Seit einiger Zeit kündigte David ‚CHEF-KOCH‘ Nagel seinen Rückkehr in das EPS-Geschäft an. Zunächst half er den Jungs von myRuSh auf der Relegation, auch wenn es am Ende nicht zur Qualifikation reichte; in einem Monat tritt er mit ESC Gaming auf der GameGune an. Und dann wieder zurück in die ESL Pro Series – in der mittlerweile 15. Auflage. Aber ob das wirklich ein Grund zum Jubel ist? Von Hanno ‚hno‘ Magnus.
Er gehört zu den beliebtesten Personen der deutschen eSport-Szene: David ‚CHEF-KOCH‘ Nagel ist gern gesehener Interviewpartner der eSport-Presse, gern gesehener Experte bei ESL TV und gefragter Autogrammschreiber bei den Fans. In den Kommentaren zu von ihm moderierten Spielen werden seitenlang seine besten Sprüche zitiert.Seine Beliebtheit überschreitet sogar problemlos die sonst verhärteten Fanfronten der jeweiligen Kontrahenten. So werden zum Beispiel seine kleinen Spitzen gegen den deutschen Meister von mouz-Fans ohne den üblichen „Flame-Reflex“ hingenommen. Und auch wer seine Sprüche überhaupt nicht mag, räumt ein, dass dieser Mann Ahnung von Counter-Strike hat. Seine langjährige Erfahrung, verbunden mit seinem Talent, Taktiken verständlich zu erklären, hat ihm unter den Co-Moderatoren eine Sonderrolle verschafft.
Insgesamt also eine tolle zweite Karriere im eSport, nach dem Ausstieg bei Team Alternate. In einem Interview mit fragster wurde er sogar gefragt, ob er sich schon Gedanken über eine Vermarktung seines Namens gemacht hat. Bei welchem anderen deutschen Progamer ist diese Frage vorstellbar?
Fast nur Gewinner
Im selben Interview bekräftigte CHEF-KOCH zum wiederholten Mal, dass er die nächste EPS Saison wieder als Spieler begleiten wolle – schon die zweite gute Nachricht für seine Fans. Die erste war, dass er für myRuSh in der EPS-Relegation die Maus schwingen wollte. Die Relegation zeigte dann auch gleich, welche Auswirkungen die Rückkehr des Publikumsliebling haben kann.Für die Fans ist es schön, den Altmeister wieder in Aktion zu erleben; die eSport-Presse freut sich über ein Thema und die Rückkehr eines echten Originals in der Königsklasse; für myRuSh und ihr EAS-Team ist es kostenlose Aufmerksamkeit; sogar die ESL profitiert, weil sie ihr sonst eher mäßig interessantes Relegations-Event als Comebackparty für CHEF-KOCH bewerben kann. Viele weitere werden in der kommenden Saison sicherlich ebenfalls von David Nagels Wiedereinstieg profitieren. Trotzdem möchte man – auch als echter Fan – rufen: „Lass gut sein, cheff0!“ – Denn bei so vielen Leuten, die profitieren, kann es auch ganz schnell einen Verlierer geben: David Nagel höchstselbst.
Wo sollte er spielen?
Das erste Problem stellt die Suche nach einem geeigneten Team dar: Ein Spieler vom Format eines CHEF-KOCH muss eigentlich bei einem Finalskandidaten auflaufen. Doch welches Team sollte ihn verpflichten? – Das Lineup von mousesports steht, Team Alternate wurde von CHEF-KOCH selbst bereits ausgeschlossen und n!faculty hat sich mit gore ausreichend in der Kategorie „Erfahrung“ verstärkt.
Hinter diesen drei Teams kommt erst einmal eine Weile nichts und dann gleich mehrere Teams, die das Potential haben den vierten Platz zu erreichen. Sicherlich würden viele dieser Teams eine Verpflichtung von CHEF-KOCH in Betracht ziehen. Doch das macht die Gefahr für den Frankfurter, bei der Teamwahl auf das falsche Pferd zu setzen, nur noch größer.
Teamspieler brauchen ein Team
Spielerisch ist CHEF-KOCH besonders stark auf seine Mitspieler angewiesen. Wie man auf der Relegation gesehen hat, klärt ein CHEF-KOCH eben selten allein. Durch gutes Stellungsspiel hat er immer wieder die Möglichkeit, die sogenannten „einfachen Frags“ zu machen.Vom Spielstil her braucht er aber Mitspieler, die ähnlich clever spielen wie er und noch dazu vergleichbar gut treffen. Ein ganzes Team im Alleingang wegzuschießen, gehört nicht unbedingt zum Standardrepertoire von David Nagel. Letztendlich hat myRuSh die EPS verfehlt – beim Counter-Strike kommt es eben auf fünf Spieler an.
Zurück im EPS Alltag
Egal, ob die EPS-Saison ein Erfolg wird oder nicht, die Flames werden kommen. Es ist eben ein himmelweiter Unterschied, ob man als unabhängiger, aber sachkundiger Beobachter oder als aktiver Spieler wahrgenommen wird. Aussagen von CHEF-KOCH, die viele Leute im Moment lustig finden, werden dann plötzlich auf die „Arroganz-Waage“ gelegt; wenn es drei Spiele in Folge nicht läuft, wird man zum alten Eisen erklärt; sogar gute Leistungen werden von gegnerischen Fans mit aller Macht schlecht geredet. – Der Nachteil wenn man auf einmal nicht mehr unparteiisch über den Lagern der Teams steht.
Das alles kennt CHEF-KOCH natürlich bestens aus seiner langen aktiven Zeit. Doch seine Beliebtheit ist höher denn je – der Absturz kann umso steiler ausfallen. Ein weiteres Risiko steckt im Abnutzungseffekt: Zur Zeit sind Auftritte von CHEF-KOCH eher selten und somit etwas Besonderes. Sei es, dass er spielt oder nur moderiert, das in Interesse ist stets vorhanden. Im EPS Alltag würde diese Besonderheit verschwinden – CHEF-KOCH wäre wieder ein ganz normaler, alternder EPS Spieler, der hin und wieder einen guten Spruch ablässt. Will man das?
Wer soll ihn bezahlen?
Dazu kommt noch die Frage nach dem finanziellen Nutzen. Das Geld ist knapp geworden im eSport. Sinkende Sponsoreneinnahmen und immer noch mangelhafte Professionalität führen selbst bei namhaften Clans zu finanziellen Engpässen. Die ESL hingegen kann als einer der sichersten Arbeitgeber der Branche genannt werden – im Gegensatz zu den Preisgeldern wurde bisher noch jedes Gehalt gezahlt. Wenn eSport einen größeren Platz als den des Hobbys einnehmen soll, führt der Weg also über die Kölner Firma. Vor dem Hintergrund, dass CHEF-KOCH im Interview auch noch angibt, eher an der Szene als am eigentlichen Spiel interessiert zu sein, wird die Entscheidung, wieder aktiv zu spielen, noch fragwürdiger.Zuletzt noch zwei abschreckende Beispiele: Fleks und silver einen zwei Dinge: Beide spielten in ihrer Hochzeit brillant und beide haben den passenden Moment zum Ausstieg verpasst. In der Folge ist ihr Ansehen in der Szene geringer als sie es verdient hätten. CHEF-KOCH hatte den passenden Moment gefunden – und droht jetzt sein Ansehen zu verspielen. Er ist einer der wenigen, den die Szene mehr als Menschen denn als Spieler schätzt. Darum die Bitte: „CHEF-KOCH, tu dir das nicht an. Spiel auf LANs, Spiel als Stand-In, solange du Spaß daran hast, aber geh nicht zurück in die EPS.“



