Viele Länder haben eine durchaus ausgeprägte CS-Szene, über die hierzulande nur wenig berichtet wird. Grund genug, einige dieser Exoten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen sprach mit einem Akteur vom rumänischen Team I Got Game, der unter anderem erzählt, wie ihr Sponsor einen Eventbesuch am Tag der Abreise platzen ließ und was seine Wünsche für die Zukunft sind.
Es war eine kleine Überraschung für Stanescu Catalin und sein Team I Got Game. Sponsor Archfurious hatte ihnen soeben versprochen, die Reise zum DTS-Cup in die Ukraine zu bezahlen. Schon alleine das war ein kleines Erfolgserlebnis für die Rumänen, die im Normalfall nicht die Chance bekommen, ein internationales Event zu besuchen. Die Koffer wurden gepackt, das Training erhöht, doch am Abreisetag dann die Ernüchterung: „Niemand antwortete mehr auf Anrufe oder E-Mails, der Sponsor war plötzlich verschwunden“ berichtet Stanescu, der im Internet den Nickname bEe trägt.
Um eine einmalige Möglichkeit betrogen worden
„Es wäre eine großartige und einzigartige Möglichkeit gewesen, zu zeigen, was wir können“ trauert der 20-Jährige der genommenen Chance nach. Nun steht sein Team wieder komplett ohne Geldgeber da und im ganzen Land kann nur der Clan neXtPlease von sich behaupten, überhaupt namhafte Investoren zu haben. Die Finanzkrise hat die Situation nicht besser gemacht, aber die Jungs von I Got Game stecken den Kopf nicht in den Sand. „Wir haben uns an diese Situation gewöhnt, daher beeinflusst es unsere Motivation nicht so stark. Eher spielen wir nun noch mehr, um die Chancen auf ein Sponsoring zu erhöhen.“
Kurzinfo Rumänien:
Im Osten an das Schwarze Meer grenzend, kann Rumänien 21.489.000 Einwohner auf 238.391 km² Fläche vorweisen. Im Jahr 2008 betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Rumänien 9.953 US-Dollar, das entspricht nicht einmal einem Viertel des deutschen BIPs pro Kopf (40.415 US-Dollar). Momentan besitzen nur etwa 22% aller Haushalte einen Internetanschluss, nur magere 7% eine Breitbandverbindung. Seit 2007 ist Rumänien auch Mitglied der Europäischen Union und gilt als sehr kulturbewusstes Land. So können mit Literarturvorlesungen ganze Stadien gefüllt werden, in denen sonst Fußball – der Volksport Nummer eins – gespielt wird.
Dabei sieht es in der rumänischen Szene gar nicht so schlecht aus. Man hat eine eigene ESL Pro Series, die mittlerweile schon drei erfolgreiche Seasons hinter sich hat, dazu mit der PGL und der ACL zwei weitere Ligen, mit dessen Organisation sich Stanescu durchaus zufrieden zeigt – „auch wenn die EPS wohl die professionellste ist“. Dazu ist Counter-Strike das beliebteste Spiel und von CS:Source-Seite droht ebenfalls keine Gefahr, „denn es gibt nur ein paar Spieler und eine kaum nennenswerte Szene.“ Selbst zwei IPTV-Fernsehsender (ACR und ZonaIT) beschäftigen sich mit Gaming, übertragen eSport-Turniere auf den heimischen Bildschirm. Auch Stanescu wurde von ihnen schon interviewt, immerhin gehört sein Team neben TeG und neXtPlease zu den besten des Landes. Eine ganz normale, gesund entwickelte Szene also.
Woran es nur mangelt: Dem lieben Geld. Auch wenn es offensichtlich genug Firmen gibt, die in die nötige eSport-Infrastruktur investieren, so fehlen doch die Geldgeber, die die Teams direkt unterstützen. Aber wie an solche kommen? Stanescu sagt dazu: „Wir müssen einfach gut auf allen rumänischen Qualifikationsturnieren spielen und dann darauf hoffen, dass wir uns für ein großes Event qualifizieren.“ Da Rumänien ein Team zu den World Cyber Games senden kann, will I Got Game natürlich genau dieses Team sein und dafür investieren sie auch einiges an Zeit. „Momentan trainieren wir noch dreimal die Woche, aber wenn das Event näher rückt, dann werden wir das Pensum erhöhen.“
Gute Trainingsergebnisse stimmen selbstbewusst
Eine Woche vor solch wichtigen Turnieren geht es dann ab ins Internet-Cafe zum Bootcampen. Immerhin ist die Hauptstadt Bukarest mit solchen reichlich gesegnet, wird Gaming in Rumänien doch durchaus anerkannt und wer eSportler ist, muss sich auch nicht von Vorurteilen belästigt fühlen. Beste Voraussetzungen also, um sich auf das Training zu konzentrieren. Aber gegen wen? „Auf deutschen Servern ist unser Ping recht gut, da können wir so ziemlich gegen jedes Team spielen“, erklärt Stanescu. DTS, Ledpc, A-gaming, Ex-Wicked und so weiter…die Liste der Trainingspartner kann sich durchaus sehen lassen, ebenso wie die Trainingsergebnisse: „Ich würde sagen, es ist 50:50. Mal gewinnen wir eine Map, dann die anderen Teams. Oder einen Tag gewinnen wir alles, den anderen Tag verlieren wir.“
So etwas stimmt optimistisch und macht selbstbewusst. „Wenn ein rumänisches Team beste Trainingsmöglichkeiten sowie ein gutes Sponsoring hätte und dazu internationale Events besuchen könnte, dann glaube ich, dass es den Weg in die Top5 schaffen könnte“ ist sich Stanescu ziemlich sicher. Doch soweit sind er und sein Team noch nicht und so liegt das Hauptaugenmerk erst einmal darauf, endlich das so langersehnte internationale Event zu besuchen, um die Enttäuschung des verpassten DTS-Cups vergessen zu machen. „Die WCG-Qualifikation zu gewinnen und dann einen guten Job in China zu machen, das ist momentan unser größter Wunsch.“ Verdient hätten sie es sich auf jeden Fall, die Mannen von I Got Game.