Nachdem vor einigen Wochen bereits der ehemalige schwedische Progamer Alborz ‚HeMaN‘ Haiadrian Rede und Antwort stand, wird nun die mit ihm begonnene Serie „Gone but not Forgotten“ mit einem weiteren schwedischen Topspieler fortgeführt. Björn ‚ElakeDuck‘ Ödmann gewährt Frederic ‚TriMble‘ Steinfeld Einblicke in sein Leben nach dem eSport.
ElakeDuck war zweifellos einer der bekanntesten und erfolgreichsten Orc Spieler seiner Zeit. Bei Team64.AMD entwickelte er sich von einem guten 2on2 Spieler zu einem hervorrangenden Solisten, wechselte als solcher zu SK Gaming und ließ nach rund drei Jahren seine Zeit als Progamer bei fnatic ausklingen. In diesem Interview spricht er über Poker, seine kommenden Pflichten als Vater und ein mögliches Comeback in Starcraft 2.
readmore.de: Es ist einige Zeit verstrichen, seit man zum letzten Mal etwas von dir gehört hat. Gib doch bitte einen kurzen Überblick darüber, was sich in deinem Leben seither getan hat.
Björn ‚ElakeDuck‘ Ödmann: Zuerst muss ich wohl einige hier enttäuschen: Im Gegensatz zu HeMaN werde ich in diesem Interview keinerlei Nacktfotos von mir zum Besten geben. Falls manche das Interview nur deswegen lesen wollen, können sie es getrost sein lassen.
Das wollte ich zuerst loswerden. Ich bin vor einiger Zeit in meine Heimatstadt zurückgezogen, bin etwas gereist und studiere ein wenig an der Uni. Momentan spiele ich Poker und studiere. Ich wohne in einer Wohnung gemeinsam mit meiner Freundin, mit der ich bald mein erstes Kind erwarte.
readmore.de: Große Neuigkeiten, auf die wir später zurückkommen werden! Was genau studierst du momentan? Und wie gefällt es dir?
ElakeDuck: Informatik. Ich hasse es.
readmore.de: Also handelt es sich mehr um ein „Alibi-Studium“, während du dich aufs Pokern konzentrierst?
ElakeDuck: Es ist schön, neben dem Pokern noch etwas „Normales“ zu machen. Ehrlich gesagt fand ich das Studium zu Beginn sehr interessant, jedoch wurde mir immer mehr klar, dass ich damit später nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten möchte.
readmore.de: Ist denn Poker eher etwas, worauf du deinen Lebensunterhalt in Zukunft stützen möchtest? Vor kurzem hast du an der European Poker Tour in Kopenhagen teilgenommen. Wie gut läuft es für dich beim Pokern?
ElakeDuck: Momentan denke ich nicht, dass ich noch professionell Poker spielen werde, wenn ich 40 bin. Dennoch werde ich es wohl immer in einem gewissen Maße spielen, für etwas Geld und um den „Actionjunkie“ in mir im Zaum zu halten. Es läuft momentan sehr gut, aber ich werde leider so langweilig sein und keine konkreten Zahlen nennen. Tut mir leid.
readmore.de: Aber es ist genug, um davon gut zu leben?ElakeDuck: Es würde reichen, um mir einen Affen zu kaufen, ihn auf Poker zu dressieren und ihn seinen eigenen Lebensunterhalt damit bestreiten zu lassen. Die Spiele werden zwar immer etwas härter, dafür sind die Zahlen, die man am Ende herausbekommt, umso erstaunlicher. Ich denke jeder, der mit Herzblut an die Sache rangeht und auch nur durchschnittlich intelligent ist, könnte mit Poker sein Leben lang durchaus gut leben.
readmore.de: Zurück zu der wichtigsten Neuigkeit: Du wirst bald Vater. Herzlichen Glückwunsch. Weißt du schon, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird? Und fühlst du dich bereit für die immense Verantwortung, die ein Kind mit sich bringt?
ElakeDuck: Danke. Wir haben entschieden, das Geschlecht des Kindes erst bei der Geburt zu erfahren. Aber irgendwie haben wir das Gefühl, dass es ein Junge wird. Da sind wir uns sehr sicher. Natürlich ist der Gedanke, bald Vater zu sein, merkwürdig und manchmal auch etwas beängstigend.
readmore.de: Wir drücken dir die Daumen. Kommen wir zum Thema eSport. Verfolgst du ihn noch? Wann warst du zuletzt auf einer eSport Seite?
ElakeDuck: Das ist ewig her. Vor etwa einem Jahr habe ich mir ein paar Replays angeschaut und, nachdem ich mich nach zwei Stunden dabei ertappte, wieder auf den Battle.Net-Knopf drücken zu wollen, deinstallierte ich Warcraft.
readmore.de: Was hat dich schlussendlich davon abgehalten, den Knopf zu drücken?ElakeDuck: Derselbe Grund, der Alkoholiker auf Entzug davon abhält, auch nur ein einziges Glas Wein zu trinken.
readmore.de: Was waren für dich die Höhepunkte deiner Karriere?
ElakeDuck: Die ganzen Reisen, das Kennenlernen von verschiedenen Kulturen und einer Vielzahl interessanter Menschen. Wenn ich ein Event besonders hervorheben müsste, dann wären es die WEG in Korea.
readmore.de: Zu deiner aktiven Zeit warst du einer der erfolgreichsten Spieler. Kannst du in etwa einschätzen, wie viel Geld du in deiner Zeit als Progamer gemacht hast?
ElakeDuck: Das ist wirklich schwer zu sagen. Es war jedenfalls nicht mehr als ein sehr geringer Stundenlohn.
readmore.de: Würdest du sagen, dass du noch heute von deinen Erfahrungen als Progamer profitierst?
ElakeDuck: Indirekt, ja. Ich wäre heute nicht an diesem Punkt in meinem Leben, hätte ich nicht den Weg eines Progamers eingeschlagen. Ich bin heute sehr glücklich in meinem Leben, also habe ich in dieser Hinsicht von meinem Leben als Progamer profitiert. Dass ich heute jedoch noch konkret Nutzen daraus ziehe, würde ich nicht sagen.
readmore.de: Starcraft 2 rückt näher und näher. Ist es möglich, dass wir dich bald im eSport wiedersehen, auch in Hinblick auf deine kommenden Aufgaben als Vater?
ElakeDuck: Ich werde Starcraft 2 sicherlich anspielen, jedoch werde ich dem eSport für immer fernbleiben.
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.

