Das letzte Jahr war das viel beschworene Jahr der Protoss-Spieler. Fast alle Turniere in Korea wurden von den Spielern dieser Rasse gewonnen und teilweise waren in den Top-4 nur Protoss Spieler. In diesem Jahr jedoch läuft es für Protoss schlecht, sehr schlecht sogar. Nur ein Spieler dieser Rasse ist noch in den StarLeagues vertreten.
GomTV Classic und Blizzcon ohne Protoss
Die GomTV Classic ist die jüngste der StarLeagues. Durch die Übertragung der Matches auf einem englischen Videostream ist sie jedoch besonders bei Nicht-Koreanern beliebt. Aus Sicht der Protoss-Spieler begann die Liga bereits schlecht, da der Titelverteidiger Bisu, aufgrund einer politischen Entscheidung seines Teams, gar nicht erst am Turnier teilnehmen konnte. Für das Viertelfinale konnten sich dann immerhin zwei Protoss-Spieler qualifizieren, hier war jedoch Schluss für die „jungen Wilden“ Tempest und Shuttle. Somit streiten sich ab dem Halbfinale nur noch Terraner und Zerg um das relativ hohe Preisgeld und um die Qualifikation für die Blizzcon 2009, welche über das GomTV Classic entschieden wird. Nachdem Savior bereits zur Blizzcon eingeladen ist und sich somit die Top-3 der GomTV Classic für diese qualifizieren, werden wir dieses Jahr keinen koreanischen Protoss-Spieler im Pro-Turnier auf der Hausmesse von Blizzard spielen sehen.
Auch die OSL ohne Protoss-Spieler
Bereits die Round-of-16 war in der OSL alles andere als gut für die Protoss-Spieler, da es nur drei Spielern gelang sich überhaupt hierfür zu qualifizieren. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Keiner der Spieler schaffte es in die nächste Runde. Dabei wurden den Protoss-Spielern vor allem die jungen, aufstrebenden Zerg-Spieler wie Type-b oder Zero zum Verhängnis. Das Viertelfinale der Bacchus OSL findet also diesesmal ohne Beteilung von Protoss‘ statt und wird nur zwischen Zerg und Terra ausgetragen – Humans versus Aliens. Erwähnenswert ist, dass das Team OGN Sparkyz mit vier Spielern vertreten ist, die sich alle in der gleichen Hälfte des Turnierbaums befinden – OGN hat damit sicher einen Spieler im Finale.
MSL: Die letzte Hoffnung für Protoss
Die Avalon MSL ist mittlerweile im Viertelfinale angekommen. In dieser Saison sind die Zerg mit fünf Spielern am stärksten vertreten und somit sind auch gleich zwei Viertelfinalpartien Zerg-Mirror. Neben zwei Terra-Spielern befindet sich hier der einzige Protoss-Spieler in einer StarLeague. Wie nicht weiter verwunderlich, ist dies natürlich Bisu. Als einziger Spieler ist er noch im Rennen um einen StarLeague-Titel. Der größte Konkurrent für den Gewinn der MSL ist sicherlich Jaedong. Aber auch die restlichen Spieler haben gezeigt, dass sie wissen wie man Protoss schlägt und die meisten von ihnen können sich ganz auf die MSL konzentrieren. Bisu hingegen muss sich zusätzlich auf die ProLeague Finals vorbereiten, für die sich sein Team SK Telecom T1 qualifiziert hat.
Auf der Suche nach Gründen
Doch was sind nun die Gründe für das scheinbar plötzlich schlechte abschneiden der Protoss-Spieler? Da wäre als erstes das Protoss gegen Zerg-Matchup zu nennen. Lange galt hier Zerg den Protoss-Spielern überlegen und besonders eine Mischung aus Lurker/Muta machte den Protoss-Spielern das Leben schwer. Es war der, bis dahin eher unbekannte, Protoss-Spieler Bisu der dieses Matchup revolutionierte. Mit einer schnellen Expansion, welche mit Photonenkannonen gesichert wurde, gefolgt von Korsaren und dunklen Templern um zu stressen, gelang es ihm das Matchup komplett zu drehen. Danach kam eine Phase in der Protoss Zerg dominierte. Zwar wird diese „Bisu-Build“ mittlerweile in zahlreichen Varianten gespielt, die Eröffung ist aber doch immer dieselbe und wird so gut wie immer angewandt. So konnten sich die Zerg-Spieler darauf einstellen. Einerseits durch sehr gut getimte Angriffe, andererseits durch das Setzen einer weiteren Expansion, was meist in absoluten Massenschlachten endet. Dieser als „Neo-Sauron“ bekannte Aufbau ist mittlerweile so perfektioniert, dass Zerg nun, zumindest auf hohem Level und für den Moment, Protoss voraus ist.
Ein anderer Grund sind sicherlich die Maps. Die Maps wurden im letzten Jahr teilweise speziell für Protoss gemacht, um die bis dahin leicht unterrepräsentierte Rasse zu fördern. Nachdem Protoss-Spieler aber dann etwas zu dominant wurden, ruderten die Mapper zurück und schufen auch Maps, die für Protoss eher ungeignet sind. So wurden Maps wie Medusa, auf welcher Protoss gegen Terra 68% und gegen Zerg 55% aller Spiele gewannen, überarbeitet oder aus dem Mappool entfernt.
Ein weiterer Grund ist der fehlende Nachwuchs. Zumindest auf hohem Level haben sowohl Terra und Zerg mehr Spieler hinzugewonnen als Protoss. Man denke nur an den Terraner-Spieler Leta der aus dem Stand in die Top-3 der ProLeague kam oder an den Zerg-Spieler Zero, der nun in seinem zweiten StarLeague-Viertelfinale steht. Natürlich hatten auch Protoss Spieler wie Tempest oder Shuttle ihren Durchbruch, aber die Protoss-Neulinge erscheinen bei weitem nicht so gut und konstant wie ihre Kollegen der anderen Rassen.
Wäre das alles noch nicht schlimm genug für die Protoss-Fraktion, haben gerade im Moment einige Protoss-Spieler massiv mit ihrer Form zu kämpfen. Der Samsung Khan-Spieler Jangbi zum Beispiel stand im letzten Jahr regelmäßig im Finale von StarLeagues. Dieses Jahr jedoch läuft es einfach nicht und er verliert sogar gegen vergleichsweise schwache Spieler regelmäßig. Seinem Teamkameraden Stork, eigentlich ein grundsolider Spieler, traf dieses Schicksal nach seinem ersten StarLeague-Titel.
Im Moment kommt einfach alles zusammen für die Protoss-Spieler. Schlechte Form, starke Gegner und der neue Mappool. Es bleibt zu hoffen dass sich die Protoss-Spieler in der nächsten Saison wieder fangen, ansonsten wird die psyonische Rasse wohl erst wieder mit Starcraft 2 zu alter Stärke zurückfinden.