Der zweite Tag des ESWC 2010 beginnt, Zeit ein erstes Fazit zu ziehen. Skeptisch blickte mancher der Fortsetzung der Marke ESWC entgegen und nach dem ersten Tag lässt sich bereits sagen, dass die Organisatoren ordentlich zulegen müssen, um dem Event zu altem Glanz zu verhelfen. Eine Meinung von Christian ‚Chucky‘ Exner.
Ein merkwürdiger Tag war das. Auf der einen Seite diese Professionalität im Umgang mit den Spielern und Journalisten, diese verliert allerdings beim Blick hinter die Kulissen schnell an Glanz. Viel zu schlecht funktioniert die Öffentlichkeitsarbeit, als dass sie für ein Event wie den ESWC angemessen wäre. Der Informationsfluss vor Beginn des Events scheint sich allen Hoffnungen zum Trotz nicht zu bessern. So musste die Presse selbst am ersten Eventtag ohne jede Form von Zeitplan auskommen und schon das Finden der Location war eine echte Herausforderung. Wenn selbst die Rezeption des Hotels, in dem die Player Area des ESWC auf mehreren 100m² untergebracht ist, nicht weiß, wohin sie die von anderer Stelle sowieso schon fehlgeleiteten Besucher schicken soll, dann zeigt das schon ziemlich deutlich die Defizite auf. Auch die Turniere laufen nicht so, wie man es als Spieler erwarten würde. Als ob vorher nicht schon klar gewesen wäre, dass eine gemeinsame Internetleitung für die Quaker und die Presse nicht funktionieren kann, rannte man mit Anlauf ins Unglück. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach der ersten Runde der Gruppenphase werden die Leitungen getrennt, die bisherigen Matches wiederholt. Schade nur, dass k1llsen zuvor noch 2:0 gegen noctis gewann und sich im Rematch mit einem knappen 1:2 geschlagen geben musste – das Aus für den Deutschen in der Gruppenphase.
Merkwürdig ist es auch, dass selbst einen Tag vor Start des Turnieres in CS 1.6 Female am heutigen Donnerstag die Reihenfolge der Begegnungen in den einzelnen Gruppen nicht feststand und diese gar von externer Stelle vorgeschlagen wurde. Die Administratoren haben auch in den vier Wänden der Player Area keinen Überblick. So werden in unregelmäßigen Abständen alle Teilnehmer, die nicht gerade ein Spiel bestreiten müssen, aus der Player Area verbannt.
Da ist es egal, ob man gerade als Mitglied der Presse ein interessantes Match eines Landsmanns verfolgt, über das man im Nachgang berichten möchte, oder als Spieler seinen Bekannten zuschauen möchte. Weil die Admins es nicht schaffen, für einen geordneten Zu- und Abgang der Spieler und Pressemitglieder zu sorgen, müssen alle Gäste gemeinsam in den sauren Apfel beißen und die Player Area für mindestens 15 Minuten komplett verlassen.Aber es ist nicht alles schlecht, was die ESWC-Organisatoren da auf die Beine gestellt haben. So trifft man durchaus auch sehr hilfsbereite und zuvorkommende Staffmitglieder an, die kurz vor dem geplanten (pünktlichen!) Ende des Tages durch den Presseraum gehen und fragen, ob ein pünktliches Verlassen möglich sei oder mehr Zeit benötigt wird. Dass nicht alle ESWC-Offiziellen die im internationalen Raum doch recht weit verbreitete Sprache Englisch beherrschen, ist dabei zwar mitunter nicht förderlich, aber zumindest bemüht man sich. Der Presseraum wurde schnell mit weiteren Tischen aufgestockt, als absehbar war, dass der Platz nicht ausreichen würde, auch für kühle Getränke ist gesorgt. Dies reicht allerdings nicht, um die Ansprüche an ein Event dieser Größe zu befriedigen.
Bei den Spielern allerdings scheint dieses Event nicht allzu schlecht anzukommen. So sind die meisten der Meinung, hier ein gut organisiertes Turnier auf internationaler Bühne zu spielen. Immerhin in dieser Hinsicht schafft es der ESWC, einen guten Job zu machen: Die Spieler bekommen von den Problemen kaum etwas mit. So geht es leider auch vielen Zuschauern, die diese wirklich großartigen Begegnungen gerne mit verfolgen würden. Dies ist nach kurzen Anlaufschwierigkeiten in CS 1.6 immerhin geglückt, die Spiele werden per HLTV gestreamt und somit auch überhaupt erst eine Übertragung von GameSports für den deutschsprachigen Raum möglich. Später kamen dann auch Waaagh!TV-Matches hinzu, die Replays der Begegnungen wird es allerdings wohl nicht geben.Zu viele Fehler passierten am Auftakttag und bereits zuvor. Natürlich muss man hier ebenfalls bedenken, dass der ESWC nach dem Investment quasi einen Neuanfang wagte. Dass man sich allerdings keine Hilfe holt, bleibt unverständlich. Es ist nur zu hoffen, dass auch der ESWC die Probleme sieht und sie angeht. Der Weg zu alter Stärke ist noch lang…

