Es waren zwei lange e-Stars-Tage, zwei sehr lange sogar. Von morgens bis abends wurde der brutale Zeitplan mehr oder minder erfolgreich durchgeprügelt, viele der Akteure leiden seit dem Eintreffen in Seoul unter chronischem Schlafmangel. Wie sich gelangweilte Progamer am Vormittag die Zeit bis zu den entscheidenden Playoff-Spielen vertreiben. Von Nils ‚hellphyte‘ Johannsen.
Egal wer nun letztendlich gewinnt, am Ende können alle e-Stars-Teilnehmer stolz auf sich sein. Denn die Anzahl an „Arbeitsstunden“, die sie in den letzten beiden Tagen abgeleistet haben, kann sich durchaus sehen lassen. Am ersten Turniertag verbrachte die gesamte Delegation etwa 15 Stunden nonstop in der Location; von der Generalprobe der Eröffnungsfeier bis zum Ende des Continental Cups um zwei Uhr nachts. In Verbindung mit dem Jetlag eine Mischung, die bei einigen für mehr Ringe als Augen sorgte. Am Samstag dann das gleiche Bild. Wieder ging die Show bis zur Geisterstunde und erneut konnten die Anwesenden die 12-Stunden-Marke auf der imaginären Stempelkarte verbuchen.
Aber die e-Stars wären nicht die e-Stars wenn die Organisatoren nicht umgehend eine Lösung parat hätten, die die Zeitprobleme auf jeden Fall löst. Am letzten und entscheidenden Tag lautete jene, einfach 2,5 Stunden vor Beginn der ersten Spiele an in der Halle einzutreffen um auf jeden Fall pünktlich starten zu können. Der Plan ging – wer hätte es gedacht – wie gewünscht auf. Nach dem etwa 20-minütigen Aufbau haben die Spieler nun genug Zeit, sich nach Lust und Laune zu langweilen.LucifroN tauscht Blademaster gegen AK47
Während SK mit einem Taxi irgendwo durch Seoul fährt, sitzen die mTw-Jungs brav an ihren Rechnern und trainieren auf einem koreanischen Deathmatch-Server. Auf so einen wagte sich gestern übrigens auch LucifroN. Er tauschte todesmutig Blademaster gegen AK47 und connectete auf genau jenen DM-Server, auf dem sich die Profis warmspielten. Sein Erfolg war nach Augenzeugenberichten jedoch äußerst mäßig, selbst HasuObs („Mir fehlt es in CS bloß an Aiming und Movement“) konnte sich ein leichtes Lachen über die Vorstellung des Spaniers nicht verkneifen. Aber dabei sein ist offenbar auch bei den e-Stars alles.
Eigentlich wollten LucifroN und sein Bruder Ryo auch schon längst abgereist sein, doch für die Abschlusszeremonie am Abend besteht für alle Spieler noch Anwesenheitspflicht. Somit muss nun Towerdefense als Zeitvertreib herhalten, mittlerweile spielt LucifroN seit etwa einer Stunde ununterbrochen auf einer Map – die Units passen schon gar nicht mehr alle auf den Bildschirm. Zwei Meter weiter guckt Lyn sich ebenfalls wenig motiviert Replays des gestrigen Zotac-Cups an, das Finale zwischen FoCuS und ReMinD flimmerte in vierfach-Geschwindigkeit über seinen Bildschirm.Warten auf die Hauptschlagader Starcraft
So langsam trudelt nun auch SK ein, RobbaN trägt zwei große Starbucks-Kaffees mit sich – offenbar strotzt sein Körper nur so vor natürlicher Energie. Aus dem Hause fnatic dagegen sitzt bislang nur GeT_RiGhT alleine vorm Bildschirm und stellt sich den mTwlern auf dem Deathmatch-Server. Das Team wollte gestern Abend noch „ein bis zwei Bierchen“ trinken, ein Wunder, dass sie sich wirklich daran gehalten haben. Normalerweise bedeutet so eine Aussage nichts gutes für den nächsten Tag, wenn Sam Mathews dabei ist. Von jenem ist übrigens einmal mehr der Vater mit auf dem Event (wie auch bereits auf den ESWC Masters). Der schon etwas betagtere Herr fühlt sich aber Pudelwohl in der eSport-Welt, scherzt mit den Spielern und scheut keinen Smalltalk mit den anwesenden Journalisten.
Aber es gibt auch Leute, die sich momentan wirklich ernsthaft vorbereiten. Fly100% spielt fleißig Laddergames und auch Grubby ist schon längst in der Konzentrationsphase. HasuObs wird übrigens auch auf einen halben freien Tag inklusive Sightseeing und Shopping verzichten und verbringt extra die gesamten Stunden in der Location um seinen Teamgefährten Fly zu unterstützen. Keine Selbstverständlichkeit so früh am Morgen (Progamer-Zeitrechnung), stand doch gestern noch das GameGune-Finale auf dem Pflichtprogramm. Da in unserem Hotelzimmer glücklicherweise endlich HLTV funktionierte, ging es nach dem Mäuse-Sieg erst wieder gegen 3 Uhr ins Bett. Doch so langsam wird es etwas lebhafter auf der Location und spätestens zu den Starcraft-Matches wird der schlafende Riese e-Stars wieder zum Leben erwachen. Auf in den Endspurt!

