
Dave: Im Moment sind wir wohl restlos bedient. Aber wir wollen natürlich unseren Content erweitern. Erweiterung ist schön, kostet aber im Gegenzug immer Geld. Geld, das momentan wirklich nicht an Bäumen wächst. Wenn wir weitere Partner für uns gewinnen können, würde mich persönlich ein CoD-Team oder auch ein FIFA-Team reizen. Aber wie gesagt: Kommt Zeit, kommt Rat und vor allem hoffentlich Geld. (lächelt)
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.