Call of Duty 4 wurde im Februar vergangenen Jahres in Las Vegas zum Spiel des Jahres 2008 gekührt. Die erfolgreiche Actionspielserie von Activision erobert seit diesem Jahr auch die ESL Pro Series und kann eine stetig wachsende Fangemeinde aufweisen. Guido ‚Mr.Jumper‘ Schwering widmete sich mit Hilfe von Roman ‚Spow‘ Stolz den Gepflogenheiten von CoD4 und seiner Szene genauer.
Das ehemalige Team von KomaCrew, das momentan unter dem Namen choZen spielt, steht ganz oben in der laufenden EPS Saison. Der Team-Manager Spow ist mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden. Viel gehört hat man davon allerdings nicht, obwohl die CoD4-Szene stark im Kommen ist. Die Fangemeinde wächst unaufhaltsam und alle freuen sich endlich im erkorenen Kreis der Königsklasse angekommen zu sein. Drei Vorgänger waren nötig, um zu beweisen, dass CoD4 zurecht einen Platz an der Sonne bekommen soll. Schließlich wird dem Spiel ein tolles Multiplayererlebnis geboten, findet auch Spow. Trotzdem ist nicht alles perfekt.
Wenn man jemandem das Spiel erklären würde, der davon noch nie etwas gehört hat – außer dass es ein moderner Egoshooter und ein klasse Multiplayerspiel ist -, würde kurz und bündig sagen: „Stell dir Counter-Strike etwas vor – nur in neu: Mehr Waffen, bessere Grafik, geniales Movement und eine erwachsene Community.“ – Diese Beschreibung träfe den Nagel auf den Kopf: Das Spiel funktioniert grundlegend wie die Königsdisziplin des eSports. Man hat zwei Bombspots und zwei Teams, die aus jeweils fünf Spielern bestehen. Simpler könnte es nicht sein.
Spow findet das Spiel vor allem sehr einsteigerfreundlich. Schnell hätte man sich in das Spielsystem eingefunden und die Abläufe verstanden. Grundsätzlich ist das eine gute Sache, doch wenn es um die Professionalisierung bzw. eSoprt-Tauglichkeit geht, worauf es den großen Turnierveranstaltern naturgemäß am meisten ankommt, sind schnell Grenzen erreicht, die sich nur durch einen Mod umgehen lassen.
Die Promod
Damit einem der Sinn für einen extra Mod einleuchtet, muss man zunächst den konventionellen Multiplayermodus verstanden haben. Der Entwickler hat sich dazu etwas ganz Besonderes einfallen lassen. So wurde ein Rankingsystem entworfen, das dem Spieler ermöglicht, anhand von Erfahrungspunkten Rang um Rang aufzusteigen. Mit dem Aufstieg von einer Klasse zur nächsten, schaltet man neue Ausrüstungen, sogenannte Perks, und Waffen frei. Perks erlauben den Spielern, sich drei besondere Fähigkeiten anzueignen. Zum Beispiel kann man schneller nachladen oder auf dem feindlichen Radar unsichtbar werden.
Auf den ersten Blick bietet sich dem Spieler eine völlig neue Spielperspektive, doch würde das Spiel dadurch, laut Spow, zu unausgeglichen. Er hält Perks in einem professionellen Multiplayermodus fast für undenkbar. Diese würden den Spielablauf zu stark beeinflussen und könnten das Spiel aus dem Gleichgewicht bringen. Zwar macht es Spaß, damit auf Publicservern zu spielen, doch sollte es in eSport-Ligen mehr um den rein taktischen Hintergrund gehen als um Funangelegenheiten.
Deshalb wurde von der Szene der Promod entwickelt. Dieser unterbindet die Benutzung von Perks und sorgt damit für einen fairen und ausgeglichenen Spielablauf. Spow hält diese Entwicklung für richtig, auch wenn das Individuelle am Spiel wegfällt. Es gäbe schließlich noch Funladders in der ESL, in der die Perks erlaubt sind; in der EPS hingegen ist der Promod Pflicht.
Trotz dieser möglichen Ungereimtheiten hinsichtlich des Spielspaßes schafft der Promod viel Positives. Dieser beseitigt hauptsächlich einige Mängel, die den Entwicklern des Spiels entgangen sind. So ist beispielsweise die AK-74u eine zu starke Waffe auf kurze und lange Distanz. Durch den Mod wurde ihr Schaden begrenzt, sodass nicht alle mit derselben Waffe spielen. Außerdem wurde die Anzahl auf zwei Stück pro Team reglementiert.
Die Community in Zusammenarbeit mit der ESL
Die Community hat die teilweise umstrittenen Richtlinien der ESL akzeptiert und ist durchaus zufrieden. Vor Beginn der Pro Series gab es ein Spielerratsmeeting, an dem die Community ihre Interessen mit einbringen konnte, sodass ein gemeinsamer Nenner gefunden wurde. Auf eine andere Institution der ESL blickt Spow jedoch eher skeptisch: die ESL-Admins. Er beklagt, dass sie meist aus dem Funbereich kämen und Entscheidungen träfen, die eventuell Nachteile für professionelle Spieler aus der EPS nach sich ziehen könnten. Einiges sehen sie komplett anders und blicken nicht objektiv auf das Geschehen. Das Gesamtpaket der CoD4-ESL würde dennoch stimmen, weil auch die Admins sehr bemüht seien.
Genauso liefert die Community im Kern ein gutes Gesamtpaket ab. Spow liebt vor allem die bescheidene Seite der Szene, die auch in schlechten Zeiten zusammengehalten hätte, obwohl er gleichzeitig einen Teil der Szene sehr kritisch beäugt. Einige Spieler seien zu selbstsicher und wirkten etwas abgehoben im Vergleich zum Rest, erzählt der choZen-Manager. So käme es oft vor, dass sie überheblich werden, genau wie einige Spieler im IRC, die ausschließlich starke Gegner suchen und am Ende der Partie den Server mit langen Gesichtern verlassen.
Diese Ausnahmen gibt es aber wohl in jedem Spiel und so ist die Community insgesamt wesentlich erwachsener als zum Beispiel in Counter-Strike. Weniger Flamer und deutlich weniger Cheater. Spow ist in diesem Zusammenhang nur ein einziger Vorfall bekannt. Der verdächtigte Spieler wurde rehabilitiert und spielt nun mit fairen Mitteln in einem angesehenen Clan.