Während sich Deutschland in Südafrika immer weiter Richtung Sommermärchen 2010 „müllert“, wollte es auf europäischen Counter-Strike-Servern nicht so richtig klappen: Deutschland schied sang- und klanglos im ASUS ENC 2010 in der Vorrunde aus. Warum das Abschneiden aus Sicht eines Zuschauers so frustrierend ist, weshalb unmotivierte Spieler nerven und was sich in Zukunft im Team ändern muss: Eine Meinung von Nils ‚hellphyte‘ Johannsen.
Der ASUS ENC hätte dieses Jahr so schön sein können: Die ESL hat das Turnier erfolgreich reformiert, kutschiert die Teams auf mehreren Offline-Events durch ganz Europa. Dazu hat sich mit ASUS offensichtlich ein verlässlicher und großzügiger Sponsor gefunden, der es unter anderem readmore.de ermöglichte, eine eigene Unterseite für das Turnier anzulegen. Um die Verbindung zur Community endgültig perfekt zu machen, hängte sich Teammanager siGGe auch noch richtig rein. Doch im Endeffekt haperte es einmal mehr an der Stelle, auf der alle oben genannten keinen Einfluss hatten: An den deutschen Spielern selbst. Klanglos schieden sie in der Vorrunde aus.
Schnell wurden Stimmen laut, dass der Communityvote zur Auswahl der Spieler ein Grund für das schwache Abschneiden sein könnte, schließlich wäre so ein nicht zusammenpassender Spielerhaufen entstanden. Doch den Vote und auch seinen Inszenator siGGe trifft dabei wohl am wenigsten eine Schuld. Immerhin leben Turniere mit Nationalmannschaften in jeder Sportart von der Identifikation und wenn ein nicht funktionierendes Team gewählt worden wäre, hätten das Management und Spieler selbst immer noch eingreifen können. Schließlich war das Abstimmungsergebnis nicht verbindlich.Dann macht es zumindest für das Geld…
Dazu lag es ganz offensichtlich nicht am Kollektiv sondern am menschlichen Versagen einzelner Personen, die auf angesetzte Trainingseinheiten und damit auch auf ihr Team und eine ganze Fanbase pfiffen. Dann macht es auch keinen Unterschied, auf welche Art und Weise diese unmotivierten Spieler ihren Weg ins Team gefunden haben.
Doch der Ansatz auf Motivationsbomben statt auf „die Besten“ zu setzen, kann eigentlich keine Lösung sein. Spieler wie NiNja und ChRRRRp sind sicherlich keine schlechten und für ihr spontanes Einspringen sollten wir dankbar sein, aber im Endeffekt sollte für Deutschland der Titel oder zumindest eine Topplatzierung das Ziel sein und dafür kann es keine andere Wahl geben als die absoluten Elitespieler des Landes in das Team zu holen. Wenn diese, aus welchen Gründen auch immer, absolut keine Lust haben ihr Land zu präsentieren, dann sollen sie sich zumindest mit dem üppigen Preisgeld motivieren – davon gibt es dieses Jahr immerhin wieder reichlich.
Auch eSport ist ein Nehmen und Geben
Schließlich ist es der (Neben-)Job der Spieler und auch wenn es keinen direkten Vorgesetzten gibt, der ihnen bei Arbeitsverweigerung auf die Finger klopft, so ist in gewisser Weise auch das Publikum der Arbeitgeber indem sie mit ihrer Aufmerksamkeit dafür sorgen, dass die ganze Veranstaltung für die Sponsoren und ihre Geldbeutel attraktiv genug bleibt. Mir persönlich wäre es peinlich auf den EPS Finals oder sonstwo Schecks mit tausenden Euros Preisgeld ins Publikum und in die zahlreichen Kameras zu strecken und wenigen Wochen später peinlich zu versagen, weil ich „null Bock“ hatte mit ein paar Stunden Zeitaufwand für einen verdammt guten Stundenlohn (im Falle einer vernünftigen Platzierung) etwas zurückzugeben.
Wenn ein Team wie mousesports keine Spieler stellen kann, weil ein Bootcamp ansteht, dann ist das in Ordnung und entschuldbar. Aber am letzten Spieltag, den dieser Ausnahmefall betraf, war die Gruppenphase sowieso schon so gut wie verloren. Eher war das endgültige Ausscheiden der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, nachdem es schon jahrelang vollgelaufen war. Und dass es wohl nicht am äußeren Umfeld liegt, haben wir ja schon festgestellt.
Welcher Kapitän will das Schiff lenken?
Teams wie Schweden, die Ukraine oder Russland gehen hier einen entschlosseneren Weg. Mit Spielern wie cArn, B1ad3 oder hooch haben sie echte Siegertypen als Kapitäne, die sich ihr Nationalteam bewusst und zielstrebig aufbauen. Bei denen würde sich wohl kaum jemand trauen, aus der Reihe zu tanzen und den Erfolg des Teams und der gesamten CS-Nation zu gefährden. Da es anscheinend anders nicht geht, muss vielleicht auch Deutschland über diese Variante nachdenken.Wo also ist unser „Capitano“? Zielstrebig, selbstbewusst, dominant und heiß darauf, den Pokal in schwarz-rot-gold zu hüllen? Dieses Jahr war er offenbar nicht im Team – oder zumindest nicht dort, wo man ihn erwartet hätte: an vorderster Front, am Kommandostand. Ein echter Leader eben, der alle im Team mitzieht und wieder Bock auf Deutschland macht. Ich glaube, die Community hätte schon einen Favoriten…
Denn wir alle lesen und schreiben auch lieber eine deutsche ASUS ENC-Erfolgsgeschichte als eine frustrierte Niederlagen-Meinung.

