Eigentlich hatte Christian ‚Blizzard‘ Chmiel das Kapitel professionelles Counter-Strike für sich schon abgeschlossen. Doch unverhofft kommt oft und so wird er als Ersatz für Franz ‚gore‘ Burghardt noch einmal zur Maus greifen. Im Interview mit Nils ‚hellphyte‘ Johannsen spricht der 25-jährige mousesports-Akteur darüber, wie ihn die Entscheidung erreichte, wie er sich im ersten Spiel gegen YDK fühlte und wie es in Zukunft mit ihm weitergeht.
readmore.de: Wann und wie hast du davon erfahren, dass du ab sofort wieder als aktiver Spieler Teil des Lineups sein wirst?
Christian ‚Blizzard‘ Chmiel: Vor einer Woche wurde ich gefragt, ob ich Zeit und Lust hätte, die EPS-Saison zuende zu spielen. Nach einer kleinen Diskussion in MSN fiel die Entscheidung dann relativ zügig.
readmore.de: Gab es in den letzten Wochen und Monaten öfter Anzeichen dafür, dass du eine Option bist, oder entstand diese Entscheidung ganz spontan?
Blizzard: Es gab schon einige Male Anfragen, ob ich notfalls bereitstehen würde. Ich hatte den Wechsel zwar nicht erwartet, aber er kam auch nicht komplett überraschend.
readmore.de: Als es in letzter Zeit nicht immer rund lief, wurde in Interviews oft erwähnt, dass man viel untereinander gesprochen habe. Warst du Teil dieser Gespräche und wie intensiv war dein Kontakt zu dem Team in der Zeit?
Blizzard: Ich war auf der CeBIT bei einem dieser Gespräche anwesend und war auch sonst eigentlich durch die Spieler und Yilmaz über die aktuelle Situation informiert. Kontakt war also durchgehend vorhanden.
readmore.de: Wie schätzt du deine aktuelle Spielstärke in CS ein? Hast du seit deiner Inaktivität überhaupt noch oft und regelmäßig gespielt?
Blizzard: Ich bin natürlich noch nicht mit meiner aktuellen Stärke zufrieden. Ich habe praktisch alle zwei Monate immer eine Woche Gather eingeschoben – je nach Lust und Laune. Auf jeden Fall kein besonders hohes Pensum und das hat man wohl auch deutlich im Spiel gegen YDK gesehen. Mir fehlt einfach noch viel Konstanz und Ruhe im Aiming, zudem verhalte ich mich in einigen Situation aufgrund fehlender Routine noch falsch bzw. unbeholfen. Diese Fehler sehe ich größtenteils selber und bemühe mich, diese nicht mehr zu wiederholen. Bei taktischen Missständen helfen mir die Jungs noch sehr viel und ich fühle mich pro gespieltes Training immer besser.readmore.de: Wird das ganze Team – und auch du persönlich – das Trainingspensum nun erhöhren, um das Zusammenspiel möglichst schnell zu verbessern, oder geht ihr die Sache geduldig an?
Blizzard: Die verbleibenden drei Wochen bis zu den Finals werden wir bestmöglich nutzen und fast täglich trainieren. Für mich selber werde ich auch möglichst exzessiv spielen, um eine akzeptable Form bis Köln zu erreichen. Ich habe auf jeden Fall sehr viel Arbeit vor mir, aber ich gehe sie mit Freude an. (lächelt)
readmore.de: Wirst du auf dem Server vorerst die Postionen einnehmen, die auch gore vorher gespielt hat, oder müsst ihr nun auf jeder Map komplett umstellen?
Blizzard: Das haben wir noch nicht alles endgültig ausgemacht, aber ich denke, dass ich letztendlich doch die Positionen von Franz übernehmen werde. Falls etwas überhaupt nicht klappt, werden wir bestimmt noch umstellen.
readmore.de: Im ersten Spiel gegen YDK hast du eine recht überzeugende Leistung geboten. Wie hat es sich vor und während des Spiels angefühlt? Spürt ein erfahrener Spieler wie du in solchen Momenten doch noch die Aufregung?
Blizzard: Es war schon ein komisches Gefühl, aber das ging mit Fortschritt des Spiels immer mehr und mehr vorüber. Ich hatte mich gut vorbereitet und war dementsprechend auch nicht besonders aufgeregt, obwohl ich leichte Anlaufschwierigkeiten hatte. Ich bin jedenfalls froh, dass das Spiel für uns so gut verlaufen ist, und freue mich schon auf die nächste Aufgabe.readmore.de: Wirst du versuchen, dem Team mit deiner Erfahrung und eventuell einigen neuen Ideen zu helfen, oder wirst du dich komplett unterordnen?
Blizzard: Falls ich denke, dass ich dem Team weiterhelfen kann, werde ich natürlich meinen Mund aufmachen. Aber generell werde ich nun erst einmal an mir und meiner Leistung arbeiten, bevor ich noch ein zusätzliches Augenmerk auf andere Dinge legen kann. Wenn ich es schaffe, mich nicht mehr komplett auf mein eigenes Spiel konzentrieren zu müssen, um möglichst wenig Fehler zu machen, werde ich probieren, den Jungs bestmöglich unter die Arme zu greifen.
readmore.de: Viele Spieler, die nach einer 1.6-Pause wieder in das Geschehen eingreifen wollten (zum Beispiel die ehemaligen CGS-Spieler), haben Probleme, sich an den aktuellen Spielstil anzupassen. Spürst auch du deutliche Unterschiede im Vergleich zu deiner aktiven Zeit?
Blizzard: Früher war CS deutlich statischer. Mittlerweile hat sich von der Taktik alles sehr viel weiterentwickelt und man spielt deutlich flexibler und dynamischer. Aber ich denke, dass ich den Rost von mir abkriege, um mich auch an das zu gewöhnen. (grinst)
readmore.de: Wenn mousesports mit dem Rücken zur Wand stand, haben sie vor allem auf EPS-Finals oft stark aufgespielt, gerade du kannst dort aus Erfahrung sprechen. Glaubst du, dass auch dieses Team durch den Druck noch stärker wird?
Blizzard: Ein Vorteil ist sicherlich, dass wir nicht Favorit auf den Finals sind, wie es sonst sehr oft der Fall war. Der Druck von außen lastet dementsprechend dieses Mal besonders auf anderen Teams und sie müssen damit nun fertig werden. Trotzdem denke ich, dass wir auch sehr viel selbst in der Hand haben. Vor allem meine vier Mitspieler haben sehr oft ihre Klasse in wichtigen Spielen unter Beweis gestellt und so sehe ich relativ zuversichtlich den Finals entgegen.
readmore.de: Wie geht es nach den Finals weiter? Ist dein Aushilfsjob dann definitiv beendet oder wirst du solange im Lineup bleiben, bis ein passender fünfter Mann gefunden ist?
Blizzard: Ich konzentriere mich jetzt erst einmal nur auf die Finals und anschließend auf die wichtigen Klausuren in meinem Studium. Was danach ist, weiß ich nicht, und darüber mache ich mir auch keine Gedanken.
readmore.de: Dass du doch noch einmal Motivation bekommst, dauerhaft professionell zur Maus zu greifen, ist also ausgeschlossen?
Blizzard: Das weiß ich nicht, aber generell habe ich das Kapitel aktives Spielen für mich schon abgeschlossen. Die lange Pause hat mir jedenfalls wieder einen Motivationsschub gegeben, aber wer weiß, wie lange der anhält. Zudem habe ich auch einen großen Zeitaufwand durch mein Studium, welches ich definitiv nicht mehr aufschieben möchte. Da müsste ich schon eine eiserne Disziplin haben, um beides unter einen Hut zu bekommen.readmore.de: Vielen Dank für das Interview.



