Nach der überzeugenden Performance im Spiel gegen n!faculty und vor dem Finale gegen Dauerrivalen vom Team ALTERNATE schnappten wir uns Navid ‚Kapio‘ Javadi und befragten ihn zu den Finals, der Vorbereitung und den bevorstehenden Events. Für die heutige Partie ist er optimistisch, aber gibt zu bedenken, dass man Alternate nie unterschätzen darf.
readmore.de: Hallo Kapio. Reden wir erstmal noch über das Spiel von gestern. Wie lief das Spiel aus deiner Sicht? Kann man sagen ihr seid wie ein Zug über n!faculty gerollt?
Kapio: Ach ich würde es gar nicht so extrem ausdrücken, aber ich finde dennoch, dass unser Spiel von gestern schon recht souverän war. Auf inferno, der ersten Map, haben wir beide Pistols verloren und am Ende dennoch 16:10 gewinnnen können und auf nuke haben wir beide Pistols geholt, aber ich habe die erste Waffenrunde dann verkackt, wodurch wir noch zusätzlich eine Runde abgegeben haben. Am Ende denke ich geht das Ergebnis so in Ordnung, aber ich denke es war dann doch etwas deutlicher, als die Ergebnisse es widerspiegeln. Insgesamt bin ich ziemlich zufrieden mit unserem Spiel.readmore.de: Und wie hattet ihr n!faculty im Vorfeld eingeschätzt? Besser oder schlechter als sie dann tatsächlich waren oder hattet ihr euch darüber keine Gedanken gemacht?
Kapio: Ich muss sagen, dass ich mir bewusst zu faculty im Vorfeld keine Demos angeschaut habe, da ich mit einigen neuen Moves gerechnet habe. Chrizzo ist halt so ein Ansager, der denkt, sein Team könnte spielerisch nicht mit uns mithalten und deshalb müssten sie taktisch immer wieder was neues spielen und viel riskieren. Ich denke auch, das ist der richtige Weg, um uns zu schlagen und deshalb hab ich mich nicht so auf Demos konzentriert sondern habe probiert, mein eigenes Spiel durchzuziehen.
Außerdem haben wir viele neue Taktiken und Moves, die wir einfach anders timen als früher und daher war es für faculty schwieriger uns irgendwie einzuschätzen. Ich denke auch man hat gesehen, dass sie spielerisch ein paar Fehler gemacht haben, indem sie sich zum Beispiel als CT auf inferno zu sehr auf den B-Spot konzentriert haben und uns unter anderem dadurch sehr gut ins Spiel haben kommen lassen, da sie am A-Spot nicht so viel Kontrolle hatten. Sie haben uns da schon ein bisschen in die Karten gespielt muss ich ehrlich sagen.
readmore.de: Du sagtest gerade, dass du Chrizzo so einschätzt, dass er sein Team
skillmäßig als unterlegen ansieht und sie deshalb taktische Finessen und Tricks auspacken müssen, um gegen euch Runden zu holen. Würdest du denn zustimmen und dein Team als skilltechnisch stärker einschätzen was den Einzelskill angeht?
Kapio: Also ich denke wir sind nicht umsonst bei mousesports, dort spielen einfach in der Regel die besten Spieler Deutschlands bzw. ist dies immer das Ziel von mousesports. Ich würde behaupten wollen, das trifft im Augenblick, wenn wir alle einen guten Tag haben, auch zu. Ich bin auch der Meinung, dass ist nicht falsch von Chrizzo, so zu denken, da ich es für eine realistische Einschätzung halte. National kann uns derzeit kein Team, es sei denn, es hat einen perfekten Tag, wirklich wegschießen. Die Teams müssen, um gegen uns bestehen zu können, spielerisch mindestens auf der gleichen Stufe sein und uns halt überraschen und in die Enge drücken, um dann gut treffen zu können. Denn wenn du ein Team verunsicherst und nicht ins Spiel kommen lässt, dann machst du auch die Frags und das sollte das Ziel sein gegen mousesports. In dieser Hinsicht hat Chrizzo, wie schon gesagt, meiner Meinung nach den richtigen Ansatz gewählt, aber da wir so viele neue Taktiken hierher mitgebracht haben war es einfach nicht so einfach für sie.
readmore.de: Habt ihr diese neuen Taktiken nur im Hinblick auf die Finals entwickelt und auf die hier vertretenen deutschen Teams zugeschnitten oder wurden diese auch in Hinblick auf bevorstehende internationale Events von euch ausgedacht?Kapio: Also das sind eigentlich alles Sachen, die wir auch auf den nächsten Events so oder so ähnlich verwenden wollen und werden. Da wir jetzt einen anstrengenden Sommer mit vielen Events und langen Reisen wie in die USA vor uns haben, haben wir diese Sachen auch in Hinblick auf diese Events mit entwickelt. Wir hatten vor allem auf nuke und dust2 viele Schwächen und haben auf den letzten Events viele wichtige Spiele auf diesen Maps verloren, teilweise auch sehr deutlich wie bei den KODE5 Germany Regional Finals gegen OSLF.dk oder beim Arbalet Cup gegen mTw.dk auf nuke. So haben wir uns dazu entschieden, an unseren Schwächen auf diesen Maps zu arbeiten und auf unseren starken Maps unberechenbarer zu werden.
Insgesamt haben wir aber auch schon die EPS Finals im Blick gehabt, denn wir nehmen diese Finals sehr ernst. Schon gestern habe ich in einem Interview gesagt, dass ich diese Finals hier extrem ernst nehme und auch glaube, dass es gut möglich ist, dass das Finale über die volle Distanz von drei Maps gehen kann. Ich glaube Attax wird sehr gut auf uns vorbereitet sein und ich denke es war jetzt nicht zu viel, was wir an Vorbereitung in diese Finals gesteckt haben.
readmore.de: Ihr hattet ja gestern den Vorteil, dass ihr euch abends das Spiel eures heutigen Kontrahenten Team Alternate bereits anschauen konntet. Ich glaube auch alle von deinem Team, mit Ausnahme von dir, im Publikum gesehen zu haben. Alternate hingegen war bei euerm Spiel am Vormittag nicht vor Ort. Denkst du es ist ein Vorteil für euch, an diesem Wochenende schon mal gesehen zu haben, wie euer Gegner auf den verschiedenen Maps auftritt?
Kapio: Also erst mal: ich habe das Spiel zuhause geschaut. Ich bin auch der Meinung, dass es ein Vorteil für uns ist, da wir schon schauen konnten, in welche Richtung ihr Spiel auf den verschiedenen Maps geht oder welche Spots sie versteckt decken, das hat man zum Beispiel auch auf nuke gesehen bei Alternate. Allerdings war das jetzt nur ein Spiel gegen TBH und sie wussten, wie TBH spielt und kannten deren Vorlieben. Gegen uns denke ich wird es da schon ein paar andere taktischen Ausrichtungen geben in ihrem Spiel. Also na klar war das insgesamt für uns gut zu sehen, aber ich muss auch dazu sagen, dass seraph uns gestern nach unserem Sieg angerufen und gratuliert hat. Sie haben unser Spiel also auch geschaut und sind erst gegen 17 Uhr nach Köln losgefahren und hatten somit genug Zeit, unser Spiel zu schauen und zu analysieren. Am Ende wird sich das also nicht viel nehmen. Außerdem muss ich sagen, dass wir international schon ein bisschen mehr gespielt haben in letzter Zeit und damit sind wir das in Deutschland am meisten beobachtete und studierte Team.
readmore.de: Das heißt ihr habt gestern auch keine Taktiken mehr auf Grundlage des Spiels, was ihr verfolgt habt, entwickelt?
Kapio: Also der gob wird sich da schon seine Gedanken gemacht haben, aber jeder Spieler sollte schon vor jedem Spiel gegen Attax wissen, was die Stärken und Schwächen des Teams sind und dann nur nochmal die Feinheiten durchgehen. Eine große Taktikbesprechung gab es dann gestern oder heute also nicht. Ich denke wir werden dann kurz vorher nochmal die wichtigsten Sachen durchgehen. Auf jeden Fall werden wir nicht spezielle Anti-Taktiken gegen sie spielen, da wir in der Vergangenheit gemerkt haben, dass das meist böse nach hinten losgeht, wenn man NUR Anti gegen die Teams spielt.
Im Gegensatz dazu haben wir gute Erfahrungen gemacht, wenn wir unser eigenes Spiel durchziehen und dem Gegner aufzwingen können. Ein gutes Beispiel dafür sind die letzten KODE5 Global Finals. Dort haben wir gegen SK Gaming versucht nur Anti zu spielen und es hat halt überhaupt nicht geklappt. Als wir dann später nochmal auf sie getroffen sind im Turnier, und sie auf inferno plötzlich schlagen konnten, obwohl wir einen Tag vorher absolut unterlegen waren. Ein bisschen Anti ist zwar gut, aber wenn man sich nur darauf verlässt wird man keinen Erfolg haben.
readmore.de: Du bist also optimistisch, dass ihr einen deutlichen Sieg heute im Finale holen werdet?
Kapio: Ob es wirklich deutlich wird weiß ich nicht, aber ich denke, dass es auf jeden Fall an Details liegen wird. Generell ist es so, dass es oft nur Details sind, die darüber entscheiden, ob es ein 16:5 oder 16:14 wird. Da geht es teilweise nur darum, dass ein Team ein oder zwei Waffenrunden holt und das Selbstvertrauen stimmt und schon können diese ein oder zwei Runden für den weiteren Verlauf des Spiels entscheidend sein. Natürlich wollen wir gewinnen und ich bin auch optimistisch, allerdings wird das auf keinen Fall ein Selbstläufer!
readmore.de: Was denkst du welche Maps gespielt werden?
Kapio: Also wir werden train rausvoten und ich denke mal Attax wird dust2 rauswählen.
readmore.de: Wie sah eure Vorbereitung auf die Finals insgesamt eigentlich aus? Hattet ihr die Möglichkeit, nochmal ein Bootcamp zu absolvieren oder habt ihr euch nur online vorbereitet?Kapio: Also ein Bootcamp war geplant am vergangenen Wochenende. Leider konnten wir das auf Grund von terminlichen Schwierigkeiten und persönlichen Verpflichtungen nicht realisieren aber wir werden vor dem ESWC noch ein Bootcamp einlegen. Für die Finals betrug unsere PCW-Vorbereitungszeit ca. 45 Stunden. Zusätzlich haben die Spieler aber in ihrer Freizeit noch viel gespielt. Ich würde behaupten das sind die am besten vorbereiteten Finals seitdem ich für mousesports spiele!
readmore.de: Es wird auch gemunkelt, dass so kleine Wettkämpfe laufen, welche Spieler von den verschiedenen Teams am meisten spielen oder sogar die 100 Stunden Marke knacken. Wie kommt es, dass ihr so viel spielt im Vorfeld, immerhin habt ihr eine perfekte Saison gespielt und könntet auch mit der Einstellung „hier schießen wir alles weg“ nach Köln kommen und deshalb wenig im Vorfeld trainieren.
Kapio: Also wir haben ja schon mal vor einigen Seasons eine perfekte Saison
gespielt, sind dann auf die Finals gekommen und haben verloren. Mit Ocrana ist mir das auch bereits passiert und ich bin nach einer ungeschlagenen Saison auf den Finals nur Vierter geworden. So gesehen habe ich nur schlechte Erfahrungen mit ungeschlagenen Seasons gemacht. Ich denke, das spielt in meinem Kopf auch eine gewisse Rolle und ich sage mir selbst, dass man die Spiele unter der Saison nicht überbewerten sollte. Man muss auch mal sehen, dass wir unter der Saison nur 3 oder 4 schwere Matches haben, alle anderen müssen wir einfach gewinnen. Es spielt am Ende einfach keine Rolle wie gut man in der Saison war, wenn man die Leistung nicht auf den Finals abrufen kann, das hat die Vergangenheit gezeigt. Um mal eine Phrase zu bringen: auf den Finals werden die Karten neu gemischt.
readmore.de: Du hattest teilweise schon angesprochen, welche Events ihr in naher Zukunft noch so mitnehmen werdet. Kannst du nochmal kurz zusammenfassen, was so in der zweiten Jahreshälfte auf dich und dein Team zukommen wird?
Kapio: Was wir auf jeden Fall spielen werden ist Arbalet USA. Davor kommt aber als nächstes erstmal der ESWC, danach die WCG Qualifikation und die GameGune. Dann folgt wie bereits gesagt Arbalet USA. Irgendwann dann vor der nächsten EPS Season müsste auch noch der Extreme Masters Stop in Shanghai sein. Insgesamt haben wir also einen ziemlich straffen Zeitplan und werden in den nächsten paar Monaten nur zwei oder drei Wochen haben, in denen wir nicht spielen werden. Vor dem ESWC werden wir auch ein Bootcamp machen und auch zwischen den Events, wenn wir dann mal unsere Taktiken ein wenig werden ändern und anpassen müssen. Wir freuen uns auf jeden Fall auf die Zeit und wollen auch mindestens eines der großen Turniere gewinnen. Ich persönlich bin da sehr optimistisch und würde mich freuen, in einem Finale gegen Na’Vi oder fnatic gewinnen zu können.
readmore.de: Ist es denn schwer, solch einen straffen Zeitplan und die ganzen Trainings bei gutem Wetter und dem bevorstehenden Sommer durchzuziehen oder ist man mittlerweile so professionell, dass man da spielt, auch wenn man nicht unbedingt die größte Lust hat, da es einfach um viel geht?
Kapio: Also im Fußball ist es ja so: da gibt es alle vier Jahre eine WM auf die man sich richtig freut und der man entgegenfiebert. Bei CS gibt einfach nicht mehr so viele mittelgroße 50K Events und deshalb ist es schwierig, die Motivation hoch zu halten. Aber wir werden alles dafür geben. Eigentlich wollte Fatih dieses Jahr auch einen Monat mal Urlaub machen, in welchem wir alle Events ohne ihn spielen sollten. Er hat sich schlussendlich aber für das Team entschieden und das rechne ich ihm sehr hoch an und daher bin ich höchst motiviert, diese stressige Phase anzugehen und das auch erfolgreich. Bei Fatih denke ich auch, dass es ihm da so ähnlich geht und bei romsk mache ich mir da sowieso keine Gedanken. Die anderen beiden sind halt immer solche Fälle wo ich denke, dass die das ein oder andere Event nicht mit der größten Lust spielen werden aber es reicht ja schon aus, wenn drei Leute da sind, die die anderen dann mitziehen und den Teamspirit hoch halten.
readmore.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg im Finale sowie bei den bevorstehenden Turnieren.
Kapio: Dankeschön.


