Vor zwei Wochen musste die ESL zum ersten Mal ein Intel Friday Night Game in der siebenjährigen Geschichte absagen. Aufgrund des Amoklaufs am 11. März in Winnenden bei Stuttgart hielten die Stadt sowie der Hallenbetreiber das IFNG für inakzeptabel. Jetzt scheinen weitere Städte Vorbehalte gegen die freitäglichen Spiele zu haben: Offenbach warnt vor Computerspielen und stellt das IFNG am 17. April unter besondere Beobachtung; Berlin will sich nicht äußern.
In einer Pressemitteilung warnte der städtische Magistrat vor „erwiesenen negativen Auswirkungen, die das exzessive Spielen von Computerspielen […] bei einzelnen Jugendlichen haben können“, sowie vor der „oft unterschätzten Suchtgefahr“ und ihren Folgen für den Spieler und sein Umfeld. Um dem Problem zu begegnen, beschloss der Offenbacher Magistrat, mehrere Fachleute des Jugendamtes als Gäste auf das Event zu schicken und es damit unter gesonderte Beobachtung zu stellen.
Auf Grundlage der Beobachtungen der Vertreter des Jugendamtes soll nach dem IFNG darüber beraten werden, wie man in Zukunft generell mit derartigen Veranstaltungen umgehen will. Ein Verbot des Friday Night Games, das am 17. April in der Offenbacher Stadthalle stattfinden soll, ist damit vom Tisch; Bürgermeisterin Birgit Simon zeigte sich zufrieden mit der Lösung, schloss weitergehendes Handeln innerhalb der späteren Beratungen aber nicht aus.An der Sitzung des Magistrats hatte außerdem der Jugend- und Präventionsfachmann Dr. Michael Koch teilgenommen, der sich bei seinen Ausführungen auf die umstrittenen Studien von Prof. Christian Pfeiffer berief. So informierte Koch den Rat über die Auswirkungen, die Pfeiffer in seiner letzten Untersuchung aus dem November 2008 mit Computerspielen in Verbindung gebracht haben will. Von Konzentrationsschwächen bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen hatte Pfeiffer diverse negative Folgen auf das Spielen am Computer zurückgeführt. Wie umstritten diese Studie ist, wurde, nach der Pressemitteilung zu urteilen, außer Acht gelassen.
derwesten.de berichtet außerdem, dass die Stadt Berlin, in der am letzten Wochenende das IFNG planmäßig stattfinden konnte, sich nicht zu der Veranstaltung äußern möchte. Das Online-Portal zieht daraus seine eigenen Schlüsse und sieht Vorbehalte gegenüber den beliebten Events der ESL Pro Series. Zu differenzieren ist allerdings zwischen den Locations, die der Stadt gehören – wie die Stadthalle Offenbach und die Liederhalle Stuttgart -, und denen, die komplett in privater Hand sind. So kann die Stadt grundsätzlich nur über ihre eigenen Örtlichkeiten verfügen.Am 23. März hatte zuvor die Stadt Stuttgart die Austragung des IFNGs in der Liederhalle verhindert. In Hinsicht auf den Amoklauf vom 11. März an einer Realschule in Winnenden, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, sahen die Verantwortlichen keine Möglichkeiten, diese Veranstaltung stattfinden zu lassen. Sie sei der schrecklichen Ereignisse wegen viel mehr inakzeptabel, ließen die Stadt und der Hallenbetreiber verlauten. Kritisiert wurde auf diese Entscheidung hin, dass es keinerlei Gespräche mit der ESL gegeben hat, welche von der plötzlichen Absage überrascht wurde. Damals äußerte sich David ‚affentod‘ Hiltscher, Director Community Management bei Turtle Entertainment, in einem Interview mit readmore.de dahingehend, dass die ESL mit allen kommenden Locations in Gesprächen stehe, um Missverständnisse auszuräumen.

