Am kommenden Wochenende treffen im Kölner Mediapark die besten europäischen und nordamerikanischen Spieler der Battle.net Ladder Saison zusammen, um sich für die Finals auf der BlizzCon zu qualifizieren. Mit dabei auch der Däne Thomas ‚ThomasG‘ Glinski, der Anfang Juni dazu beitrug, dass sein Nationalteam gegen die deutsche Auswahl im ENC gewann. readmore.de befragte den Nachtelfen-Spieler zu den anstehenden Regional Finals.
readmore.de: Nächstes Wochenende wirst du in Köln sein und versuchen, dich für die BlizzCon zu qualifizieren. Denkst du, dass du dir einen der Plätze erkämpfen kannst?
Thomas ‚ThomasG‚ Glinski: Unglücklicherweise habe ich mein letztes Examen genau am Nachmittag vor meiner Abfahrt. Ich werde also kaum Zeit für Training haben. Dennoch bin ich weiterhin zuversichtlich bezüglich meiner allgemeinen Form derzeit und finde auch, dass der Turnierbaum gut für mich ist. Also: Ja, ich hoffe auf jeden Fall, meine ersten beiden Partien gewinnen zu können, um eins der begehrten Tickets zur BlizzCon zu erhalten.
readmore.de: Gegen wen würdest du ungern spielen? Gibt es jemanden, den du fürchtest?
ThomasG: Fürchten ist wohl nicht das richtige Wort, aber es gibt Leute, die ich gerne vermeiden würde. Ich denke, Happy ist sehr stark auf LANs und vor allem gegen Nachtelfen. DeMusliM hat auch ein sehr starkes Matchup gegen Nachtelf im Moment und, wenn möglich, würde ich auch gerne Mirrors vermeiden, da es derzeit mein schlechtestes Matchup ist. Also gibt es viele Leute, die ich ungern treffen möchte, doch gleichzeitig bin ich sicher, dass ich gegen jeden eine Chance habe, vorausgesetzt ich kann mein Top-Spiel zeigen.
readmore.de: SaSe spielt seit einiger Zeit nicht mehr so aktiv. Denkst du, dass er auf demselben Level spielen kann wie der Rest der Teilnehmer?
ThomasG: Das kann man unmöglich sagen. Ich habe nie mit Sase gesprochen und weiß folglich nichts über seine Form. Alles, was ich weiß, ist, dass er vor einiger Zeit ein sehr gute Spieler war und wahrscheinlich ohne viel Training auf ein vernünftiges Level kommen kann. Ich habe ihn nicht spielen sehen seit einiger Zeit, aber vielleicht trainiert er ja auch wie ein Verrückter, wer weiß das schon. Einzig die Zeit wird es zeigen, aber niemand sollte ihn unterschätzen.
readmore.de: Was denkst du über die Annulierung der Einladung von NightEnd. Hat sich Blizzard richtig verhalten?
ThomasG: Über dieses Thema weiß ich nicht genug, um einen fundierte Meinung abzugeben. Ich habe gehört, es geht um irgendwelche Gesetze in Rumänien, die NightEnd verbieten teilzunehmen aufgrund irgendwelcher Glücksspiel-Regeln. Aber da ich nicht genug darüber weiß, werde ich lediglich sagen, dass Blizzard wohl seine Gründe haben wird, auch wenn es vielleicht unfair gegenüber NightEnd erscheint, da er ja den Spot auf den Finals so sehr verdient wie alle anderen auch.
readmore.de: Wie viel wirst du vor dem Event trainieren?
ThomasG: Wie ich bereits gesagt habe, stehen bei mir einige Examen an und deshalb werde ich nicht viel trainieren. Ehrlich gesagt wäre es mir lieber, wenn das Event eine Woche später stattfinden würde. Im Wesentlichen versuche ich, mein Training nun zu optimieren und jedes Spiel sehr konzentriert anzugehen, anstatt viele Spiele mit nur 90% Fokussierung zu bestreiten. Außerdem werde ich mich darauf konzentrieren, die ersten beiden Spiele zu gewinnen, was mir eine Top3-Platzierung sichern würde, statt mich auf alle Teilnehmer vorzubereiten.
readmore.de: Welche Rolle spielt die besondere Atmosphäre des Offline-Events noch? Könntest du aufgrund deiner eher geringen Event-Erfahrung nervös werden und dadurch schlechter spielen?
ThomasG: Ich muss zugeben, dass es ein Vorteil für Leute wie Grubby, LucifroN, SaSe und Happy ist, dass sie wohl erfahrener auf LAN-Events sind als der Rest von uns. Ruhig zu bleiben und sich zu 100% auf das Spiel zu fokussieren sind wichtige Faktoren auf LAN-Events. Während ich damit auf meinen ersten LANs in Dänemark noch Probleme hatte, denke ich, dass ich mittlerweile gezeigt habe, dass ich auch auf LANs sehr gut spielen kann. In Köln will ich das ebenfalls tun.readmore.de: Wo liegen deine Stärken und deine Schwächen? Gibt es Matchups, die du mehr oder weniger magst?
ThomasG: Ich glaube, das Matchup, in dem ich Vorteile habe, ist gegen Undead und vor allem gegen Orc, weil ich mich in beiden sehr sicher fühle, gegen fast jeden Gegner. Mein größter Nachteil ist wohl, dass ich dazu neige sehr, sehr vorhersehbar zu spielen. Ich benutze fast immer denselben First-Hero, keine wesentlich unterschiedlichen Einheiten und dieselben Late-Game-Heros. Außerdem lässt wie gesagt mein Mirror-Matchup derzeit zu wünschen übrig, auch wenn ich hoffe, dieses Matchup zu umgehen.
readmore.de: Während der europäischen Regional Finals werden auch die amerikanischen in Köln stattfinden. Wer wird dieses Turnier gewinnen? Weißt du viel über die amerikanische Szene?
ThomasG: Wenn ich mir die Teilnehmer der amerikanischen Regional Finals anschaue, ist der erste Name, der mir ins Auge sticht, SonKie und ich denke, er wird das Turnier gewinnen. Seine schwersten Gegner werden wohl LongWalk und Shriek sein. Ich persönlich denke, LongWalk ist ein sehr guter Spieler, wenn er gut in Form ist. Es wird also interessant sein zu sehen, wie er sich schlägt. Es gibt auch ein paar Spieler, die ich gar nicht kenne. Das sagt wohl schon genug über meinen Kenntnisstand der amerikanischen Szene. Dennoch gehe ich davon aus, dass SonKie der klare Favorit ist.
readmore.de: Du bist Nationalspieler im dänischen ENC-Team. Am ersten Spieltag habt ihr es geschafft, Deutschland zu schlagen. War es ein besonderer Sieg für dich? Wie war es, den ENC-Titelverteidiger zu besiegen?
ThomasG: Ich glaube, es war das erste Mal, dass Dänemark Deutschland im ENC geschlagen hat, zumindest seit ich zum Nationalteam gehöre. Insofern kann man schon sagen, dass der Sieg ein besonderer war. Aber meiner Meinung nach ist Deutschland nicht ansatzweise so stark wie letztes Jahr, da das neue System mit lediglich zwei Spielern den Deutschen nicht passt. Dennoch ist es noch immer ein weltklasse Team und Anwärter auf einen der Spitzenplätze in der Gruppe. Insofern war es durchaus ein sehr erfreulicher Sieg für mich und meine Teammates, zumal unser 2on2 sehr schlecht war zu diesem Zeitpunkt und wir quasi schon vor der Partie aufgegeben hatten.readmore.de: Ist eurer Ziel nach diesem Sieg nun der Titel? Wer sind eure härtesten Konkurrenten?
ThomasG: Von Beginn an war unser Ziel der Titel! Ich denke, in unserer Gruppe könnte es sehr eng werden. Russland scheint stark zu sein und Deutschland kann auch sehr schnell ein Comeback schaffen, nach ihren schlechten Resultaten. Auch die Ukraine sollte man nicht unterschätzen, obwohl ich glaube und hoffe, dass sie nur den vierten Platz in unserer Gruppe erreichen werden.
In der anderen Gruppe sind die Schweden wohl die stärksten, da sie eine Vielzahl von guten Spielern haben, was es ihnen ermöglicht, immer die besten Spieler auf ihren Lieblings-Maps in ihrem Lieblings-Matchup zu seeden. Spanien sollte man auch nicht unterschätzen, aber ich glaube, sie hatten einen harten Start und müssen noch eine Schippe drauflegen, wenn sie um den Titel mitspielen wollen.
Insgesamt denke ich, dass die stärksten Länder Schweden und Russland sind, neben einigen Außenseitern wie Deutschland, Spanien und uns, die überraschen können und eine Chance haben, den Titel nach Hause zu bringen.
readmore.de: Du hast in den letzten Wochen sehr gute Leistungen gezeigt. Hast du mehr trainiert oder was hat sich geändert?
ThomasG: Ehrlich gesagt, habe ich zuletzt weniger trainiert, weil die letzten Wochen stressig waren, aber vielleicht ist es das Training der Zeit davor, welches sich nun auswirkt. Generell denke ich, wenn es einen bestimmten Grund für meine Leistungssteigerung gibt, dann ist es, dass sich meine Mentalität ein wenig verändert hat. Vorher habe ich mich immer vor den Spielen heiß gemacht, weil ich immer unbedingt gewinnen wollte, was mich wohl nervöser gemacht hat vor den Spielen, sodass ich am Ende nur schlechter gespielt habe.
Zuletzt bin ich das Ganze etwas entspannter angegangen und habe immer versucht, den Überblick über das Spiel zu bewahren, anstatt mich auf die Details zu konzentrieren. Dadurch konnte ich meine eigenen großen Fehler abstellen und stattdessen von denen meiner Gegner profitieren, indem ich einfach durchschnittlich gut gespielt habe ohne spezielle verrückte Spielzüge.
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.

