Gestern bahnte es sich an und heute ist es Wirklichkeit geworden: Andrew „fnatic.gellehsak“ Ryder steht im Finale des neunten World Tour Stops. In einem unglaublichen Spiel und zwei Overtimes bezwang er seinen Teamkameraden Vo0 mit 2:1 nach Maps. Zuvor konnte gellehsak bereits Fatal1ty ins Lower Bracket schicken, wo dieser gegen Vo0 mit 1:2 den Kürzeren zog.
Dieser World Tour Stop steht ganz unter dem Zeichen des erfolgreichsten Painkiller-Teams der Welt. Diesmal ist jedoch nicht Vo0 derjenige, auf dem alle Blicke ruhen, sondern seine Trainings- und Teampartner gellehsak und Ztrider. Während Vo0 sich erst im Upper Bracket gegen Ztrider und dann gegen gellehsak im Consolation Finale geschlagen geben musste, setzte sich der Kanadier in zwei hochspannenden Spielen gegen Starspieler Fatal1ty und eben Vo0 durch. Besonders gegen Vo0 zeigte er ein erstaunliches Timing, was das Ergattern der Gold Armor anging. Durch diverse Stakekills konnte der Kanadier seinem Freund immer wieder die Show stehlen. Auf der dritten und entscheidenden Map lag gellehsak noch 15 Sekunden vor Ende mit 13:10 vorne, als Vo0 in einem atemberaubendem Finish das 13:13 und somit die Overtime erzwang. Hier gelang es gellehsak erneut, sich die wichtige Gold Armor und das Megahealth zu holen.
Dementsprechend setzte er hart nach und erarbeitete sich einen Drei-Punkte-Vorsprung, den Vo0 nicht mehr einholen konnte. Insgesamt muss man sagen, dass der Niederländer oft etwas unglücklich agierte. Während seine eher defensive Spielweise gegen Fatal1ty noch erfolgreich war, verpasste er dadurch gegen gellehsak oft den entscheidenden Vorteil. So gelang es keinem der Spieler, einen Run hinzulegen, wie er auf den kleinen Painkillermaps wie Sacred durchaus üblich ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der überragende Mann des Turniers, Ztrider. Ausgerüstet mir Armor und Megahealth gab es für seine Gegner kaum eine Möglichkeit, ihn zu erwischen. Ztrider spielte seinen Vorteil genial aus und ließ im Verlauf des Turniers niemandem auch nur den Hauch einer Chance – seine Statistik spricht Bände (8:0 Maps, 272:77 Frags).
Gellehsak bestätigte dies in einem Interview nach seinem Einzug ins Finale: Für ihn sei Ztrider der absolute Favorit, da dieser ein unglaubliches Turnier spiele. Aber erinnern wir uns an den zweiten World Tour Stop in Spanien, wo SK|SteLam überraschend Vo0 bezwingen konnte und sich die 15.000$ sicherte. Vielleicht wiederholt gellehsak diesen Überraschungscoup und setzt seinem bisher besten Turnier die Krone auf. Angesichts der makellosen Leistung des Schweden Ztrider ist das dennoch unwahrscheinlich.
Wo auf der einen Seite ein Amerikaner seinen besten Stop feiert, steht ein anderer mit (für seine Verhältnisse) leeren Händen und seinem schlechtesten Tour Stop da. Fatal1ty beendet dieses Event lediglich auf Platz #5 und darf sich „nur“ über „bescheidene“ 3.500$ freuen. Ob und inwiefern Quake IV mit dem leichten Leistungsrückgang des Trainingsweltmeisters zu tun hat, bleibt offen. Fakt ist aber: Jeder, der Fatal1ty kennt, weiß, dass er sich auf die Finals optimal vorbereiten wird. Sicherlich wird es wieder eines seiner berühmten Bootcamps geben, bei denen er die crème de la crème des eSport in sein Zuhause einlädt – Pool-Party inklusive.
Angesichts dieser Tatsache, sollte Fatal1ty als Favorit Nummer #1 nach New York fliegen, um sich die 150.000$ sichern zu können. Dennoch verspricht das Finale der Tour wohl auch spielerisch der absolute Höhepunkt zu werden, denn mit Vo0, Ztrider, Fatal1ty, Stermy, zyz, gellehsak und vielleicht sogar Zaccubus stehen gleich sieben Spieler so eng beieinander, dass jeder jeden schlagen kann, wobei zyz und Stermy bis dahin noch die ein oder andere Sonderschicht an Training einlegen sollten. Besonders Stermy verfehlte den angepeilten und schon oft erreichten dritten Platz bei Weitem und verlor erneut gegen den souverän spielenden zyz. Der Deutsche verlor mit etwas Pech gegen gellehsak mit 1:2 im Lower Bracket Finale, kann sich aber dennoch über einen sehr guten vierten Platz freuen.
Alles in Allem ist es ein ausgesprochen spannendes Event, das keine Wünsche offen lässt. Für das Finale morgen um 16:00 Uhr sollte man sich auf jeden Fall Zeit nehmen und den TSN Stream einschalten, denn es verspricht ein ganz heißes Match zu werden.