Gestern fand die zweite Runde der Qualifikation zum ESL Nations Championship in Warcraft 3 statt. – So weit, so unbedeutend. Doch zwischen anderen fand sich auch die Partie Serbien gegen Norwegen, welche ebenfalls keine Zuschauer vom Hocker gerissen hätte, wenn nicht eine Legende ihr Comeback gefeiert hätte: Olav ‚Creolophus‘ Undheim. Fabian ‚te_X‘ Held und Frederic ‚TriMble‘ Steinfeld untersuchten die eventuelle Rückkehr und sprachen mit dem Altmeister.
Mit dem Sieg der World Cyber Games 2007 ist das Andenken des Spielers aus Stavanger wohl untrennbar verbunden. Eigentlich galt er als quasi inaktiv, wollte nur noch dieses eine Event spielen. Doch die Sensation glückte ihm. Im Finale besiegte er den Human-König Sky. Entgegen der Wünsche der Fans verließ er daraufhin umgehend das aktive Warcraft-Geschäft, um sich fortan seinem Studium zu widmen.Am gestrigen Tage feierte er zusammen mit seinem Landsmann Henrik ‚HenL‘ Lohne sein Comeback. Doch das Comeback ist wohl beschränkt: Bis auf ein paar Spiele für das norwegische WC3-Nationalteam will Creolophus keine Spiele bestreiten. Er denkt nach eigener Aussage derzeit nicht daran, wieder aktiv zu spielen. Aber immerhin: Für seine Fans werden einige wenige Spiele besser sein als gar keine.
Sowohl im 2on2 als auch im 1on1 versuchte sich der Nachtelfen-Spieler im ersten Spiel gegen die Serben, welche mit Aca und Padash zwei nicht unerfahrene Spieler in ihren Reihen haben. In seiner ersten Partie traf Creo auf den Orc-Spieler Aca. Diesen konnte er deutlich mit 2:0 besiegen. Auf der ersten Map, Secret Valley, zeigte er sofort, dass sein altes Können nicht etwa verflogen ist. Mit einem Keeper of the Grove sowie einer Menge Huntress nebst Fast Expansion sicherte er sich den Sieg.
Im 2on2 mit HenL setzten die beiden Norweger auf einen standardmäßigen Mix aus Fiends und Hunts. So konnte man sowohl auf Twisted Meadows, als auch auf Avalanche die Serben deutlich in die Knie zwingen.
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Creolophus vs. Aca
(SV)
Creo & HenL vs. Aca & Padash
(TM)
Creo & HenL vs. Aca & Padash
(AV)Da HenL gegen Padash verlor, musste die norwegische Warcraft-Legende ein weiteres Mal zur Tastatur greifen. Im zweiten 1on1 ging es gegen die besagten, serbischen Nachtelfen. Auch im Mirror zeigte Creolophus keine Schwächen und besiegte Padash deutlich. Auf der ersten Map, Death Trap, gelang es ihm, einen Hunt-Push seines Gegners abzuwehren. Die zweite, sehr unterhaltsame Begegnung der beiden Nachtelfen fand auf Echo Isles statt, wo Creo erneut glänzen konnte. Dieses Mal setzte er auf einen Mix aus Archern und Dots.
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Creolophus vs. Padash
(DT)
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Creolophus vs. Padash
(EI)
Somit verlief der erste Clanwar von Creo seit Jahren sehr erfolgreich für ihn. Nicht eine Map musste der Norweger abgeben. Seine Fans hoffen sicherlich auf weitere Replays aus dem hohen Norden. Wie die Partien aus Creolophus eigener Sicht verliefen und was er in Zukunft plant, besprach Frederic ‚TriMble‘ Steinfeld für readmore.de mit ihm.
readmore.de: Es ging gestern ein gewaltiger Aufschrei durch die gesamte Warcraft-Community, als man deinen Namen im norwegischen ENC-Lineup las. Wie kam es dazu, dass du anderthalb Jahre nach deinem Rücktritt wieder ein offizielles Warcraft-Match bestritten hast?
Olav ‚Creolophus‚ Undheim: Nun, der Teamleiter der norwegischen Nationalmannschaft geht mit mir gemeinsam zur Uni und wir kennen uns recht gut. Ich sagte ihm, dass ich spielen könnte, sofern man mich bräuchte. Ich habe während des vergangenen Jahres spaßeshalber an drei oder vier Excello Cups teilgenommen und dachte mir, dass der Unterschied zum ENC nicht sonderlich groß sein dürfte. Man hat mir Replays des Gegners geschickt, was mir sehr geholfen hat, da ich so nicht viel Zeit dafür aufwenden musste, mich auf die Spiele vorzubereiten. Ferner hat sich Norwegen noch nie für die ENC Finals qualifizieren können, also wird es langsam Zeit. (lacht) Dennoch möchte ich eines vorwegnehmen: Es handelt sich um kein Comeback!
readmore.de: Auf die Sache mit dem Comeback werden wir später noch einmal genauer eingehen. Kommen wir zu deiner Vorbereitung auf den ENC. Wie genau sah diese aus? Du sagtest, du hättest dir Replays angesehen. Mehr nicht?
Creolophus: Ich bekam einige Replays geschickt, habe sie mir angeschaut und versucht, mir passende Strategien zurechtzulegen. Die alten Maps kenne ich schon in- und auswendig, daher bedurften diese keiner größeren Vorbereitung. Im Spiel gegen Serbien musste ich jedoch auf Death Trap spielen, einer Map, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Daher spielte ich hier ein Spiel gegen Targa und danach einige gegen den Computer, um herauszufinden, wie lange man für die Creepspots benötigt und welche anderen Map-Eigenschaften von Bedeutung sind. Ich mache mir keine wirklichen Sorgen um das Resultat der Spiele, da ich sie nicht wirklich ernst nehme. Dennoch tut es natürlich immer ein wenig weh, wenn man Fehler macht, wie beispielsweise einen Creep mit dem Ancient of War zu finishen. (lacht)
readmore.de: Wenn du die neuen Karten und die heutigen Spiele Revue passieren lässt, kommt es dir so vor, als hätte sich viel seit deiner Inaktivität verändert?
Creolophus: In den Spielen heute habe ich gegen Farseer und Demonhunter / Priestess of the Moon gespielt, in der Hinsicht hat sich in zwei Jahren nicht sonderlich viel verändert. Elf-Mirrors scheinen beinahe abzulaufen wie früher, nur sieht man wohl häufiger den Tier-3-Tech auf Talons. Zudem ist das Micro mit dem Staff of Preservation nicht mehr so wichtig, da man dem Cooldown durch Switchen nicht mehr aus dem Weg gehen kann.
Am Meisten hat sich das Matchup gegen Orc verändert, besonders das Stacking der Circles of Nobility. Ich halte das Orc-vs-Elf-Matchup noch immer für relativ balanciert, wobei ich schon die Frustration bei einigen Undead-Spielern verstehen kann. (grinst) Die Orc-Spieler scheinen die Grunt-Raider-Spiritwalker-Strategie jedoch in der vergangenen Zeit perfektioniert zu haben. Das Micro und das Timing haben sich stark verbessert. Nebenbei ist es sehr schön zu sehen, wie gut sich Spieler wie Happy und LucifroN entwickeln.readmore.de: Du hast bereits klargemacht, dass es sich bei deinem ENC-Auftritt um kein Combeack handelt. Hat dein momentanes Leben so viel mehr zu bieten? Und werden wir dich vielleicht in Starcraft 2 wiedersehen?
Creolophus: Professionelles Spielen ist sehr zeitaufwendig und oft müssen andere Dinge zurückstehen. Momentan ist mir meine Ausbildung wichtiger und da ich schon einmal mein Glück als Progamer versucht habe, werde ich es kein zweites Mal probieren. Jeder muss einmal entspannen und Spaß haben, Gaming ist eine großartige Weise dies zu tun. Ich habe sehr lange Abstand von Warcraft genommen, nur um einen klaren Schlussstrich zu ziehen, aber ich denke, dass es nicht verkehrt ist, von Zeit zu Zeit ein wenig zu spielen, was ebenso für Starcraft 2 gilt.
readmore.de: Sollte es Norwegen schaffen, sich für die ENC Finals zu qualifizieren, wirst du an ihnen teilnehmen?
Creolophus: Wenn ich mich recht erinnere, fällt das Preisgeld in diesem Jahr besonders gering aus. Sollten wir also nur des Geldes wegen hinfahren, wäre es vermutlich die bessere Idee, zu Hause zu bleiben. (grinst) Es wäre sicherlich nett, einmal mit den Norwegern gemeinsam zu einem Event zu reisen, aber man muss realistisch genug sein, sich einzugestehen, dass wir uns nicht für die Finals qualifizieren werden. Ich bin zufrieden, sollten wir die Qualifikation zum ersten Mal in der Geschichte überstehen!
readmore.de: Vielen Dank für das Gespräch.


