Nur noch wenige Tage sind es bis zu den nunmehr vierzehnten EPS Finals der eSport-Geschichte. Die Spannung steigt, auch bei den Spielern, die sich intensiv auf ihren großen Auftritt vorbereiten. Doch wie läuft das Training überhaupt ab? Mit welchen Problemen haben die Spieler zu kämpfen? – Simon ‚dummdidumm‘ Holthausen hat die Warcraft-3-Finalsteilnehmer befragt.
Trainieren – so viel wie nur geht!
Eines ist sicher: Motivationsprobleme werden für die Zeit der Vorbereitung übersehen oder wegtrainiert. Daniel ‚XlorD‘ Spenst jedenfalls will trotz der Lustlosigkeit pro Tag mindestens ein bis zwei Stunden trainieren: „Ich werde so viel Zeit in die Vorbereitung investieren, wie ich momentan aufwenden kann. Das fällt mir zwar etwas schwer, aber ich werde es verkraften und im Endeffekt wird es sich dann auch lohnen.“Im Verhältnis zu den anderen Finalsteilnehmern ist das allerdings sogut wie nichts: XlorDs Teamkollege Stefan ‚dArk‘ Lehmann spielte trotz leichter Motivationsprobleme („Nach dem Kurzurlaub auf Malle bin ich etwas unmotiviert.“) das Wochenende von morgens bis abends – bis an die Schmerzgrenze: „Nach mehreren Stunden Warcraft 3 bekomme ich meistens Kopfschmerzen, aber da muss ich wohl durch.“
Von Motivationsproblemen oder Kopfschmerzen wollen Tim ‚HLA‘ Gebel und Heinrich ‚S.o.K.o.L‘ Rennert nichts wissen. „Die Finals stellen für mich die letzten Offline-Spiele meines Lebens dar, von daher will ich nichts anderes als gewinnen. Momentan spiele ich circa fünf bis sechs Stunden am Tag und will dieses Pensum bis zu den Finals aufrecht erhalten“, verrät der Undead. S.o.K.o.L. verwendet sogar acht bis zehn Stunden am Tag auf Warcraft 3, Replayanalysen und Taktikbesprechungen mit eingerechnet. „Allerdings geht mein Training erst ab Donnerstag so richtig los, da ich einiges für mein Studium nachholen muss“, räumt S.o.K.o.L ein. Und wenn er nach einem ganzen Tag Warcraft 3 doch einmal die Nase voll hat? – „Dann schreibe ich an meiner Semesterarbeit weiter.“ – So einfach ist das.
Die Überraschung als Schlüsselelement
Trainiert wird – da sind sich alle einig – hauptsächlich über Custom Games. Dabei wird sich vor allem auf den ersten Finalsgegner vorbereitet. HLA zum Beispiel sucht sich so viele Orcs zusammen, wie er kriegen kann: „Je mehr Orc-Trainingspartner ich finde, umso besser.“ In den Custom Games werden hauptsächlich neue Creeprouten trainiert und, so geben es zumindest alle Spieler an, eine Überraschungstaktik vorbereitet. „Man muss in so einem Spiel einfach mal überraschen. Entweder hat man dann das Glück, dass es klappt, oder eben nicht“, findet dArk.S.o.K.o.L sieht in unkonventionellen Strategien sogar seine einzige Chance, gegen XlorD zu gewinnen: „In meinen Augen ist XlorD der eindeutig bessere Spieler von uns beiden. Aber da in Warcraft der Überraschungseffekt eine sehr große Rolle spielt, könnte ich mit einer guten Vorbereitung vielleicht etwas reißen.“ – Gegen welche Rasse S.o.K.o.L in Köln ran muss, bleibt allerdings XlorDs Geheimnis. Zuletzt spielte er gegen Orc wieder seine Mainrace Undead und konnte einige Siege einfahren. Ob er trotzdem wieder auf Human wechseln wird? – Wir werden es sehen.
Die Schwächen sind klar – sie auszumerzen das Problem
Neben dem Überraschungsmoment wird vor allem an den eigenen Schwächen gearbeitet. Welche das sind, will im Detail natürlich keiner verraten. „Die sollen schon meine Gegner selbst rausfinden“, meint dArk augenzwinkernd. S.o.K.o.L hat eine genauere Antwort parat: „Meine größte Schwäche ist wohl mein Macro. Ich habe schon so viele Spiele dadurch aus der Hand gegeben, was mich natürlich sehr ärgert.“ Momentan versucht er durch gezieltes Training, das Problem zu beseitigen – und hat dazu nach eigener Aussage eine ganz spezielle Methode entwickelt. „Mehr dazu aber am Samstag auf den Finals. Ihr werdet es sehen“, gibt sich S.o.K.o.L geheimnisvoll.
Trotz des Wissens um die Schwächen: Einen wirklichen Trainingsplan hat keiner der Spieler. „Das ist in Warcraft 3 ziemlich schwierig, da man immer auf Trainingspartner angewiesen ist, wenn man so trainiert wie ich und keine Ladder spielt“, erläutert dArk, „Ich werde einfach gegen so viele Spieler wie möglich spielen. Man könnte also sagen, ich spiele drauf los.“ – Die Trainingspartner selbst werden natürlich streng geheim gehalten. Nur eins ist sicher: XlorD und dArk trainieren nicht zusammen. „Wir hatten uns kurz überlegt, ein Bootcamp zu machen, aber wenn wir beide im Finale stehen würden, wäre es wahrscheinlich eher suboptimal für uns beide. Von daher trainiert nun jeder für sich“, erklärte XlorD im Interview.
Pause machen? – Nicht wirklich möglich
Neben dem Training versuchen die Spieler vor allem abzuschalten. Ganz weg von Warcraft 3 kommen sie aber auch dann nicht. „Bei einem so hohen Trainingspensum ist man froh, wenn man Warcraft 3 danach aus dem Kopf verdrängen kann. Aber schaffen kann man das nicht ganz, wenn man den ganzen Tag von morgens bis abends gespielt hat“, beschreibt dArk die Situation. Und so drehen sich die Gedanken dann auch abseits des Spielens nach einiger Zeit wieder um Creeprouten und Strategien. Und doch: Trotz des ganzen Grübelns bildet sich das eigentliche Spiel erst auf der Bühne“, so HLA.Um in dieser Stress-Situation dann auch ja nichts zu vergessen, schreiben sich die Spieler hin und wieder einen Zettel. „Ich mache mir öfters ein paar Notizen, wenn mir etwas im Training auffällt, sei es ein Fehler, den ich immer wieder begehe, oder eine gute Idee. Daraus lernt man dann am besten“, meint dArk, „Großartig etwas auflisten, was den Gegner betrifft, mache ich aber nicht.“
Die Wunderwirkung der gebundenen Seiten
Ganz im Gegensatz zu S.o.K.o.L. Der hat sogar ein richtiges Buch: „Seit den WCG 2008 schreibe ich dort die wichtigsten Sachen über die Gegner rein, die ich vielleicht vergessen könnte. Dazu kommen noch meine Strategien und Creeprouten, die an bestimmte Gegner angepasst sind. Natürlich habe ich das auch alles im Kopf, aber wenn man zum Beispiel ein Replay vom Gegner analysiert und die spielerbezogenen Sachen reinschreibt, merkt man es sich besser. Ein gutes Beispiel ist mein EPS-Spiel gegen yAwS: Ich wusste schon vor dem Spiel, dass er keine Tower in seiner Base baut – außer der Gegner spielt FS first – und dass sehr wahrscheinlich der MK als zweiter Held kommt, was bedeutet, dass er wenig Antiair haben wird. So habe ich mir überlegt, dass ich mit einer Oldschool-Wyvernstrategie im Falle einer Close Position auf Turtle Rock sehr gute Karten habe. – Gesagt, getan.“
Eins ist also klar: Top vorbereitet wird jeder der vier Finalsteilnehmer sein. Genauso klar ist aber auch: Jeder wird nach den EPS-Finals erst einmal alles tun, nur nicht Warcraft 3 spielen – das wurde in der Vorbereitung mehr als genug getan. Der Erstplazierte wird wohl nach dem Motto „Tot aber glücklich“ eine eSport-freie Woche genießen. Doch bis dahin gilt: Hochkonzentriert bleiben und gut trainieren.



