Manuel ‚Grubby‘ Schenkhuizen heißt der frischgebackene Champion der e-Stars. Nach etlichen Orc-Mirrors konnte er soeben im Finale Lyn besiegen. Im Interview mit Nils ‚hellphyte‘ Johannsen spricht er über die Finalspiele gegen den Koreaner, das außergewöhnliche Turniersystem und erklärt, wie Cassandra ihm am Abend des ersten Tages geholfen hat. Außerdem wirft er einen Blick in Richtung BlizzCon, die als nächstes großes Turnier vor der Tür steht.
readmore.de: Zu welchem Zeitpunkt hast du das Gefühl gehabt, dass du wirklich den ersten Platz erreichen und den Solo-Titel mit nach Hause nehmen kannst?
Manuel ‚Grubby‚ Schenkhuizen: Ich bin mit dem Bewusstsein in das Turnier gegangen, dass ich gewinnen kann. Aber mein Selbstvertrauen wurde vor allem während des Continental Cup immer wieder durcheinander gewirbelt, weil ich wusste, dass ich eigentlich besser spielen kann. Ich denke es waren eventuell mentale Probleme, die dafür gesorgt haben, dass es dort nicht so lief wie gewünscht.readmore.de: Als du gemerkt hast, dass du nicht dein A-Game zeigen kannst, was hast du daraufhin unternommen? Hast du am Abend eventuell Mentaltraining oder ähnliches gemacht?
Grubby: Ja, genau so war es. Am ersten Abend hatte ich ein längeres Gespräch mit Cassandra, was falsch lief und wie ich meinen Kopf wieder frei bekommen könnte. Am zweiten Tag fühlte ich mich deutlich ausgeglichener und war nicht mehr so abgelenkt wie noch am Tag zuvor.
readmore.de: Sprichst du mit Cassandra nur über mentale Dinge oder kann sie dir von Zeit zu Zeit auch Ingame-Tipps geben?
Grubby: Sie guckt mir sehr oft und sehr lange beim Spielen zu, sodass sie manchmal Tipps für mich hat. Aber in der Regel kommen die meisten Ideen von mir selbst, da ich durch das viele Training natürlich am besten weiß wie ich zu spielen habe. Trotzdem ist es natürlich sehr nützlich, immer jemanden zu haben, der einen motivieren kann und einen auf Fehler aufmerksam macht. Manchmal macht man Dinge falsch, die man sonst nicht falsch machen würde und dann ist es natürlich sehr gut, wenn man direkt darauf aufmerksam gemacht werden kann.
readmore.de: Lass uns etwas detaillierter über die Spiele gegen Lyn sprechen. Auf der zweiten Map – Twisted Meadows – hast du late barracks gespielt und HasuObs neben mir sagte gleich, dass du bestimmt direkt mit dem Blademaster ein XP-Tome ercreepen willst. Lyn hat dies aber relativ schnell gescoutet und so wurde daraus nichts. War das in der Tat so geplant?
Grubby: Ich werde in drei Wochen auf der BlizzCon vermutlich auf einige der Gegner treffen, gegen die ich auch hier gespielt habe. Deshalb möchte ich jetzt nicht erzählen, was mein Plan war, warum ich was getan habe und ob ich es wieder so tun werde. Außerdem glaube ich nicht, dass es eine entscheidende Situation war. Diese sind sowieso erst später entstanden.
readmore.de: Zum Beispiel eine Situation auf der dritten Maps Terenas Stand, wo dein Blademaster mit etwa 10 HP und ohne Mana von Lyns Blademaster verfolgt wurde und schließlich entkam. Das sah ziemlich knapp aus und hätte entscheidend sein können, oder?
Grubby: Nunja, das mag zwar gefährlich ausgesehen haben, aber ich hatte zu jeder Zeit die volle Kontrolle über die Situation und wusste, dass der Blademaster nicht sterben würde (lacht). Nein, ernsthaft: Gott sei Dank würde ich einfach sagen.
readmore.de: Du hast in der offiziellen Pressekonferenz gerade erzählt, dass du Orc-Mirrors liebst. Aber mal ehrlich: War es dir während des Turniers niemals zu viel des Matchups und hattest du niemals Angst, nicht mehr die passende Strategie zu haben?
Grubby: Nein, mir gehen niemals die Strategien aus (grinst) denn WarCraft bietet unendlich viele Möglichkeiten und du kannst immer noch etwas ändern. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer dass ich es immer liebe zu spielen, egal ob du es glaubst oder nicht (lacht) Ich mag die anderen Matchups übrigens genauso gerne und habe kein Problem mit vielen Orc-Mirrors.readmore.de: Wie gefällt dir das außergewöhnliche Turniersystem der e-Stars generell?
Grubby: Mir persönlich gefällt das System ziemlich gut und speziell für die Europäer, die extra dafür anreisen, ist es eine gute Sache. Ich komme den ganzen Weg aus den Niederlanden nach Korea nur für dieses Turnier und will dann natürlich so viele Spiele machen wie nur möglich. e-Stars bietet jedem Team und jedem Spieler genau diese Möglichkeit und das System, dass jeder in der Gruppenphase gegen jeden spielt, empfinde ich ebenfalls als sehr fair und es ist gewährleistet, dass wirklich die besten Teams und Spieler weiterkommen. Ich unterstütze diese Art von Turniersystem absolut.
readmore.de: Konntest du dich während des Continental Cups wirklich komplett auf den Kampf der Kontinente konzentrieren oder warst du teilweise schon mit den Gedanken beim Soloturnier?
Grubby: Ich habe etwa über eine Woche für dieses Turnier trainiert, direkt nachdem das GomTV-Turnier zu Ende war – welches ich übrigens auch als Vorbereitung genutzt habe. Ich habe diese Zeit dann so aufgeteilt, dass ich für beide Turnierformate etwa gleich viel investiert habe und wenn man dann vor Ort ist, macht es sowieso keinen großen Unterschied mehr. Der Mappool besteht in beiden Formaten aus nur aus fünf Maps und man kann sich problemlos umstellen. Gleiches gilt auch für die hier vertretenen Rassen. Ich denke also nicht, dass ich durch das Soloturnier abgelenkt wurde.
readmore.de: In wenigen Wochen steht schon die BlizzCon in Anaheim auf dem Programm, was für dich ein sehr wichtiges Turnier ist. Wirst du direkt nach deiner Ankunft zu Hause mit der Vorbereitung beginnen oder einige Tage Pause machen?
Grubby: Das weiß ich noch nicht, beides ist möglich. Zwei, drei Tage Pause wären sicherlich nicht schlecht, aber selbst in der Zeit würde ich mit ein paar Spielen und Replays darauf achten, dass ich meine Form halten kann. Ich denke, ich werde meine Trainingsintensität umstellen und statt zehn bis zwölf Stunden nur noch vier bis sechs Stunden pro Tag spielen und dann langsam das Pensum erhöhen, das ist in meinen Augen eine sehr annehmbare Lösung.
readmore.de: Wen siehst du als deine härtesten Konkurrenten auf der BlizzCon?
Grubby: Das ist so schwer so sagen, weil die Form der Topspieler so stark schwankt. Es hat sich zum Beispiel auch ein nicker qualifiziert, womit niemand gerechnet hätte. Eventuell kann er für eine Überraschung sorgen? Und die Amerikaner haben auch schon auf vielen Turnieren für Paukenschläge gesorgt und zum Beispiel Koreaner besiegt. Genau deshalb sollte niemand auf diesem Event unterschätzt werden, immerhin hat sich jeder Teilnehmer durch eine schwere Qualifikation gespielt und ich werde einfach versuchen, so gut zu spielen wie ich kann und keinen im Vorfeld beurteilen.
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.

