Morgen starten die WC3L Finals in Peking, China. Bereits zum fünfzehnten Mal treffen sich die besten Warcraft-3-Teams der Welt, um den begehrten Titel zu holen. Eitel Sonnenschein ist bei der WC3L trotzdem nicht: Die Weltwirtschaftskrise ist an ihr nicht spurlos vorübergegangen. Im Interview mit Simon ‚dummdidumm‘ Holthausen spricht Sebastian ‚Baschi‘ Weishaar über das Preisgeld, die Probleme der Vermarktung und die aktuellen Finals.
readmore.de: Es wurde bereits bestätigt, dass das Preisgeld dieses Jahr erneut herabgesetzt wird. Kannst du mittlerweile verraten, wie hoch es letztlich sein wird?Sebastian ‚Baschi‘ Weishaar: Insgesamt werden diese Saison 5.000 Euro an Preisgeld ausgeschüttet. Was man im Hinterkopf behalten sollte, ist, dass sich die Anzahl der Spieler halbiert hat, aber nichtsdestotrotz ist es natürlich deutlich weniger Geld.
readmore.de: In einem Interview zur Wirtschaftskrise antwortete Jens Hilgers vor einigen Monaten, man wolle vor allen Dingen quersubventionierte Projekte – damals nannte er den ENC als Beispiel – zurückfahren. Ist die WC3L ein solches Projekt? Woran liegt der fehlende Gewinn?
Baschi: Ja, die WC3L ist ebenfalls ein quersubventioniertes Projekt. Das liegt im Wesentlichen an zwei Dingen: Die WC3L hat den Vorteil und gleichzeitig den Nachteil, dass sie eine internationale Liga mit einem sehr internationalen Publikum, einer internationalen Zielgruppe und internationalen Spielern ist. Das macht es schwer für lokale Sponsoren, sich in der Marke WC3L wiederzufinden. Sponsor X aus Deutschland hat zum Beispiel nicht sehr viel davon, wenn 80 Prozent der Zielgruppe nicht aus dem eigenen Land kommen und die WC3L Finals dann in China stattfinden. Man kann höchstens die Finals selbst als lokales Event vermarkten und so interessant für chinesische Sponsoren machen. Auf der anderen Seite gibt es Sponsoren, die mit ihren Produkten so aufgestellt sind, dass sie auch internationale Projekte unterstützen können, so wie Intel das bei uns mit den Intel Extreme Masters tut. Und hier muss man sagen, dass die WC3L schon wieder zu klein ist, um international einen solchen Mehrwert zu schaffen, wie sich ihn ein großer Sponsor verspricht. Das ist leider die Zwickmühle, in der die WC3L steckt: Zu klein, um an die internationalen Sponsoren heranzutreten und zu international, um die lokalen Töpfe abzugreifen.
readmore.de: Wie steht ihr dem Problem gegenüber, dass es sich auch die besten Teams unter Umständen nicht mehr leisten können an den Finals teilzunehmen, obwohl die WC3L als die beste WC3-Liga der Welt gehandelt wird? Könnte dieser Nimbus und das hohe Ansehen verloren gehen?
Baschi: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die WC3L an Relevanz eingebüßt hat. Die Umgebung hat sich schlicht und einfach geändert. Damals war die WC3L das Nonplusultra für Spieler und Zuschauer, die einzige Liga, in der sich Topspieler wöchentlich in einem Wettbewerb messen konnten, und hatte daher wahnsinnig viel Prestige. Außerdem haben die Spieler damals noch ganz anders getickt und nicht so viel Geld verlangt. Vor zwei, drei Jahren war ein Warcarft-3-Team einfach viel kostengünstiger als es heute der Fall ist – damals haben Spieler 200 bis 300 Euro im Monat verdient, heute geht es in den vierstelligen Bereich. Und so muss sich ein Sponsor leider fragen, ob es sich rechnet, ein Team auf eine teure Reise zu schicken. Man muss außerdem bedenken, dass der Fokus immer mehr Richtung 1on1 geht. Insofern hat die WC3L etwas an Wert verloren – nichtsdestotrotz ist sie immer noch die bedeutendste Teamliga der Welt und das wird sie auch bleiben.
readmore.de: Wie wollt ihr das gewährleisten? Wie kann sich die Liga trotz der hohen Kosten für Teams attraktiv gestalten?
Baschi: Zum einen natürlich durch die Veränderung des Systems, was den Teams erlaubt, mit wesentlich weniger Spielern auszukommen. Das war ein sehr wichtiger Schritt, sonst würden wir heute wohl 50 Prozent der Topspieler nicht mehr in der WC3L sehen. Insofern war das die einzig mögliche Lösung, um die Liga für Teams attraktiv zu gestalten und gleichzeitig das Spielniveau zu halten. Ansonsten sind wir hoffentlich, wenn es die wirtschaftlichen Umstände zulassen, auch bald wieder in der Lage, das Preisgeld zu erhöhen. Dann sollte es sich auch wieder wirtschaftlich lohnen, an den WC3L Finals teilzunehmen.
readmore.de: Die Finals finden jetzt zum dritten Mal in Folge in China statt. Ist es denkbar, dass sie noch einmal in Europa oder gar in Amerika stattfinden werden oder ist China die neue Nummer Eins? Woran liegt das?Baschi: Dass die WC3L Finals einmal in Amerika stattfinden, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Dafür ist Warcraft 3 in Amerika einfach zu klein und unbedeutend. Dass sie noch einmal in Europa stattfinden, will ich nicht ausschließen. Da kommt es vor allem auf die Umstände an und welche sinnvollen Möglichkeiten es gibt, die Finals auszutragen.
Momentan muss man aber ganz klar sagen: Das Warcraft-3-Land Nummer Eins ist einfach China. In China gibt es die größte Fanbase, die meisten Zuschauer und die meisten Turniere – dem haben wir Rechnung getragen. 4.000 Zuschauer wie vor einem Jahr in Changsha wirst du als reines Warcraft-3-Event in Europa nie erreichen – auch zu absoluten Hochzeiten der WC3L haben wir solche Zahlen nicht ansatzweise erreicht. Natürlich ist diese Entwicklung für die europäischen Fans traurig und mit Nachteilen behaftet, aber sie entspricht nun mal der Realität.
readmore.de: Mit wie vielen Zuschauern rechnet ihr vor Ort, wie viele werden nach eurer Schätzung weltweit auf die Streams und Waaagh!TV zugreifen?
Baschi: Das ist sehr schwer zu schätzen. Zum einen kennen wir die Waaagh!TV-Zahlen nicht, zum anderen ist es nicht wirklich vorauszusehen, wie viele Menschen sich vor Ort einfinden werden. Da die Finals inmitten eines Freizeit-Parks stattfinden, rechne ich aber mit vielen Zuschauern. Uns ist bewusst, dass die Zahlen letztes Mal enttäuschend ausgefallen sind, aber ich denke, dass wir – ohne konkret zu schätzen -, das dieses Mal ordentlich steigern können.
readmore.de: Du sprichst es schon an: Bei den letzten WC3L Finals unter der Woche waren wenige Zuschauer vor Ort. Viele europäische Fans beklagen auch dieses Mal Zeitverschiebung und fragen sich, warum die Finals nicht wenigstens am Wochenende stattfinden. Wie steht ihr dieser Kritik gegenüber?
Baschi: Das „Problem“ ist, dass in diesem Freizeitpark nicht nur die WC3L-Finals stattfinden. Das Ganze ist ein größeres Event, bei dem über sechs Tage Gaming stattfindet: Einige andere Wettbewerbe wie die PGL Championship werden während dieser Zeit ausgetragen. Wir haben uns vorher zusammengesetzt und überlegt, was die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten ist. Das Ergebnis ist für europäische Fans natürlich schade, aber nur so konnten wir alle Events in die vorgegebenen Zeitfenster packen.
readmore.de: Die WC3L Finals finden dieses Jahr auch erstmals mit dem neuen Spielsystem statt, das auch schon während der laufenden Saison zum Einsatz kam. Wie zufrieden seid ihr mit dem System im Rückblick?
Baschi: Insgesamt sind wir relativ zufrieden. Natürlich ist es nicht mehr dasselbe Gefühl wie früher, als sich vier, fünf oder gar sechs Spieler War für War gegenüberstanden, aber aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten blieb uns keine andere Wahl. Insofern denke ich, dass wir noch mit das Beste aus der verkorksten Situation gemacht haben. Aber, ganz klar, es hat einfach nicht mehr diese Größe von damals – mir als Warcraft-3-Fan wäre das alte System natürlich immer noch lieber.
readmore.de: Nun, da die aktuelle Saison sogut wie vorüber ist, denkt ihr schon an die nächste Saison? Sind Veränderungen geplant, zum Beispiel neue Maps?
Baschi: Natürlich denken wir im Hinterkopf schon an die nächste Saison, aber die Planungsphase hat, wenn überhaupt, erst begonnen. Deshalb gibt es an dieser Stelle noch keine Details, die ich bekannt geben kann. Aber selbstverständlich legen wir wie nach jeder Saison die Karten auf den Tisch und schauen, was gut gelaufen ist und was nicht. Wir horchen auch sehr aufmerksam in die Community und prüfen, welche Verbesserungsvorschläge sich gut umsetzen lassen.
readmore.de: Nachdem wir so viel über das harte Geschäft geredet haben, noch eine letzte Frage: Wer denkst du, wird die Finals gewinnen?Baschi: Das ist schwer zu sagen. Dieses Mal, denke ich, kann wirklich jeder gewinnen. Die letzten Male gab es immer ein, zwei Topfavoriten, die sich im Endeffekt dann mehr oder weniger schwer getan haben – zum Beispiel World Elite vor zwei Saisons. Am unsichersten bin ich mir dieses Mal noch bei Wicked. Da muss man abwarten, ob sie offline dieselbe Leistung wie online abrufen können – das letzte Mal war das ja nicht der Fall. Die sonstigen Teilnehmer sind alle mittlerweile sehr offlineerfahren, da nimmt sich keiner was, es entscheidet im Endeffekt die Tagesform und die Motivation, um jeden Preis zu gewinnen. Aber um trotzdem einen Tipp abzugeben: Ich denke nGize hat große Chancen, die Finals zu gewinnen. Vor allem LucifroN ist momentan in Topform. Letztlich freue ich mich aber vor allem auf spannende Spiele!
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.


