Innerhalb einer Woche passt die ESL die Regeln ihrer Amateur Series nun schon zum zweiten Mal für Dario ‚TheLittleOne‘ Wünsch an. Mit dieser Hofierung eines vermeintlichen Superstars tut sich die Liga nicht nur Gutes. Eine Meinung von Ulrich ‚FlyingDJ‘ Schulze.
Wenn TLO am Donnerstag in Frankfurt landet, steht Dennis ‚TaKe‘ Gehlen schon bereit, um ihm zusammen mit Fans einen gebührenden Empfang zu bereiten. Direkt mit ihm könnten jedoch auch die Verantwortlichen der Electronic Sports League Spalier stehen. Ein von ihnen ausgerollter roter Teppich wäre nicht ungewöhnlich angesichts der Art und Weise, wie in weniger als einer Woche bereits zum zweiten Mal Abläufe der ESL Amateur Series in StarCraft II geändert wurden, um dem Leipziger noch die Gelegenheit zur Qualifikation zu geben.
Am Freitag letzter Woche, kurz nach Bekanntgabe der Rückkehr des für TeamLiquid spielenden Zergs, wurden bereits die freien Forderungen deutlich über die geplante Zeit hinaus verlängert. Was schon als unmissverständliches Zugeständnis an TLO gedeutet werden konnte, wurde heute erneut untermauert. Ganz offen wurde ausgesprochen, dass wegen seiner Abwesenheit der MLG Dallas wegen die Anmeldefrist verlängert wird.
Die Verlängerung der freien Forderungen mag noch als vertretbares, wenn auch im Vergleich zu den anderen Amateur Series ungewöhnliches Mittel zur besseren Chancenverteilung in einem noch relativ frischen Spiel durchgehen. Die Anmeldefrist um eine Woche nach hinten zu schieben, ist jedoch nur noch die Begünstigung eines einzelnen Spielers, der ursprünglich die deutsche Liga zugunsten seines Korea-Aufenthaltes hinter sich gelassen hatte.
Freilich hat Dario auch so noch einen schwierigen Weg vor sich, denn er muss in sehr kurzer Zeit mindestens unter die besten Sechs kommen. Aber es wird ihm leichter als allen anderen gemacht, sich für die höchste deutsche Spielklasse zu qualifizieren. Das ist nicht nur ungerecht den anderen Spielern gegenüber, die sich mehrere Wochen lang Duelle um die Spitzenpositionen in der EAS geliefert haben und jetzt wegen der Änderungen um ihren Aufstieg bangen müssen. Es ist auch schwer zu vertreten angesichts der berechtigten Konsequenz, mit der die ESL ihre Regeln in der ESL Pro Series bis hin zum Ausschluss aus der Liga durchsetzt. DeMusliM bekam Strafpunkte für seine Abwesenheit wegen des Blizzcon-Turnieres, NaNiwa wurde kompromisslos aus der Liga entfernt. TLO sah man nach, dass er sich während der MLG nicht angemeldet hatte – obwohl der Vorgang kaum mehr als fünf Minuten dauern dürfte.
Niemand wird ernsthaft behaupten, TLO gehöre nicht in die ESL Pro Series. Aber welchen Sinn hat ein jahrelang aufgebautes Modell aus Profiliga mit zugehörigem Unterbau, wenn jetzt bereits bei der ersten Gelegenheit Spieler an der Seite vorbeigeschleust werden? Bekommt Grubby eine Wildcard, wenn er in wenigen Monaten umsteigt und nach Deutschland zieht? Wer einmal die Tore öffnet für Anpassungen dieser Art, wird sich bald verwundert nach seiner Glaubwürdigkeit umschauen. Denn Regeln sind nur so lange gut, wie sie für jeden Betroffenen in gleicher Weise gelten. Dass man in dem Fall die bittere Pille schlucken und für eine Saison auf einen Star verzichten muss, gehört dann eben dazu.