Um den Mappool für die neue 16. Saison aufzufrischen, entschieden sich die WC3L-Verantwortlichen dazu eine neue Map, namentlich Plunder Isle 2, in ihr Sortiment aufzunehmen. readmore.de wirft einen genauen Blick auf die Veränderungen, die Creeps, und die Bedeutung, welche die Map für die vier Rassen hat.
Beinahe jeder kennt die Map Plunder Isle schon, und hat sie warscheinlich auch schon gespielt. Doch weiss auch jeder, dass sie sehr unbalanced war, und für manche Rasse starke Vorteile bzw. Nachteile bot. Doch die WC3L erkannte das Potential der Karte, und brachte einige kleine, aber die Map auf Profiniveau stark verändernde, Behebungen an.
Die Karte ist in zwei Hälften geteilt, die zwar spiegelverkehrt, aber sonst absolut gleich sind. Acht verschiedene Creeps sind auf der Map zu finden, sowie zwei Goldminen, die eine liegt links, bzw. rechts der Startposition auf den äußeren Inseln. Die andere liegt, von einem kleinen Wald abgegrenzt, und nun mit zwei Zugängen, direkt gegenüber der Startposition.
Gegenüber der Goldmine liegt jeweils ein Goblinshop. In dem Tal zwischen den beiden Läden liegt die neue Taverne. Um die Änderungen zwischen Version 1 und 2 noch einmal auf den Punkt gebracht zu haben: mehr Bäume bei den Startpositionen, ein zweiter Expansionszugang, eine neue Taverne, und natürlich etwas abgeänderte Creeps. Und eben auf diese werden wir nun einen genaueren Blick werfen.
Creeps: nicht wirklich neu, aber doch anders
Da Creeps einer der mit Abstand wichtigsten Punkte in der Warcraft-3-Welt sind, gebührt ihnen ein gesonderter Blick. Insgesamt 18 Creepspots gibt es auf der Karte, im Vergleich zu anderen Zweispielerkarten, etwas mehr als gewöhnlich. Wie eingangs schon erwähnt, teilen sich die 18 Spots in 8 verschiedene Monsteransammlungen auf. Die meisten dürfte jeder Warcraft-3-Fan aus dem ff kennen. Nur ein Creepspot ist etwas ungewöhnlich im Vergleich zu den anderen.
Was die Map auszeichnen dürfte, ist die Tatsache, dass beinahe jeder Spot schon früh im Spiel mit wenigen Einheiten zu nehmen ist. Außerdem gibt es insgesamt acht Stück in denen man Items wie die Claws +6 finden kann. Damit dürfte dem fröhlichen Blademaster „pimpen“ nicht viel im Wege stehen. Vorallem aber, kann man seinen Helden schnell, und leicht, auf Level drei bringen. Bei einem langen Spiel dürften die Creepspots schnell erschöpft sein, was die Kontrahenten dazu zwingen wird, sich mehr mit ihrem Gegner auseinander zu setzen.
Da vorher schon angesprochen, werfen wir einen genaueren Blick auf den ungewöhnlichsten Creepspot der Map. Der Rotdrachenhort, der links und rechts auf Seiten der Taverne liegt. Er dürfte so ziemlich der einzige auf dieser Map sein, der nicht im Earlygame zu erledigen ist, was vorallem dem großen Drachen selbst geschuldet ist. Als Item kann man eines der höchsten Stufe, also Auren etc. finden.
Doch ebenfalls interessant sind die ganzen neuen Monster, die Plunder Isle 2 nun ihr Zuhause nennen. Viel wurde vorallem bei den kleinen Creeps um die Startposition geändert. Überall sind neue Unholde zu sehen, so wurden z.B. die Murlocs direkt neben der Basis durch Gnolle ersetzt. Auch bei den anderen zwei kleinen Tome-Spots, sind sie jeweils ganz geringfügig stärker geworden. Aber obwohl alle drei Monsteransammlungen etwas stärker wurden, haben sie die selbe Funktion wie vorher, also keinen neuen Items, nur ein ganz wenig mehr Erfahrung.
Da anscheinend alle Änderungen zur Stärkung der Creeps beitrugen, überrascht es fast etwas, dass die Wesen vor den Goblinshops abgeschwächt wurden. So verschwindet der große Chaosschaden-Oger und macht einen Rockgolem Platz. Dies dürfte das Creepen des Ladens etwas vereinfachen, und vorallem expandierenden Spielern zu Gute kommen.
Nun stelt sich aber noch die wichtigste aller Fragen: für welche Rassen ist die neue Verison denn überhaupt gut, wer hat Vor- und wer Nachteile. Welche Strategien funktionieren besser als andere, oder garnicht?
Was bedeutet PI 2 für die vier Rassen?
[hu] es gibt bessere, aber vorallem auch viel schlechtere Maps
Die wichtigste Frage für einen Human ist immer „kann ich eine fast Expansion spielen oder nicht“. In dieser Hinsicht dürfte die Frage bei PI2 klar mit, Ja, beantwortet werden. Beide Creepssets, sowohl vor als auch seitlich der Basis, sind schwach und mit Militiaunterstützung kinderleicht zu beseitigen. Auch ist vor allem die zentrale Mine, wenn Haupthaus und Tower einmal stehen, leicht zu verteidigen, da das Gebiet so eng ist, dass der Gegner nicht mal an Peonline oder Haupthaus heran kommt und man binnen Sekunden neue Einheiten aus der eigenen Basis nachziehen kann. Das selbe gilt auch für die Hauptbasis, mit einer soliden Buildorder und einigen Towern, ist auch sie gut zu halten.
Weitere Vorteile bietet die Map, weil sie sehr eng ist, und man so mit Tier-2-Einheiten sehr gut gegen Orc und Nachtelf spielen kann. Vor allem auch, da es wenig starke Creepspots gibt, und der Gegner so nicht viel höher als Level 3 kommen wird, ohne zu kämpfen. Und dank des durch die Expansion gesicherten Shops gibt es auch immer genügend Healscrolls. Außerdem bietet die Taverne etwas mehr Flexibilität in Wahl des zweiten Helden.
Doch die Map bietet auch einige Nachteile für die Menschen. So zum Beispiel, dass es, gerade wenn man eine schnelle Expansion spielt, schwer ist den Helden auf Level 3 zu creepen, da alle Spots um die eigene Basis herum sehr schwach sind, und gegnerische Helden schnell am Ort des Geschehens sind. Das selbe gilt auch für einen späten second Hero, expansionsbedingt, da der Gegner entweder schon fast alle Guten aufgebraucht hat, oder das Übrige einfach zu wenig Erfahrung abwirft. Während das Midgame in jedem Matchup eher unproblematisch sein dürfte, gibt es im Late wieder so einige Schwierigkeiten. Zum einen ist es auf Grund der enge Landschaft schwer mit Tanks zu spielen, zum anderen wird gerade der Vorteil der zentralen Mine zu ihrem Nachteil. Zwar ist sie auf Grund ihrer Umgebung leicht zu verteidigen, bietet aber nicht viel Platz für Tower sollte es gegen Destroyer gehen.
Airunits sind relativ neutral anzusehen auf dieser Map, sie sind weder mit großen Vor- oder Nachteilen besehen. Was Towerruhs angeht, auch wenn es optisch nicht so aussehen mag, kommt ein Militia in dieser Form nicht mal in Sichtweite der Gegnerbasis, das tut dem Towern ansich zwar keinen großen Abbruch, erschwert aber das Nachrücken neuer Einheiten, da der Weg doch recht lang ist.
Um die Matchups also noch einmal zusammen zu fassen:
- Vorteile gegen [orc] Orc
- leichte Vorteile gegen [ne] Nachtelf
- Nachteile gegen [ud] Undead
[orc] definitiv eine schlechte Map für die Grünhäuter
Auf der Habenseite dürfen beim Orc hier vorallem die Tatsachen stehen, dass der Blademaster leicht gute Items sammeln kann, und sich binnen Sekunden von der einen auf die andere Seite der Map bewegen kann. Es ist kinderleicht zu scouten wo der Gegner ist, und was er momentan macht. Ebenfalls dürfte es gut möglich sein, den second Hero schnell auf Level drei zu bekommen. Gerade gegen Undead dürfte diese Map leicht fallen, da man den Deathknight sehr gut unter Kontrolle halten, und viel Druck ausüben kann. Und der Undead kaum in der Lage sein wird die Mapkontrolle zu gewinnen. Eine eigene Expansion ist ebenfalls relativ leicht zu errichten, und dann auch zu halten. Und der Kampf gegen Expansionen ist durch den zweiten Zugang deutlich einfacher geworden.
Leider, oder zum Glück wie wohl viele sagen würden, stehen den wenigen Vorteilen, sehr viele Nachteile gegenüber. Eine Taverne ist fast immer von Nachteil für einen Orc, da sie seinen Gegnern die Wahl von so manchem mühsamen Helden ermöglicht. Zwar bekommt man seine Helden schnell und gut auf Level 3, aber nicht viel weiter. Hohe Helden wird man hier also nur durch den Kampf bekommen. Auch sind Lategame-Items Mangelware. Basetrade oder vorallem der Gebäudelame mit Raidern, ist sehr schwer, da der Gegner schnell wieder in seiner Basis/Expansion ist, und diese auch mit guter BO, und einigen Towern leicht verteidigen kann. In fast allen Kämpfen können die Orcs ihre große Beweglichkeit nicht ausspielen, und kommen nur schwer an Talons oder Sorcs heran.
Dementsprechend:
- Nachteile gegen [hu] Human
- Nachteile gegen [ne] Nachtelf
- starke Vorteile gegen [ud] Undead
[ne] nicht mehr so schlecht wie früher, aber es gibt bessere Maps
PI hatte schon immer den Ruf, eine sehr schlechte Nachtelfen Map zu sein.
Dieser Behauptung steht in der neuen Map vor allem die neue Taverne entgegen, die für keine andere Rasse auch nur ansatzweise so wichtig ist, wie für die Elfen. Dann kann man seine Basis sehr einfach zubauen, und so die schwachen Wisps erst einmal in Sicherheit bringen. Von Vorteil dürften hier auch die schwachen Creeps sein, die man mit den ebenso schwachen Archern leicht creepen und seinen Helden so schnell aufbessern kann. Ebenfalls kann man mit seinem Helden immer leicht den Gegner aufspüren, und etwas stören. Expansionen sind vor allem im späteren Spiel leicht zu errichten, und dann, wie nun schon oft gehört, ebenso leicht zu verteidigen.
Gegen Orc ist man mit Talons absolut im Vorteil, da man zum einen keinen so hohen TC gegen sich hat, und man zum anderen in den vielen engen Stellen sehr gut kämpfen kann. Bei Human als Gegner sollte man vor allem auf eine Warden und den T1-Push setzen. Auch gegen Undead kommt einem die Map zu Gute, da man es selten mit hohen Undeadhelden zu tun bekommen wird. Generell gilt hier wohl, dass die Warden als single Hero sowohl gegen Undead als auch Human sehr passabel ist. Außerdem hat der Nachtelf auf Grund der Beschaffenheit der Map, vor allem mit eigener Expansion, immer Zugang zu genügend Healscrolls. Zwar muss man den Towerrush selbst noch abwehren, aber immerhin ist der Weg der Gegners zur eigenen Basis so lange, dass seine Einheiten immer eine ganze Weile brauchen um nachzurücken, und deshalb sowohl Human- als auch Orc-Towerversuche, gut abgewehrt werden können.
Auf der Kontraseite stehen aber auch so einige Punkte. So ist es kaum möglich eine versteckte oder geheime Expansion zu spielen, da es eine sehr scoutfreundliche Map ist. Creepbedingt hohe Helden und gute Items fallen natürlich auch weg. Vorallem wird das creepen noch erschwert, da viele der wichtigen Spots extrem aggressiv sind, und es beinah unmöglich ist, in ihrer Nähe einen AOW zu bauen. Bären sind sowohl gegen Human als auch Orc eher von Nachteil. Obwohl man nun eine Taverne, und damit einen Panda hat, bleibt es eine sehr starke Gargoyle-Map. Auch vor Ghulrushs sollte man sich in Acht nehmen.
Unter dem Strich steht also:
- leichter Nachteil gegen [hu] Human
- Vorteil gegen [orc] Orc
- Nachteil gegen [ud] Undead
[ud] Eine wirklich gute Undeadmap, mit nur wenigen Schwächen
Wer der bisherigen Ausführungen gefolgt ist, dürfte schon gemerkt haben, dass es sich bei PI2 nicht um die schlechteste Undead-Map handelt. Gegen Nachtelfen ist man auf Grund vieler Faktoren sehr bevorteilt. Gargoyls sind stark, und man kann wunderbar mit ihnen Druck ausüben. Auch sind Ghule effektiv, und man könnte sogar mal wieder die „alles oder nichts“ Tier 1 Angriffe sehen. Wenn man im weiteren Verlauf eine Expansion verhindern kann, ist das Spiel schon fast gewonnen. Gegen Human dürfte es zwar schwer sein, die Expansion zu verhindern, aber gerade wenn der Mensch die seitliche Expansion wählt, ist diese sehr gut zu belagern. Außerdem hat man mit den sehr starken Tier-3-Einheiten, und der dank Taverne nun vorhandener Naga, große Vorteile im späteren Spielverlauf. Selbst eine Expansion ist möglich, wenn man den Gegner, Human/Nachtelf, stark unter Druck setzt. Das Scouten fällt hier sogar ohne Shades leicht, mit hat man demzufolge eine sehr gute Mapkontrolle.
Für gemischte Gefühle sorgen die schwachen Creeps, die es dem Undead, aber eben auch seinen Gegnern, schwer machen hohe Helden zu bekommen. Auch hier ist es natürlich schlecht, dass man kaum hochklassige Items findet. Vorallem gegen Orc hat man hier ein schweres Leben, der BM findet leichte gute Items, man bekommt selbst nur schwer hohe Helden, und wird pausenlos unter Druck gesetzt. Wenn der Orc es richtig macht, schafft man es nicht mal, eine wirklich starke T3-Armee zu bilden.
Die Stärken noch einmal auf den Punkt gebracht:
- Vorteil gegen [hu] Human
- Vorteil gegen [ne] Nachtelf
- starker Nachteil gegen [orc] Orc
Meinung: was bedeutet Plunder Isle 2 für die WC3L?
Da noch nicht ganz klar ist, welche anderen Veränderungen der Mappool der 16. Saison mit sich bringt ist es schwer die Bedeutung der Map in der Gesamtheit zu nennen. Sicherlich ist sie eine gute Alternative für Undeads, um im neuen „Best-of-Two“-System den einen oder anderen Human oder Elfen vor eine schwere Aufgabe zu stellen, gegen Orc ist hier wohl ein klares Veto angebracht.
Alles in allem ist es auf jeden Fall ein sehr guter Schritt der WC3L, neue alte Maps ins Spiel zurück zubringen, da gerade neue Karten einer, wenn nicht sogar der, Weg sind um Warcraft 3 am Leben zu halten. Eigentlich bleibt nur zu hoffen, dass man hier noch nicht Halt macht, sondern noch die ein oder andere neue Spielunterlage für die Profis bietet.