Drei Tage World e-Sports Masters 2010 sind schon vorbei, zwei folgen noch. Aber wer sich während des fünftägigen Events als Beteiligter mal eine Auszeit gönnen will, wird immer wieder schnell in die chinesische Realität zurückgeholt. Für Europäer mit mäßigen Chinesisch-Kenntnissen heißt das: Viel Stress, selbst bei den einfachsten Dingen des Lebens. So auch für Nils ‚hellphyte‘ Johannsen, wie er in seinem Blog zu berichten weiß.
Eines muss man denn WEM-Organisatoren lassen. Ein Eventstart um etwa 15 Uhr Ortszeit ist sehr gut durchdacht, wenn man fleißigen Journalisten einen Gefallen tun will. Eigentlich wollten RotterdaM, XeqtR, Nix0n von HLTV.org und ich am späten Abend deshalb noch in einen stadtbekannten Club um uns auf den nächsten Arbeitstag vorzubereiten, doch wirklich nach Plan verlief nichts. Nachdem wir dreimal das Taxi wechseln mussten und nach einer Stunde endlich im Club G+ eintrafen, trank uns zuerst ein randvoller chinesischer Barkeeper den Whisky (Wert der Flasche: 65€…) weg und dann musste sich unsere Gruppe noch gegen einen steinreichen schwulen Chinesen mittleren Alters verteidigen, der offenbar ein paar europäische Knaben an seinem Tisch haben wollte. Ebenso genervt war XeqtR, den alle für einen Chinesen hielten und sich deshalb immer sehr veräppelt fühlten, wenn er ihnen klarmachte, dass er kein einziges Wort versteht.
Wie auch immer…nachdem alle Schwulen und Betrunkenen abgeschüttelt wurden (und meine Jacke geklaut wurde) konnte der Abend mit drei bis vier Stunden Verzögerung starten. Was dann alles passierte ist nicht wirklich wichtig, außer, dass RotterdaM zwei Stunden später als wir im Hotel eintraf und eine doppelt so hohe Taxirechnung hatte. Es bestätigt sich immer mehr, dass Taxifahrer in China mein Traumberuf ist. Man fährt einfach in irgendeine Richtung (egal ob richtig oder falsch), wirft den genervten Fahrgast dann irgendwo raus und kassiert einen zufällig bestimmten Betrag.
Bitte nicht so streng zu Loord
Um aber über die wirklich relevanten eSport-Themen zu sprechen: Ich hatte das Glück gestern direkt hinter Loord stehen zu dürfen, als sein Steam plötzlich abstürzte und er als Resultat den China-Flame brachte. Viele werden ihn nun als unsympathischen Trottel bezeichnen, aber die Polen müssen an dieser Stelle in Schutz genommen werden. Sie sind so ziemlich die nettesten Personen in der Szene und ich kenne kaum jemanden (Spieler, Journalisten, Admins etc.), der sie nicht mag. Loord ist normal auch ein total ruhiger und umgänglicher Typ, der eigentlich keiner Fliege was zu Leide tun könnte. Nur ingame ist er sehr verbissen. Nach seinem Reconnect hat er direkt – ohne eine Sekunde nachzudenken – die geflügelten Worte geschrieben. In der Sekunde danach war es ihm schon peinlich.
Mir tut es ehrlich gesagt extrem Leid für ihn, dass einige Leute ihn nun jahrelang aufgrund dieser Aktion bewerten werden, wie sie es z.B. mit lurppis damals nach seinem Rollstuhl-Flame gegen telli getan haben. Das hat er definitiv nicht verdient. Hier auf dem Turnier haben ihm auch schon alle vergeben, „FUCKING CHINA“ hat sich im Pressebereich sogar schon als Running gag für technische Probleme aller Art etabliert.
Zumindest einer hat den ganzen Tag gute Laune: TeD. Den jungen muss man einfach lieben. Würde es ihn als Stoffpuppe geben, ich würde sie mir wahrscheinlich sofort kaufen. Es ist einfach faszinierend wie er sich immer wieder total freut wenn man ein Foto von ihm machen möchte und sich dann fröhlich grinsend auf dem Stuhl im Pressebereich lümmelt. Das ist eine mehr als willkommene Abwechslung zu Leuten wie Lyn oder Infi, die ihre Miene so gut wie nie verziehen und so tun, als ginge sie dieser ganze eSport-Kram gar nichts an. Achja, falls jemand ein Michelin-Männchen unter den WC3lern entdeckt: das ist ReMinD der eine „etwas“ dickere Jacke und Mütze in der Location trägt, da er sich eine Erkältung eingefangen hat. Vermutlich war er zu leicht bekleidet, als er in dem Geld gebadet hat, welches er in den letzten vier Wochen gewonnen hat ($7.000 auf den WCG + $25.000 auf der BlizzCon).
Wenn ich es richtig verstanden habe, soll das Event morgen noch später starten als heute. Also eine optimale Zeitplanung für die Europäer die zuschauen wollen und die Beteiligten vor Ort. Dazu kann ich jeden, der auf stumpfe Unterhaltung am Morgen steht, den Crossfire-Cast von XeqtR und jESUIT empfehlen. Nach etwa drei Tagen haben sie sogar schon teilweise verstanden, worum es in dem Spiel überhaupt geht – oder zumindest tun sie so.