Hoorai sinnt nach Gerechtigkeit, die ESL nach Fairness. Ändern wird sich nichts, ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Schließlich geht es nicht um die 3on3 Funmap-Ladder, sondern um die ESL Pro Series. readmore.de-Redakteur Jan-Hendrik ‚cYph‘ Heuschkel versteht nicht, warum es gerade dort, immer wieder zu diesen Vorfällen kommen kann.
Im Dezember endet die fünfzehnte Saison der ESL Pro Series mit den Finals in Köln. Doch nicht, ohne das es vorher noch einmal zu einem handfesten Skandal kommt. Das Team hoorai fühlt sich vom Ligenbetreiber betrogen und um die Chance gebracht, sich auf den Finals gegen die Teams von Alternate, mousesports und n!faculty zu beweisen und um ein Preisgeld von 10.000€ für den ersten Platz zu kämpfen.
Dabei hat man sich gleich zu Saisonbeginn selbst in eine schwierige Lage gebracht, als man die ersten Spiele verlor, unter anderen gegen das Team Alternative, für dessen Disqualifikation aus der EPS man jetzt kämpft. Denn sollte das Team disqualifiziert werden, würden alle Spiele annulliert und alle vier Finalsteilnehmer würden drei Punkte verlieren; schließlich konnten sie gegen Alternative gewinnen.
Alternative, der 14. der aktuellen Saison, steht also im Mittelpunkt einer Diskussion der besten fünf Teams der Liga. Daran, dass dem Team ausreichend Fehler unterlaufen sind, um aus der aktuellen Saison ausgeschlossen zu werden, besteht offenbar kein Zweifel. Nicht einmal der Tournament Director der EPS, Alexander ‚crtmN‘ Nehr, bestreitet die entsprechenden Anschuldigungen gegen Alternative.
Das offensive Vorgehen von hoorai scheint gerade deswegen verständlich, da sie selbst Opfer einer strengen Regelauslegung – oder besser gesagt Regelinterpretation – wurden, als sie mit einem falschen Config-Befehl gegen TBH 16:1 gewinnen konnten. Die Ligaleitung entschloss sich jedoch dazu, trotz fehlender Regel, das Spiel wiederholen zu lassen. Begründet wird dieser Schritt damit, dass es sich beim falschen net_graph-Befehl um einen Wallhack-ähnlichen Betrug handelt, der nicht einfach nur mit Strafpunkten belegt werden kann.
Traurig stimmt einen dieses Gerangel vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um die höchste deutsche Spielklasse in der vermeintlich professionellsten Liga handelt. Denn offenbar setzt man diese Professionalität hier einseitig voraus. Während die Teams sich keinen Fehler erlauben dürfen (zumindest nicht, wenn die ESL gerade hinschaut), gesteht man sich selbst ein, dass man gar nicht in der Lage ist, die hohen Ansprüche selbst kontrollieren zu können. In der nächsten Saison, der sechzehnten insgesamt, soll es Skripte geben, die einige dieser Verstöße aufdecken können. In dieser war ein einfaches Select auf die Datenbank jedoch nicht möglich. Zum Leid von hoorai die nun nicht auf die Finals fahren und Bouncer4You, die direkt absteigen. Aus Gründen der Fairness.
Am Ende wird es für die aktuelle Situation keine zufriedenstellende Lösung geben. Denn nach 15 Spieltagen stehen vier Finalsteilnehmer fest, die sich auf dem Server bewiesen haben. Hoorai hatte seine Chance, hat in zwei kritischen Momenten jedoch gepatzt, ohne dabei zu wissen, was das am Ende bedeuten könnte. Ein fader Beigeschmack wird bleiben und die Community wird nicht vergessen, was in diesem Jahr passiert ist. Auch wenn die ESL im nächsten Jahr alles besser machen will.