ESL TV – ein wachsendes Projekt mit Zukunft. Für Virtuosen des elektronischen Sportes zunehmenst die einzige Möglichkeit, die besten Teams der Welt gegeneinander spielen zu sehen. Guido ‚Mr.Jumper‘ Schwering sieht für das Team vom hauseigen eSport Sender der ESL noch Steigerungspotential, den Zuschauern eine bessere Qualität zu liefern und zeigt auf, was bei der Übertragung der IEM EC Finals ärgerlich war.
Als im April letzten Jahres die ESL bekannt gab, dass man für Counter-Strike-Spiele die live per ESL TV übertragen werden, keinen HLTV Server mehr zur Verfügung stellt, war die Stimmung der Community am Boden. Auf der einen Seite war dies ein notwendiger Schritt, doch auf der anderen Seite klafften bei ESL TV noch Lücken, die bis heute nicht geschlossen sind.
Am besten stehen dabei noch die englischen Moderatoren da, die den Deutschen in der Gunst der meisten Zuschauer meilenweit voraus sind. Doch auch diese sind nicht über jeden Zweifel erhaben und sollten sich bis zur CeBIT noch steigern.
Im vergangen Jahr wurde von einem Teil der Community besonders kritisiert, dass der direkte Bezug zum Spiel verloren ginge, da man die visuelle Verfolgung des Spieles an die Kommentatoren von ESL TV abgibt. Diese würden nur geringfügig die Schlüsselszenen eines Matches erfassen und mehr Herumblödeln, als emotionale Gefühle wiederzugeben.
Topspiele – dürftige Übertragung
Viele waren damit nicht einverstanden. Schließlich wurde mit dem Wegfallen von HLTV ein Teil der Freiheit geraubt und ein Monopol wurde aufgezwungen, dass nicht unbedingt das Beste versprach.
Die ESL arbeitet seit dem nunmehr daraufhin, sich seriöser und ernsthafter zu präsentieren. Der eingeschlagene Kurs kann nur Gutes verheißen, doch blieb die Crew von ESL TV auf den Intel Extreme Masters European Finals, die am vergangen Wochenende stattfanden, weiterhin unter ihren Möglichkeiten. Die Kritik torpediert hierbei nicht den straffen Zeitplan der ESL, der ironischer Weise nicht eingehalten wurde, sondern rüffelt vielmehr die Übertragung der Counter-Strike-Partien an sich.Neben Moderator Joe ‚Joe‘ Miller, der von seiner Art her überragend ist, postierte sich jeweils ein bekannter eSportler aus der Szene, der als Co-Moderator fungierte. Die Idee hierbei ist brilliant. Doch anstatt auf die Tiefen des Spiels einzugehen, wurde teilweise über absolut irreleveante Themen schwadroniert, die den Zuschauer in keinster Weise vom Hocker rissen.
Dabei hätte man doch mit dem taktischen Leader vom schwedischen Team „fnatic“, Patrik ‚cArn‘ Sättermon, über interessante Taktikaspekte reden können, anstatt nur das Gesehene zu kommentieren. Beispiel hierbei: „Kapio wirft eine Flash und geht um die Ecke“. Zwar brachte cArn viele wichtige Aspekte klar auf den Tisch, den gesamten Überblick über die Vorgehensweise der Spieler, vermittelte aber auch er nicht.
Weitaus wichtiger und vor allem interessanter wäre gewesen, die taktischen Geschicke der einzelnen Teams besser verfolgen zu können. Nur selten hat man solch nervenaufreibende Spiele gesehen, die die Teams am Limit ihrer Möglichkeiten agieren ließen. Doch verwehrte uns ESL TV diesen taktischen Einblick.
Man verliert die Übersicht
Anstatt eine Overview der Map unten rechts einzublenden, wurden die Spieler gezeigt, wie sie vor ihren Computern sitzen und unisono in eine Richtung starrten – wer möchte das bitte sehen? Der Job der Kommentatoren hierbei wäre gewesen, dem Zuschauer vor Augen zu führen, wie die beiden Teams positioniert sind und was für eine Taktik sie eventuell planen. Dadurch hätte man das Spiel besser miterleben können und hätte nicht einfach irgendwo irgendwelche Frags gesehen.Als Zuschauer eines Spieles, egal welcher „Sportart“, bevorzugt man einen Platz, von dem aus man einen guten Überblick über das Spiel hat. Wechselt nun Joe Miller im Spectator Mode ausschließlich von Spieler zu Spieler hin und her, verliert man diesen gewünschten Überblick völlig. Ist dieser nicht gegeben, verliert das Spiel seinen Reiz und man ersehnt sich den HLTV zurück.
Auf dem HLTV hat man das Geschehen wieder selbst in der Hand, zumindest wenn es um das Zuschauen geht. Doch fehlt einem die Moderation mit fachlichem Hintergrundwissen und teilweise informativen Interviews. Würde hier die ESL den Schulterschluss zwischen guter Kommentation und Präsentation wagen, würde man auch nicht die ESL TV Premium Nutzer brüskieren, die für diese Dienste zahlen beziehungsweise würde ihnen ein besseres Erlebnis bieten.

