Call of Duty hat zwei Probleme: Zum einen spalten viele verschiedene Versionen die kleine Szene auf, zum anderen quälen sich die deutschen Turnierveranstalter mit der Einstufung der USK. Guido ‚Mr.Jumper‘ Schwering gibt in seinem zweiten Teil zu CoD4 einen Überblick über diese Probleme und zeigt mit Hilfe von Roman ‚Spow‘ Stolz, Team-Manager bei choZen, den derzeitigen Stand auf.
Es liegen noch zu viele Steine im Weg
Das größte Problem in den Augen von Spow ist die Altersfreigabe von Call of Duty 4 in Deutschland. Das Spiel wird nur für Käufer ab 18 Jahren über die Ladentheke geschoben; im Ausland hingegen ist es ab 16 erhältlich. Logische Folge ist, dass die strenge gesetzliche Vorgabe die Community massiv einschränkt. Dadurch ist sie zwar reifer, aber auch kleiner. Zum Hauptproblem werden öffentliche Veranstaltungen, da es durch die Altersfreigabe zu Austragungsschwierigkeiten kommt. Zuschauer unter 18 Jahren dürften sich solch Spiele laut dem Gesetzgeber nicht anschauen, alle Events finden deshalb in abgegrenzten Arealen statt.
Ein weiteres Problem birgt die Verfolgung von Partien in der ESL und ist der Szene schon seit längerem ein Dorn im Auge. Es gibt bisher keine Möglichkeit, sich Partien live im Internet anzusehen. Eine Art HLTV wurde seitens Activision geplant, doch nie umgesetzt. Es reichte lediglich zu einer Beta-Version von codTV. Über den aktuellen Entwicklungsstatus ist Spow nicht informiert. Jedoch gibt es ein kleines Trostpflaster für die Community: ESL TV hat zwei Sendungen für Call of Duty 4 in der Woche eingerichtet. Mit den Zuschauerzahlen sei man laut Spow zufrieden. Demnach wolle man das Projekt in Zukunft weiter ausbauen.
Doch leidet das Spiel unter vielen Vorbehalten: Schnell wird es dank der Alterseinstufung in die Killerspielschublade geschoben. Dabei ist es dasselbe wie bei allen anderen eSport-Titeln: Viel Taktik steckt hinter den Spielzügen der Profis. Oftmals geht alles sehr schnell, sagt Spow. Innerhalb von fünf Sekunden kann sich das Spielgeschehen wenden und eine Runde entscheiden. Es geht mitunter so schnell, dass man für kurze Zeit den Überblick verliert, berichtet der choZen-Teammanager weiter. Solch Situationen fordern das Maximum eines Spielers, er muss blitzschnell auf die neue Spielsituation reagieren.
Der Nachfolger: Call of Duty: Modern Warfare 2
Das Spiel selbst is sehr dynamisch und gut aufgebaut. Der Spagat zwischen Singeplayermodus und Multiplayergame ist geglückt, obwohl Acitivsion mehr wert auf den Storymodus gelegt hat, der mit packenden Szenarios bestückt ist. Um das Spiel kennenzulernen ist dieser der perfekte Einstieg, bevor man sich dem Multiplayer widmet, so Roman Stolz. Ist man einmal im Sog des Spiels, käme man aus der Begeisterung nicht mehr hinaus. Mit dem Release von Call of Duty 4: Modern Warfare begann ein enormer Anstieg der Beliebheit, der mit dem Nachfolger Modern Warfare 2 aufrechterhalten werden soll. Dennoch: Die CoD-Reihe – aufgesplittet in viele Spiele und damit viele Communitys – wird niemals den Klassiker Counter-Strike vom Thron stoßen.
Für den Winter 2009 ist jedenfalls der Nachfolger, Modern Warfare 2, angekündigt. Anfang dieses Jahres kam zuvor Call of Duty: World at War raus – ein komplett anderes Spiel als CoD4, da es in einer anderen Zeit spielt. Glücklicherweise ist es ein Flop geworden, sagt Spow, da er CoD4 in Gefahr sieht. Die Community wäre dadurch in drei Lager aufgeteilt worden, weil es immer noch viele Anhänger von Call of Duty 2 gibt, welches nach Meinung vieler CoD-Spieler der beste Teil der Reihe ist. Da das Spiel aber vom 2. Weltkrieg handelt, gelang der große Durchbruch im eSport nie.
Was Spow sich von Modern Warfare 2 erhofft, ist insbesondere ein besseres Aiming. Anfangs wurde dem Spieler in Call of Duty 1 (vCoD) das Zielen nicht leicht gemacht. Jetzt ließe sich das Recoil einfacher kontrollieren, was den Spieler zum Dauerfeuer animiert. Präzise Headshots seien in diesem Fall eher die Ausnahme und oft nicht gewollt. In der Konsequenz richtet sich das Aiming hauptsächlich auf den Körper; auch vor Wänden machen die Spieler keinen Halt. Bratzen, bis der Arzt kommt, lautet die Devise. Deshalb sind Taktiken sehr wichtig, verrät der Teammanager. Einen Sinn für Gamereading und ein gutes Movement muss der Profispieler in Call of Duty 4 vorweisen können, wenn er nach ganz oben möchte.
Internationale Events werden populärer
Blickt man auf das Jahr 2008 zurück, schaut man wohl auf das erfolgreichste in der eSport-Geschichte von Call of Duty. Dennoch sind sie noch nicht oben angelangt. Große eSport-Pilgerveranstaltungen, wie die World Cyber Games oder der KODE5, machen um CoD4 noch einen großen Bogen. So gäbe es lediglich Events von der Community für die Community. – Klingt ernüchternd, gleichzeitig verhilft dieser Umstand allerdings jedem Offline-Event zu einem höheren Ansehen.
Die größte Veranstaltung im vergangenen Jahr war das Antwerp eSports Festival, auf dem es ein Gesamtpreisgeld von 30.000€ zu gewinnen gab. Eine Woche später fand in Dänemark ein weiteres Event statt, bei dem es um ein Gesamtpreisgeld von 25.000€ ging. Fast alle dieser Turniere finden aufgrund der Jugendfreigabe der USK außerhalb von Deutschland statt.
Nur die ESL hält in Deutschland die Fahne hoch und schüttet in der EPS ein Preisgeld von 10.000€ aus. Ob die Finals offline oder online ausgetragen werden, ist noch unbekannt. Jedoch könnte die offline Variante einigen Teams zum Verhängnis werden, da sie Spieler unter 18 Jahren im Lineup haben, behauptet Spow.
Wer bildet die Weltspitze?
Möchte man mit Call of Duty 4 nun richtig durchstarten, sollte man am besten nach England fahren, wo das Herz der internationalen CoD-Community sitzt. England ist im Laufe der Zeit zum Dreh- und Angelpunkt von CoD4 geworden. Dort werden die besten Teams geschmiedet, so auch Team Dignitas, das derzeit beste Team in Europa. Nur die Amerikaner können noch einen oben drauf setzen und bilden die Weltspitze in CoD4.
Deutschland mischt mit zwei starken Teams ebenfalls oben mit und ist in der Lage jedes Team der Welt zu schlagen. Doch ist die Leistungsdichte in den obersten Rängen sehr hoch, sodass ein Match häufig von der Tagesform abhängt, findet Spow. Auch die Mapauswahl sei nicht zu unterschätzen, da jedes Team seine Stärken und Schwächen aufweist, die sich nicht kaschieren lassen. Sich langfristig in der Weltspitze zu etablieren gelingt demnach nur eine handvoll Teams.
Resümierend lässt sich sagen, dass CoD4 durch brisante Turniere, eine stetig wachsende Community, ambitionieren Teams und gute Sponsoren eine sehr gute Ausgangslage hat, sich fest im eSport zu verankern. Durch eine Lockerung der Altersfreigabe wäre man endgültig von allen Fesseln befreit und könnte richtig durchstarten. Bleibt nur abzuwarten, was der Nachfolger CoD4 – Modern Warfare 2 mit sich bringt, und wie die USK das Spiel einstuft.