Im Jahr 2008 gingen die Verkaufszahlen von Call of Duty 4 steil nach oben. Laut der ESL gibt es mittlerweile über 50.000 Besitzer, die sich zum modernen Ego-Shooter bekannt haben. Guido ‚Mr.Jumper‘ Schwering bat den Teamcaptain von TBH.eSports, Robert ’smithz‘ Krivka, zum Gespräch über den Aufschwung einer Szene, die bislang nur im Hintergrund agiert und sich selbst nie große Chancen zugerechnet hat.
readmore.de: Bis jetzt drangen kaum Informationen von der CoD4 Szene an die Öffentlichkeit. Plötzlich steht sie im Rampenlicht und hat annährend so viele Besitzer wie WarCraft 3. Befindet sich CoD4 auf der Überholspur?
Robert ‚smithz‚ Krivka: CoD4 befindet sich momentan eindeutig auf der Überholspur, was mit einer EPS und einem ENC sehr belohnt wird. Leider kenne ich mich mit WC3 nicht besonders gut aus und kann demnach nicht sagen, ob diese Entwicklung etwas Gutes ist. Allerdings waren die Verkaufszahlen von Call of Duty 4 enorm hoch, sodass dies für mich keine Überraschung ist.
readmore.de: Ist der momentane Erfolg vielleicht nur ein Strohfeuer?
smithz: Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Die Entwickler von Call of Duty schießen pausenlos jedes Jahr Nachfolgerteile auf den Markt. CoD5 konnten wir bereits verdrängen, was auch nicht sonderlich schwer war. Testet man dieses Spiel als CoD’ler, merkt man schnell, dass die Entwickler sich nicht mehr wirklich viel Mühe geben und dem Anschein nach nur noch auf Profit aus sind. Ich persönlich hoffe auch, CoD6 (Call of Duty 4: Modern Warfare 2) verdrängen zu können, um weiterhin den 4. Teil zu spielen. Allerdings bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt.
readmore.de: Klingt sehr überzeugt, doch bist du mit CoD4 vollends zufrieden?
smithz: Anfangs war ich das nicht wirklich, da mir das Spiel einfach zu viele Features hatte, die mittlerweile zum Glück durch verschiedene Mods eingegrenzt wurden. Schlussendlich kam vor kurzem die finale Version der neuen Promod Live raus und hob die Qualität des Spielgeschehens noch einmal stark an. Ich würde mir nur noch die ein oder andere Map wünschen, da 5 „eSports-taugliche“ Karten etwas langweilig werden.
readmore.de: Welche konkreten Features hatten dich anfangs gestört?
smithz: Also als Spieler, der noch nie ein Spiel gespielt hat, in dem man sprinten kann, war das die erste „komische“ Veränderung, wobei man sich eigentlich schnell daran gewöhnt. Sehr störend fand ich die Cookingnades („Kochende Granaten“), die man ziehen und timen konnte. Dies brachte sehr viel Willkür ins Spiel. Zudem waren viele Waffen over- oder underpowered, wie die Sniperrifle. Das hat sich aber wie gesagt alles mit der Promod geändert. So wurde die Sniper sehr stark der AWP aus CS angeglichen und zum Beispiel die AK-74u auf zwei pro Team limitiert sowie zusätzlich auf lange Entfernungen geschwächt. Zwar sind das nur Kleinigkeiten, doch geben sie dem Spieler den nötigen Spaß am Spiel.
readmore.de: Die Promod unterbindet auch die Benutzung von Perks. Tragen sie deiner Meinung nach zum Spielspaß bei?
smithz: Perks, genau diesen Begriff habe ich vorhin vergessen. Die haben in einem eSport-Titel jedoch nicht viel verloren, zumindest nicht auf der „Profi-Ebene“. Klar macht es Spaß, mit Perks public zu spielen oder einmal einen Funwar zur Abwechslung, aber es sollte klar sein, dass man diese nicht in einem Clanwar auf höherem Level einsetzten kann, wie beispielsweise den Doppelschuss oder das Extra Health.
readmore.de: Man könnte es auch so sehen, dass durch das Verbot von Perks dem Spiel das Inidividuelle verloren geht. Kritisch betrachtet, gleicht CoD4 nun sehr stark dem Spieleklassiker Counter-Strike. Ist das in deinen Augen ein Vor- oder ein Nachteil?
smithz: So würde ich es nicht unbedingt sagen. CoD4 gleicht nun mehr dem Vorgänger Call of Duty 2. Der Großteil der Szene stieg immerhin von diesem Spiel um und wollte auch ähnliche Voraussetzungen haben. Dass CoD4 nun auch CS gleicht, ist offensichtlich, das stimmt. Counter-Strike ist ein außerordentlich erfolgreiches Spiel, daher denke ich nicht, dass es ein Nachteil ist. Immerhin ist CoD4 neu und erfordert somit auch bessere Hardware als CS, was interessant für Hardwarehersteller und Sponsoren ist.
readmore.de: Schrecken Sponsoren nicht vor der Altersfreigabe zurück?
smithz: In Deutschland hat CoD4 keine Jugendfreigabe bekommen, was demnach auch nicht gerade förderlich für uns als Community war und ist – auch ein Grund dafür, dass die EPS so lange auf sich hat warten lassen. Wie genau das die Sponsoren sehen, kann ich leider nicht sagen. Was ich aber sagen kann, ist dass wir das Glück haben, mit MSI einen Sponsor gefunden zu haben, der hochwertige Grafikkarten und Mainboards verkauft und somit ein Spiel wie CoD4, das aktuelle Hardware benötigt, gerne unterstüzt. Zudem ist CoD4 internatonal sehr erfolgreich, was die größeren Preisgelder, die auf LANs ausgeschüttet werden, beweisen. Dieses Geld kommt natürlich ebenfalls von den Sponsoren.
readmore.de: Du hast mit deinem Team nahezu alle offline Events des Jahres 2008 besucht. Auf Kosten der Sponsoren oder aus eigener Tasche finanziert?
smithz: Für CoD-Spieler war es mehr oder weniger Neuland, sich auf Reise zu begeben. Fremde Länder bereisen, seinem Hobby nachgehen, die Kultur genießen und das alles noch auf Kosten des Clans bzw. der Sponsoren, die einem Hotels wie das Hilton oder die Flüge bezahlten und Mietwägen der Marke Mercedes, BMW oder ähnlichem stellten – ein Traum!
readmore.de: Waren die Events ebenso traumhaft?
smithz: (lacht) Vom Ambiente her auf jeden Fall. Leider haben wir zwei Events vermasselt, auf denen es sehr viel Geld zu gewinnen gab. Die ESWC iPowergames jedoch waren einfach eine Erfahrung wert. So etwas Großartiges kannten wir noch gar nicht. Wir wurden von Zuschauern angefeuert, die nur wegen WC3 und CS kamen. Einfach Unglaublich!
readmore.de: Wo siehst du CoD4 in drei Jahren?
smithz: In drei Jahren sehe ich CoD4 entweder als Vorgänger von CoD8 oder als etablierten eSports-Titel, der sich über die profithungrigen Entwickler von CoD 6, 7 und 8 durchgesetzt hat.
readmore.de: Vielen Dank für das Gespräch.