Während im Lowerbracket Teams wie die Frag eXecutors, fnatic oder Na’Vi ums Ausscheiden kämpfen mussten, steht SK Gaming auf den World e-Sports Masters 2010 schon ganz sorglos im Overall-Finale – trotz eines Stand-Ins und ohne Training. Das Team hat eine vermeintliche Schwäche zu einer Tugend gemacht und spielt endlich frei auf. Ein Weg, den das Team auch in Zukunft einschlagen sollte. Eine Meinung von Nils ‚hellphyte‘ Johannsen.
Aus dem Counter-Strike-Team von SK Gaming kann man nicht wirklich schlau werden. Wann immer sie hochmotiviert und bestens vorbereitet auf einem Event erschienen, blieben sie hinter ihren eigenen hohen Erwartungen zurück und belegten meist einen der undankbaren Plätze zwischen zwei und fünf. Hier auf den World e-Sports Masters reisen sie als spontanes Mixteam an, haben sich offensichtlich gar nicht vorbereitet und schlagen direkt die Trainingsmaschinen von Na’Vi, WeMade Fox und Power Gaming.
Der ganze Auftritt des Teams erinnert ein wenig an die Global Challenge in Chengdu während der letzten Extreme Masters-Saison. Damals hatte man kurz vorher face und kHRYSTAL verpflichtet und ebenfalls kaum Zeit für vernünftiges Training – am Ende gewann man trotzdem das Turnier, nicht zuletzt dadurch, dass man die beiden frischen Neuzugänge einfach frei aufspielen ließ. Auch hier in Hangzhou betont face: „Dass wir keinen Druck haben, hilft unserem Spiel ungemein. Wir können einfach befreit aufspielen.“Wo ist sonst die Unbekümmertheit?
Die Frage die sich dadurch allerdings aufdrängt ist: Warum kann das Team diese Frische und Unbekümmertheit nicht auf Turniere mit regulärem Trainingsbetrieb und auf ein festes Lineup übertragen? Einer der Gründe könnte der etwas verstaubt wirkende Spielstil sein. Fragt man Ansager wie zum Beispiel cArn, wie er SKs Stil charakterisieren würde, antwortet er meist nur: „Keine Ahnung. Sehr langsam auf jeden Fall“. Vor allem walle war lange Zeit bekannt dafür, auf einen konservativen Aufbau zu setzen und sich dann ausschließlich auf schnelle Standard-Gos zu verlassen. Jetzt mit RobbaN als Ansager hat sich daran nur wenig geändert. Im Gegensatz zu Teams wie zum Beispiel Na’Vi fehlt dem SK-Spiel nach wie vor die Fähigkeit, einem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.
Dass sich daran mit dem aktuellen Lineup etwas ändern wird, scheint vor allem aufgrund des harten Kerns rund um allen, walle und RobbaN sehr unwahrscheinlich. Da Trio bildet mittlerweile seit etlichen Jahren die Achse des SK-Spiels und man wird das Gefühl nicht los, dass alle drei eisern zusammenhalten, um sich Gegenseitig vor Veränderungen und Konsequenzen zu schützen. Das macht es vor allem für junge Spieler schwer, sich in das Team zu integrieren. Bestes Beispiel dafür ist GeT_RiGhT. Einst fragte fnatic-Manager Sam Mathews einen SK-Spieler: „Warum mögt ihr ihn nicht?“ und die Antwort lautete: „Er ist einfach…anders“. Dass dieser „Andere“ nun auch schon seit Ewigkeiten auch menschlich eine feste Stütze im fnatic-Team und einer der besten Spieler der Welt ist, dürfte SK sicherlich noch immer schwer im Magen liegen.
Kommt 2011 endlich frischer Wind?
Ähnlich schwer hatte es kHRYSTAL. Eigentlich ein genialer Spieler, doch bei SK wurde er in eine Rolle gezwängt, die nicht zu seinem eigentlich Unbekümmerten Spielstil passte. Stattdessen musste er lange auf ungewohnten Positionen die AWP spielen, weil walle keine Lust mehr auf die Sniperrolle hatten. Eigentlich eine sehr ungewöhnliche Entscheidung. Denkt man an die Jahre 2004 bis 2008 zurück, war walle die wohl gefährlichste AWP der Welt, die im Alleingang viele Spiele gewann. User auf HLTV.org kürten ihn sogar zur „Besten AWP des Jahrzehnts“. Doch statt seinem Team weiter in der Position zu helfen, sagte er ganz öffentlich: „Ich mag nicht so gerne AWP spielen“ und schob die grüne Waffe einfach weiter. Seine beiden Weggefährten RobbaN und allen nickten die Entscheidung ohne großen Widerspruch ab.Man musste deshalb schon fast Angst um moddii haben, dass er ähnlich scheitern könnte. Doch rein sportlich scheint er sich immerhin durchgesetzt zu haben, beendete die letzten Turniere fast immer mit großem Abstand als bester Fragger des Teams. Dass er trotzdem immer noch als „Stand-In“ geführt wird, könnte mit der Zukunft des Teams zu tun haben. Hier in der WEM-Location wird gemunkelt, dass man ihm keinen Vertrag geben möchte, da es am Ende des Jahres sowieso Änderungen im Team geben wird und die Verträge dann sowieso neu aufgesetzt werden. Wäre dem wirklich so, wäre SK gut damit beraten, auf frischen Wind statt auf alteingesessene Recken zu setzen. Denn die Erfolge der Vergangenheit und der Gegenwart haben gezeigt, dass es offenbar genau das ist, was das Team braucht um den Schalter umzulegen, der den Unterschied zwischen einem Turniersieg und einer nur „guten“ Platzierung ausmacht.

