Die ESL wird ihre Offline-Events in Zukunft ausschließlich über ESL TV auf die heimischen Bildschirme übertragen. HLTV und Waaagh!TV werden nur noch zum Einsatz kommen, wenn ESL TV technische Probleme hat oder es parallele Partien gibt. Das bestätigte David ‚affentod‘ Hiltscher heute gegenüber readmore.de. Bereits am Freitag wurde das Intel Friday Night Game in Berlin nicht mehr auf HLTV gezeigt.
Die ESL begründet den Schritt zum einen durch die einzigartige Live-Erfahrung im eSport, die auf dem HLTV bzw. Waaagh!TV verloren gehe. Zum anderen liege der Grund aber auch in wirtschaftlichen Interessen. Die technische und inhaltliche Weiterentwicklung in diesem Sektor sei sehr teuer und Übertragungen per HLTV und Waaagh!TV sehr viel schwerer zu vermarkten, als das bei Online-Streams der Fall sei. Einen Freestream werde es aber weiterhin wie gewohnt geben.
Bisher betrifft der Schritt lediglich Offline-Events, auf denen ESL TV zugegen ist. Für Online-Matches sei die Entscheidung vertagt worden, weil der Mehrwert bisher noch nicht so groß sei wie auf Events, so David Hiltscher, Community Manager bei Turtle Entertainment. Überfüllte und langsame Streams wie beim Intel Friday Night Game in Berlin müsse in Zukunft aber niemand fürchten: Die Stream-Probleme in Berlin seien nicht auf das erhöhte Zuschaueraufkommen zurückzuführen gewesen, sondern auf einen Hardware-Defekt in Köln, durch den man auf eine alte Technologie habe zurückgreifen müssen.
readmore.de sprach mit David ‚affentod‘ Hiltscher über die Entscheidung:
readmore.de: Wieso gibt es kein HLTV und Waaagh!TV mehr für Offline-Events der ESL?David ‚affentod‘ Hiltscher: Das Schöne an Events ist ja, dass die Spieler greifbar sind, live vor der Kamera. Diese Faszination geht bei HLTV verloren. Wir wollen, dass jeder, auch außerhalb von Deutschland, eSport als Event-basierten Sport versteht, der nicht rein online ausgetragen wird.
Und natürlich gibt es auch ein wirtschaftliches Interesse, gerade in Zeiten wie diesen. Wichtiger Erfolgsfaktor für den eSport ist Erfolg auf dem Werbemarkt. Und der interessiert sich nun mal mehr für Zuschauerzahlen auf einem echten Stream, als für ein HLTV, dass man kaum vermarkten und noch schwerer erklären kann.
HLTV/WTV wird allerdings nur für die Offline-Matches abgeschaltet, die auch wirklich live auf ESL TV laufen. Eventuelle Parallelspiele werden wir immer über ingame-TV anbieten, damit man auch wirklich alles verfolgen kann.
readmore.de: In Berlin lief der Umstieg wohl nicht wie geplant. Viele User hatten Probleme mit der Verfügbarkeit des Streams. Was war los?
affentod: Die Probleme hatten nichts mit einer größeren Anzahl an Zuschauern zu tun. Uns ist ein extrem wichtiges Gerät in der Kölner Sendezentrale abgeraucht. Deswegen mussten wir auf unsere alte Streamtechnologie aus der Zeit vor Octoshape umsteigen, die wir mit gutem Grund eigentlich nicht mehr einsetzen.
Bei den Intel Extreme Masters Finals hatten wir absolute Rekordzuschauerzahlen auf unserem Octoshape Flashstream. Octoshape ist eine extrem stabile Technologie. Das schützt einen nur leider nicht vor Hardwaredefekten. In so einem Fall wird künftig sofort wieder HLTV/WTV angeschaltet.
readmore.de: Wird es weiter möglich sein, das Intel Friday Night Game kostenlos über das Internet zu verfolgen?
affentod: Absolut. Der Freestream mit 350 KB gehört fest dazu.
readmore.de: Wird eine Abschaltung der Services auch für Online-Matches in Betracht gezogen?
affentod: Darüber wurde diskutiert, aber die Entscheidung wurde vertagt. Bei Online-Matches ist der Mehrwert von ESL TV noch nicht so groß wie bei Begegnungen auf Events.
readmore.de: Die Freiheiten von HLTV und Waaagh!TV sind offensichtlich auch im Stream-Zeitalter noch sehr beliebt. Wie wollt ihr diese User von ESL TV überzeugen?
affentod: Man muss sich nur die Entwicklung von ESL TV im letzten Jahr angucken, da gab es Verbesserungen auf allen Ebenen. Und die wird es weiter geben. Und dafür muss vor allem in neue Technologien investiert werden. Wer den ESL TV Stream von der letzten Dreamhack gesehen hat, weiß, in welche Richtung das gehen muss: Ein vernünftiges Overlay während des Spiels, Splitscreens und vielleicht sogar wählbare Kameraperspektiven. Das alles zu entwickeln ist ein längerer und auch teurer Prozess. Unser Ziel ist es, die ESL-Wettbewerbe in den 10er-Jahren auf einem so guten Stream zu übertragen, dass niemand mehr an die Frühzeit des eSports zurückdenkt, als man noch selber Counter-Strike starten musste zum Zuschauen.
