Heute gab die Sponsormatic ApS in Kopenhagen die Verpflichtung des ehemaligen Les Seules-Teams bekannt, welches fortan als Team Zinic wichtige Imagearbeit für den eSport leisten soll. Stereotypen abbauen und den elektronischen Sport einer breiten Masse näherbringen, lauten die Ziele. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen war vor Ort und ist der Meinung, dass man die Lobbyarbeit der fünf Mädels durchaus annehmen sollte. Fernab aller Female CS-Vorurteile.
Die Female-Szene hat keinen leichten Stand in der eSport-Community. Wenig beachtet und wenn überhaupt müde belächelt, kämpften die XX-Chromosomen auf dem Server einen hoffnungslosen Kampf und fanden sich stattdessen auf Coverage-Seiten nur in ausschweifenden Fotostrecken wieder. Doch jetzt soll alles anders werden, jetzt sollen sie in Form von Sponsormatics neuem Team Zinic als Zugpferd einer ganzen Branche dienen, um den Stereotypen vom einsamen vernerdeten Kellerkind aus der Gesellschaft zu verdrängen und die Tore zu öffnen für eine eSport-Akzeptanz in der breiten Bevölkerung. Laute Aufschreie in der maskulin dominierten Szene sind vorprogrammiert. Denn warum sollen ausgerechnet diejenigen den Anschub geben, die aus rein sportlicher Sicht bei weitem nicht zu den besten Athleten ihrer Sportart gehören?
Existenzängste statt Olympischer Spiele
Einer der Gründe könnte sein, dass der eSport noch lange nicht so weit ist, wie sich der ein oder andere bisher erhofft und erträumt hat. Turnierveranstalter und Clans melden Insolvenz an; Warcraft-3-Ligen strukturieren um und sorgen für Progamer-Massenarbeitslosigkeit; Clans können kein versprochenes Gehalt zahlen; die Killerspieldiskussion auf Stammtischniveau drängt wehrlose deutsche Gamer immer weiter in die dunkle Ecke. Nichts ist mehr zu sehen von Visionen wie Counter-Strike auf den Olympischen Spielen oder Warcraft im Kabelfernsehen. Stattdessen strapazieren alltägliche Probleme und Existenzängste die Nerven aller Beteiligten.Deshalb ist es an der Zeit, die erhofften Höhenflüge vorerst beiseite zu legen und wertvolle Basis- und Lobbyarbeit zu verrichten. Die jungen Damen scheinen dafür genau richtig. Denn so viel besser ihre männlichen Gegenstücke im Spiel auch sein mögen: Junge Männer, die ihren Tag mit Videospielen verbringen, haben die meisten Eltern selbst zur Genüge im eigenen Haus. Die attraktiven Frauen dagegen haben da schon deutlich mehr Anziehungskraft, wenn sie mit ihren rosa Headsets schrille Schreie von sich geben, die Hände vor das reichlich geschminkte Gesicht schlagen oder sich am Ende kreischend in den Armen liegen.
Die „Pinke Revolution“ muss Versäumnisse nachholen
Dieses Szenario hätte das Potential, auf der einen oder anderen Webseite oder Lokalzeitung unter „Bilder der Woche“ zu erscheinen und somit zumindest im positiven Sinne darauf aufmerksam zu machen, dass eSport weit mehr als eine kleine Nische für klischeebehaftete Jugendliche ist. Und dabei müssen im männlichen Lager nicht einmal Existenzängste aufkommen. Während die Frauen wichtige PR-Arbeit leisten, sich professionell ablichten lassen, mit MTV-Shows die Massen begeistern und Lobbyarbeit leisten, können die Jungs ungestört weiterspielen.Sponsormatic geht auf jeden Fall einen richtigen Weg und es ist zu hoffen, dass dieser konsequent weitergeführt wird. Viele haben bislang darüber philosophiert „eSport massentauglich zu machen“, aber nur selten gingen diese Versuche über ein Strohfeuer hinaus. Zu zögerlich war man, wenn es darum ging, den alten Trott zu vergessen. Nachdenklich sollte einen aber auch machen, dass erst „Die Pinke Revolution“ kommen musste, um dieses Unterfangen wirklich ernsthaft in Angriff zu nehmen.
Es ist zu hoffen, dass die Lobbyarbeit wirklich Früchte trägt. Jedenfalls ist das Konzept ein gutes Fundament, welches dem eSport bisweilen bei seinen Luftschlössern gefehlt hat. Doch selbst wenn es die außenstehenden Massen begeistern sollte, ist es fast noch wichtiger, dass auch die eingefleischten Fans verstehen, annehmen und die Möglichkeiten dahinter für den eSport entdecken.

