Vor Beginn der Extreme Masters European Championships hatte wohl kaum jemand das dänische Team der Roskilde Ravens auf der Rechnung. Doch die Dänen sicherten sich mit überraschenden Siegen gegen AGAiN, mousesports und SK Gaming Respekt und Anerkennung und können sich nun über den dritten Platz beim ersten großen Events des Jahres 2010 freuen.
Dass den Ravens kaum jemand eine echte Überraschung zugetraut hätte, wird unter anderem durch die Tippquoten der readmore-User deutlich. Lediglich in einem einzigen Match, dem Relegationsspiel gegen oXmoze, traute die Mehrheit den Dänen den Sieg zu. In den meisten anderen Spielen lag die vermutete Erfolgswahrscheinlichkeit ansonsten gar unter zehn Prozent.
Eine derart starke Leistung war allerdings auch nicht unbedingt zu erwarten, hatten die Ravens doch erst kurzfristig ihr Lineup für die Intel Extreme Masters formiert. Erst Mitte Dezember hatte Daniel ‚dalle‘ Kjersgaard das Team verlassen, woraufhin wenige Tage später Michael ‚Friis‘ Jørgensen zurückgeholt wurde, um zunächst ein Relegationsmatch gegen MeetYourMakers zu bestreiten. Hier setzten die Dänen bereits ein erstes Ausrufezeichen, indem sie die favorisierten Schweden glatt mit 2:0 besiegten.
Der nächste Paukenschlag folgte am vergangenen Donnerstag. Im Auftaktspiel konnten die sich die Ravens deutlich mit 19:11 auf de_train gegen die Polen von AGAiN durchsetzen, denen immerhin 99.08% der readmore-User einen Sieg zugetraut hatten. Hier ließen die Dänen durch ihren unerwarteten Erfolg erstmals aufhorchen. Den perfekten Turnierstart sicherte allerdings das anschließende Match gegen das ebenfalls favorisierte Millenium aus Frankreich, das gleichermaßen mit 19:11 gewonnen werden konnte.
Als RR dann noch MeetYourMakers ein Unentschieden auf de_inferno abringen konnte, war spätestens allen bewusst: Mit diesen Dänen ist auf jeden Fall zu rechnen. Das musste auch mousesports noch am Nachmittag des Donnerstag am eigenen Leib erfahren. In einem knappen Match unterlagen die Mäuse dem Überraschungsteam mit 13:17. Die Dänen hatten damit bereits den Einzug in die nächste Runde gebucht. Im letzten Gruppenspiel gegen SK Gaming ließen sie es dann offensichtlich etwas lockerer angehen und gaben das Match auf de_train deutlich mit 6:19 ab, was sie in die Relegation führte.Hier kam es zum Aufeinandertreffen mit dem zweiten französischen Team vor Ort, oXmoze. Wie bereits erwähnt, hatten die Roskilde Ravens hier erstmals den Segen der Community, die ihnen zu über 90% den Sieg zutraute – und sie sollte richtig liegen. In einer spannenden Partie konnte RR mit 2:1 die Oberhand gegen die Franzosen behalten, die bis zu diesem Zeitpunkt mTw.int und Ex-KerchNET hatten bezwingen können. Die Ravens hatten dadurch schon mehr erreicht, als sie sich selbst vielleicht zugetraut hatten. Ein Platz unter den besten Vier war ihnen bereits sicher.
Was folgte war das Halbfinale gegen das derzeit wohl stärkste Team der Welt, fnatic. Die 3.58%, die sich auf die Seite von RR schlagen konnten, mussten schnell einsehen, dass dieser Tipp sich nicht auszahlen würde. Mit 2:16 und 1:16 wurden die Dänen hier vom Server geschossen und damit wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Gegen die absolute Weltspitze war kein Kraut gewachsen und der Traum vom großen Finale musste gegen das Spiel um Platz Drei eingetauscht werden.
Das Überraschungsteam konnte hier schließlich in einem umkämpften Match gegen SK Gaming seine bestechende Form bestätigen und die Rechnung aus der Gruppenphase begleichen. Nachdem die Ravens auf inferno noch denkbar knapp mit 14:16 das Nachsehen hatte, ließen sie SK auf den folgenden zwei Maps, train und nuke, kaum mehr eine Chance. 16:2 und 16:11 lauteten hier die Ergebnisse, mit denen sich die Roskilde Ravens den 2:1 Sieg und damit auch den dritten Platz der IEM European Championships sicherten. Die fünf Dänen können sich nun über insgesamt 5.000 US-Dollar Preisgeld freuen, während sich SK mit der Hälfte begnügen muss.Nach dieser Leistung darf die Community nun hoffen, dass das Lineup auch in Zukunft in dieser Form bestehen bleibt. Friis, der ursprünglich nur als Stand-In eingeplant war, hat sich nach seiner Rückkehr offensichtlich wieder bestens in das Team integriert und auch Baljit ‚zE‘ Lal harmonisiert als letzter Neuzugang wunderbar mit seinen Mitspielern. Mit dem dritten Rang bei den IEM European Finals ist das dänische Überraschungsteam in jedem Fall auf dem besten Wege, die Rolle des Underdogs abzulegen und womöglich auf zukünftigen Events zum Kreise der Favoriten gezählt zu werden. Ein Umstand, den die heimische Fangemeinde auf Grund der Leistungen des schwächelnden mTw.int sicherlich begrüßen würde.

