Nils ‚hellphyte‘ Johannsen forderte in seiner Kolumne von den eSportlern, die Augen zu öffnen; zu erkennen, dass der Traum von Counter-Strike als Olympische Disziplin nicht der Wirklichkeit entspricht; einzusehen, dass gute Lobbyarbeit oberstes Gebot ist und diese von Zinic geleistet wird. Silvia ’s1lviii‘ Kerner, Team-Managerin des Alternate-Female-Teams, sieht das anders – die „pinke Revolution“ ist zu pink, zu pink, um den Leuten eSport näher zu bringen.
Gestern las ich den Artikel zu den Vorzügen der „pinken Revolution“ wie sie Les Seules eingeführt haben soll. Es war die Rede vom Abbau von Stereotypen und dass es dem eSport helfen könnte – ja sogar der Female-Szene. Ich konnte mich nicht davon abhalten gleich in den MSN-Fenstern meiner Teammates rumzuflamen, wie das eine mit dem anderen überhaupt zusammen passen soll.
Abbau von Stereotypen – Indem man sich ausschließlich rosa kleidet? Indem man riesige Plakate anfertigen lässt, auf denen man angemalt und unkonventionell gekleidet mit Waffen posiert? – Letzteres ist sicherlich kein Stereotyp (außer vielleicht der mancher Männerträume), aber auch fernab der Realität.Ja, natürlich soll der eSport präsentiert werden, das ist nicht nur den Männern vorbehalten. Frauen können das auch, keine Frage! In dem Punkt kann ich nur zustimmen. Aber sollte man nicht versuchen das ganze auf realistische Art und Weise zu tun? Was bringt es, wenn Eltern sehen, dass vielleicht noch halbnackte, rosa gekleidete Frauen mit Waffen posieren und im kleinen Text daneben steht, dass sie gerne CS spielen, aber ansonsten total liebe Mädchen sind? Vielleicht noch, dass sie genauso sind, wie alle anderen Frauen auch? – Ja, das passt!
Den eSport zu präsentieren ist, wie man es auch macht, eine schwierige, da exotische, Angelegenheit. Nicht umsonst gibt es mittlerweile sogar Rhetorik-Seminare, damit man sich in der Öffentlichkeit gewählt ausdrücken kann. In meinen Augen darf der eSport nicht in einer solchen Art präsentiert werden, vor allem, wenn die Frauen so viel mehr Potential hätten.
Das Standardargument wird nun sein: „Das sagst du ja nur, weil du auf so einem Plakat scheisse aussehen würdest!“ – Sicherlich! Aber ich würde mich auch gar nicht so fotografieren lassen. Mein Team ist mehrmals in der Öffentlichkeit aufgetreten, immer gepflegt gekleidet, die Sponsoren repräsentierend und in freundlichem Ton. So haben sie es ebenfalls in Zeitungen oder Sendungen geschafft – und siehe da, es wird ein vollkommen normales Bild einer Zockerin in die Medien übertragen. Ein Bild, mit dem sich Eltern identifizieren können, weil es nicht vollkommen exotisch ist. Wenn die Partei „Die Linke“ auf Wählerfang geht, wird sie doch auch nicht ihre Punks vorne wegschicken, das würde viel zu viele verschrecken.
Wieso muss es also pink sein? Vor allem, wenn man gut Counter-Strike spielen kann und sogar freundliche Gesichter in den Reihen hat? Ich finde den Schritt, den sie gegangen sind löblich! Ich finde es gut, wenn sich ein Team bereit erklärt, die PR-Arbeit zu übernehmen, nicht nur allein für Frauen, sondern für den gesamten eSport. Daneben sind sie weiterhin mit das beste Team Europas und können sicherlich auf weiteren internationalen LANs auf guten Rängen landen. Gerade deshalb reicht es in meinen Augen völlig, sich als professionelle, wohl erzogene Frauen zu präsentieren, die eine Leidenschaft haben: Counter-Strike. Je mehr man dazu spinnt, desto mehr überfordert es den gemeinen Bundesbürger, wenn er die Zeitung aufschlägt. In diesem Sinne:Die Revolution ist tot – lang lebe die Revolution: Back to the roots!

