Niemand wusste so recht, was von mousesports zu erwarten war: Zum einen hatte man Spieler wie TH000 und Fly100% im Kader, zum anderen war die Qualifikation denkbar knapp im Lower Bracket gerade so geglückt. Fabian ‚Tex‘ Held rekapituliert, wie es das Team überhaupt auf die Finals schaffte, und hat dazu einige Eindrücke des Team-Managers Nikolai ‚Nik‘ Ginthör verarbeitet.
Anlaufschwierigkeiten
Aller Anfang ist schwer. So auch für das neu gegründete Warcraft-Team der Mäuse aus Berlin. Nach einem überraschenden zweiten Platz in der 13. Saison der WC3L gab das Management des Clans bekannt, das arg geschrumpfte Team nicht weiter ergänzen zu wollen; mit Fly uns HasuObs verfügte man nur noch über zwei Spieler. Eine Teilnahme an der 14. Saison im Winter 2008 wurde aufgrund dessen ausgeschlossen.
Das führte wiederum dazu, dass das neue Team – zunächst bestehend aus Huang ‚Th000‘ Xiang , Cheng Long ‚Sai‘ Zhou, Wei Liang ‚Fly100‘ Lu, Lyc, Qeki und Dennis ‚HasuObs‘ Schneider – gezwungen war, sich für die 15. Saison durch die Qualifikation zu spielen. Viele erwarteten dort einen klaren Durchmarsch der chinesisch-deutschen Truppe, doch es kam anders. Das eher unbekannte Team Millenium stoppte den WC3L-Zug der Mäuse bereits in der ersten Runde und schickte die Mäuse auf eine neue Route durch das Lower Bracket. Dort setzte man sich erwartungsgemäß, wenn auch knapp, durch. Seinem Team hätte „auch das Glück beigestanden“, gibt Team-Manager Nikolai ‚Nik‘ Ginthör zu: „Den Clanwar gegen raptor hätten wir auch verlieren können.“Ein Grund für die zunächst eher schwächeren Leistungen ist laut Nik vor allem die Tatsache, dass sich die Spieler in ihrem neuen Team erst zurechtfinden mussten. Die meisten hatten eine turbulente Saison bei wNv hinter sich. Außerdem sei das schlechte Internet der Chinsen immer wieder ein Thema. Dennoch: „Mit solchen Umständen muss man einfach umgehen können, wenn man eine Online-Liga mit chinesischen Spielern bestreitet“, stellt der Manager selbstkritisch fest.
Durchhänger in der Mitte
Auch die reguläre Saison startete mit einigen Schwankungen. Ganze vier Niederlagen musste man während der Saison hinnehmen, die erste bereits am ersten Spieltag gegen Wicked.Asia. Zwar gewann man gegen World Elite und SK Gaming, verlor allerdings gegen Bin-Game und Raptor-Gaming. Nach Acht Spieltagen schien die Lage wirklich prekär. Lediglich vier Siege standen vier Niederlagen gegenüber. Personelle Konsequenzen waren zu diesem Zeitpunkt bereits gezogen: Lyc, Qeki und Sai mussten das Team verlassen, dafür verstärkte man sich mit dem Koreaner Dae Hui ‚FoV‘ Cho.
Der Koreaner sollte mit seiner Erfahrung wohl auch für etwas mehr Ruhe und Konstanz im Team sorgen. Dieser Versuch schien zunächst zu scheitern. FoV kam insgesamt viermal zum Einsatz und gewann dabei ebenso viele Maps, wie er verlor. Für Nik ist Fov „spielerisch und menschlich ein wichtiger Teil des Teams“. Und Nik weiter: „Leider hatte er ein paar Mal Pech in seinen Ligaspielen, insgesamt war seine Leistung aber in Ordnung.“ – Trotzdem gelang es den Mannen um EPS-Spieler HasuObs, die letzten drei Clanwars der Saison zu gewinnen. Dabei erzielte man 13 der 15 möglichen Punkte. Der fünfte Platz war gesichert.Lichtblicke am Ende
Im folgenden Relegationsspiel um einen Platz auf den Finals in Peking musste man erneut gegen die Chinesen der World Elite antreten. Der Ausgang ist bekannt: Die Mäuse konnten sich knapp durchsetzen. Nik kommentiert das Spiel wie folgt: „Mit WE hatten wir im Entscheidungsspiel einen Gegner, der im Moment seiner Form etwas hinterherläuft. Außerdem war das „China-Duell“ für uns noch aus zwei anderen Gründen von Vorteil: Der Ping war wesentlich besser als sonst und über den Gegner wussten unsere Spieler sehr, sehr gut Bescheid.“
Auf den Finals kommt mousesports einer Wundertüte gleich. Das hat zum einen mit dem noch nicht auf Finals erprobten neuen Matchsystem zu tun und zum anderen mit der nicht vorhandenen Konstanz des Teams. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg wird erneut das 2on2 sein. Auch in diesem Bereich lief bei mouz nicht alles rund: Man probierte alle möglichen Kombinationen aus, hat mit TH000 und HasuObs aber jetzt immerhin ein stabiles Team gefunden. Der Team-Manager ist mit den beiden „sehr zufrieden, da HasuObs ein überragendes taktisches Verständnis besitzt und gut mit TH000 harmoniert“. Ob das Duo auch auf den Finals so zum Einsatz kommen wird, ließ er allerdings noch offen.Abgesichert ist immerhin die Anreise des deutschen Spielers. Bis zum gestrigen Freitag wartete Dennis Schneider auf sein Visum, das er erst im letzten Moment beantragt hatte. Mit einem ziemlich engen Zeitplan darf der EPS-Spieler nun sein Programm in den nächsten Tagen wahrnehmen: Neben den WC3L Finals laufen auch noch die letzten Spiele der EPS, bei der es um die Qualifikation zu den Playoffs geht. Außerdem reiste der Untoten-Spieler direkt nach seinem Intel Friday Night Game in Oberhausen ab.
Was kann man erwarten?
An einem guten Tag ist das Team mousesports, das mit allen vier Spielern nach Peking reist, wohl im stande, jeden zu besiegen. Nik ist optimistisch: „Wir haben sehr, sehr starke Offlinespieler und sind gut in Form.“ Er erwartet sehr knappe Finals und hofft, mit seinem Team das Grand Final erreichen zu können. Sollte das nicht gelingen, würde er LucifroN oder Wicked den Sieg gönnen.
Dennoch bleiben Zweifel. nGize, erster Gegner von Fly und Co, scheint derzeit einfach unschlagbar zu sein. Ob sich mousesports dann über das Lower Bracket ins Finale spielen kann, hängt zum großen Teil von der Moral der Spieler ab. Gegen Wicked, möglicher Zweitrunden-Gegner, verlor man in der regulären Saison ebenfalls. Viel spricht also nicht für die Mäuse, doch genau da könnte der Vorteil liegen; auch auf den Finals der 13. Saison rechnete niemand mit ihnen. Damals gelang ihnen der zweite Platz. Faktor LAN-Stärke spielt die größte Rolle im Team von der Berliner Organisation. Vielleicht gelingt es HasuObs ja, seine Erfahrungen weiterzugeben und das Kunststück zu wiederholen.


