Die KODE5-Finals gingen vor mittlerweile einer Woche vorbei und ein Blick auf den Kalender verrät, dass es noch etliche Wochen dauern wird, bis es wieder ein großes internationales Event geben wird. Wie sieht es an der Counter-Strike-Spitze aus, nach diesem vorerst letzten wichtigen Turnier? Was hat uns also das vorige Wochenende gezeigt? – David ‚Craven‘ Abel fasst das Wochenende mit einigen Randgeschichten zusammen.
fnatic – Einfach zu stark
Obwohl es gegen Wicked zwischendurch noch richtig spannend wurde, war fnatic am Ende zurecht ganz oben auf dem Treppchen. Über das ganze Event hinweg wirkte das Team entspannt, gut gelaunt und trat als Einheit auf. Auch GeT_RiGhT scheint sich besser eingefügt zu haben, als viele es erwarten hätten. Und dazu ja noch dieser Gux. Wie Kapio so schön sagte: „Es bringt nix, einen schönen langsamen Go mit Flash über den Teppichgang zu machen, wenn Gux offensiv rein geht und drei wegholt.“ – Der noch relativ junge Schwede lässt CS so einfach aussehen wie Minesweeper und versteht wohl langsam, welche Rolle er im Team spielt, wenn selbst f0rest und dsn häufig nur als Statisten in die Gux-Show eingeladen sind. Man kann ihm nur wünschen, dass er seine bescheidene Grundhaltung beibehält und nicht den Boden unter den Füßen verliert. Dann kann sich fnatic in diesem Jahr fest an der Spitze etablieren.SK Gaming – Schon wieder gedemütigt
Bereits in Cheonan hatte sich SK einen kräftigen Satz heißer Ohren im Finale gegen fnatic abgeholt und das dürfte auch in Moskau noch in den Köpfen herumgespukt sein. Fast wehrlos fügte sich SK seinem Schicksal auch bei den KODE5 Grand Finals, selbst wenn in der zweiten Hälfte der ersten Map noch kurz so etwas wie Widerstand aufflammte. Dieses SK Gaming wirkte im Finale so leidenschaftslos, als würden sie Sozialstunden leisten, statt um 25.000 USD CS zu spielen. – Gut, das Team besteht weder aus fünf Pausenclowns noch aus fünf Rampensäuen, aber wenn Emotionen irgendwas mit spielerischem Erfolg zu tun hat, dann wird es SK in absehbarer Zeit nicht schaffen, fnatic Paroli zu bieten – vom Aiming einmal ganz abgesehen.Wicked – Licht am Ende des Tunnels
TaZ war im Endeffekt zufrieden: „Wir haben endlich wieder etwas besseres CS gespielt.“ – Ja, das muss man Wicked lassen: fnatic gut Paroli geboten, mTw.dk im kleinen Finale geschlagen und immerhin 5.000 USD gewonnen. – Es hätte schlimmer laufen können für das zuletzt leidgeprüfte polnische Ensemble. „Wenn wir immer in den Top3 landen, dann ist das erst einmal okay für uns.“ Abseits des Servers scheint es aber nicht wirklich zu laufen: Der frühere Captain und scheinbare Kopf des Teams, TaZ, hat offenbar seine Stellung im Team eingebüßt: kuben trug zur Zeremonie die Flagge, saß bei den Spielen in der Mitte und schien auch die wesentlichen Spielentscheidungen zu treffen. Auch sonst wirkte TaZ häufig ausgeschlossen und lief wie bestellt und nicht abgeholt getrennt von seinem Team durch die Halle. Durch das einstige Vorzeigeteam in Sachen Kontinuität und Zusammenhalt scheint ein tiefer Riss zu gehen. „Befreundet waren die eh noch nie“, sagt ein anderer Team-Manager.mTw.dk – Kein Grund zur Panik
mTw.dk ist zwar nicht mehr das Maß aller Dinge, aber dennoch wäre es wohl falsch, eine Krise bei dem Erfolgsteam 2008 herbeizureden. Das Team ist intakt und nicht unbedingt schlechter in Form als letztes Jahr, aber es scheint das Quäntchen Glück zu fehlen, mit dessen Hilfe mTw.dk zuvor kistenweise Trophäen abgestaubt hat. Zwar gilt das von whimp geäußerte Pensum (6-7 Stunden pro Tag) zumindest als sanfte Übertreibung, wenn das Team allerdings auch nur ansatzweise so viel trainiert, dann bleibt es auch für das nächste Turnier definitiv ein Kandidat für die Top3 – obwohl es dafür dieses Mal nicht gereicht hat.Die Deutschen – vereint im Misserfolg
Es gibt ja immer wieder Menschen, die in mousesports und Alternate Erzfeinde sehen. Zwei Mannschaften, die sich nicht riechen können, den anderen mit Leidenschaft in den Staub zwingen und sich auch privat aus dem Weg gehen. Dieses Gerücht sei an dieser Stelle ausgeräumt: Beide Teams verstanden sich in Moskau sichtlich gut und auch auf der Player’s Party am Sonntagabend gab es keine getrennten Tische. Die sportliche Rivalität mag groß sein, aber darüber hinaus wirkte alles grün. Das mag zwar für manche Fans enttäuschend sein, die sich für CS-Matches auch den Trashtalk eines Boxkampfes wünschen, aber auf der anderen Seite doch ein positives Zeichen dafür, dass diese komischen Ballerspiele den Charakter nicht völlig verrohen lassen.



