Heute Abend kehrt die ESL Pro Series zurück und startet in die siebzehnte Auflage. Seit Beginn der Liga ist auch Counter-Strike 1.6 mit dabei, doch nun bekommt es zum ersten Mal ernsthafte Konkurrenz. Welchen Stellenwert wird das eSport-Urgestein in dieser Saison noch einnehmen können?
Bereits am vergangenden Freitag konnten sich die ersten beiden Teams auf dem Intel Friday Night Game auf der gamescom unter Beweis stellen und dabei als einzige Counter-Strike-Attraktion die Fahne für ihr Spiel hochhalten. Denn der große und gut besuchte Intel-/ESL-Stand in Halle 9 kam ansonsten ganz ohne den Team-Shooter aus, der im Frühjahr sein zehnjähriges Bestehen feierte.Und selbst als eingefleischter Counter-Strike-Fan konnte man sich dort dem Eindruck nicht entziehen: So langsam geht es auch ohne.
Die Erkenntnis, dass inzwischen auch andere Spiele für Stimmung sorgen können, ist nicht ganz neu. Bereits im vergangenen Jahr liefen zumindest vereinzelte CS:Source-Partien auf der gamescom den Counter-Strike 1.6-Spielen den Rang ab. Dieses Jahr war Counter-Strike eigentlich kaum zugegen, doch die Stimmung in der ESL-Intel-Arena war so gut wie nie zuvor.
Counter-Strike 1.6 droht seinen Titel als Steckenpferd zu verlieren. Quake Live und nicht zuletzt StarCraft 2 drängen an die Spitze und wollen sich die Krone für den wichtigsten und interessantesten eSport-Titel sichern. Dabei haben sie nicht nur die Vorteile der Jugend, das allgemeine mediale Interesse und einen starken Publisher hinter sich, sondern bringen weitere wichtige Vorteile mit.
So wurden beide Titel von Anfang an auf eSport getrimmt. Bereits in der Konzeptphase der Spiele haben die Entwickler sich Gedanken dazu gemacht, wie man die Spiele auf den Konkurrenzkampf zuschneiden kann. Heraus kamen wichtige, in die Spiele integrierte Tools, die es Zuschauern und Castern einfacher machen, das Geschehen auf dem Spielfeld nachzuvollziehen.
Das macht die Spiele zugänglicher, leichter zu verstehen und ermöglicht es, beim Zuschauen die komplette Action im Blick zu haben, ohne ständig den Fokus Richtung Nebenschauplätze verlagern zu müssen.
Dabei hilft es auch, dass in der Grunddisziplin Eins gegen Eins gespielt wird. Während sich auf dem Counter-Strike-Spielfeldern zehn Spieler gegenüberstehen, die autonom und häufig gleichzeitig agieren, ist in StarCraft 2 sowie Quake Live der Blick immer nur auf das direkte Duell gerichtet. Etwas zu verpassen ist viel schwieriger, bis gar unmöglich.Aber nicht nur das Zuschauen wird in Zukunft leichter, auch die Planung und Organisation von Events. Bei einem Counter-Strike-Turnier mit 16 Teilnehmern müssen mindestens 80 Spieler versorgt, untergebracht und mit PCs ausgestattet werden, und so weiter und sofort. Bei seinen neuen Widersachern benötigt man maximal so viele PCs wie Teilnehmer, weniger Platz auf der Bühne, ein kleineres administrativeres Team.
Es wäre also durchaus möglich, auch an öffentlicheren Plätzen, zum Beispiel in einem Kaufhaus oder einem Einkaufszentrum, ein durchaus professionelles Turnier abzuhalten. Den Jugendschutz in Deutschland einmal ganz außen vor gelassen. So kann man den eSport dorthin bringen, wo er hingehört: in die Öffentlichkeit.
Bei diesen Stärken der Konkurrenz wird es für die Counter-Striker wichtig sein, sich in dieser Saison auf das zu konzentrieren und das zu präsentieren, was sie besonders gut können: Spannende Spiele, starke Comebacks, schön anzuschauendes Teamplay und vor allem gelebte und ehrliche Emotionen.
Denn hier haben die 1on1-Titel ganz klar Nachholbedarf. Nicht nur, weil die Spieler häufig introvertiert sind, sondern auch, weil es sich zusammen einfach schöner jubeln lässt.

