Alternate-Kapitän Jan ‚mooN‘ Stolle gehört mittlerweile zum Inventar der EPS – und das wird auch so bleiben. Im Interview mit readmore.de dementiert er Gerüchte über ein Karriereende entschieden, resümiert die Leistung seines Teams auf den Finals und wagt einen Ausblick auf die kommende Saison.
readmore.de: Jan, ihr seid mit einem 16:7 gegen n!faculty überzeugend ins Turnier gestartet. Ein Kommentar zum Spiel?
Jan ‚mooN‘ Stolle: Ja, wir haben auf de_nuke gespielt, haben uns vor dem Spiel auch gewünscht, dass wir auf dieser Map spielen werden. Dementsprechend haben wir uns auch gut vorbereitet und es ist eigentlich alles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Was sich n!faculty vor dem Spiel überlegt hat, ist dagegen nicht so gut aufgegangen und so haben wir n!faculty in den entscheidenden Runden den Garaus machen können. Ist super gelaufen.
readmore.de: Ihr habt vor den Finals ein Bootcamp eingelegt, wie ist das gelaufen?
mooN: Gut, ja. Wir haben uns am Dienstag im LAN-Haus getroffen, am Mittwoch ist dann Roman aus Berlin angereist. Bis gestern konnten wir dann trainieren, heute Morgen sind wir hier zum Turnier angereist.
readmore.de:Du bist momentan der dienstälteste Spieler der EPS. Ist es dann nicht manchmal so, dass du dir denkst „Okay, auf dieses Trainieren und Bootcampen habe ich jetzt eigentlich überhaupt keine Lust mehr“?
mooN: Nein. Also Bootcamps sind das, was am Training eigentlich am Meisten Spaß macht. Man sieht sich, man hat Spaß zusammen; es ist ja nicht so, dass wir einfach nur zusammengewürfelte Spieler sind, sondern sind in den letzten Jahren auch echt ganz gute Freunde geworden. Mit manchen spiele ich ja schon länger zusammen, zum Beispiel mit approx oder mit roman. Es macht einfach Laune, miteinander zu spielen, man sieht besser, was der andere macht und kann sich so auch besser aufeinander einstellen. Teamplay ist ja immer noch mit der wichtigste Part in Counter-Strike.
readmore.de: Also erteilst den kursierenden Gerüchten, dass du nach diesem Spiel die Maus an den Nagel hängst, eine Absage.
mooN: Definitiv.
readmore.de: Es gibt im Team auch keine Motivationsprobleme? Es steht ja einiges im Raum, dass diverse Leute nächste Saison für einen anderen Clan spielen werden.
mooN: Nein, absolut nicht. Wir denken da von Saison zu Saison und versuchen, das Beste herauszuholen. Motivationsprobleme hat man eigentlich nur, wenn man nicht gut spielt. Wir haben mittlerweile unseren Spielstil gefunden, konnten uns auf dem Bootcamp auch noch einmal deutlich verbessern und haben einfach unseren Spaß. Was nächstes Jahr passiert, ist momentan erst mal nebensächlich.
readmore.de: Du hast dich in deiner Karriere sehr oft auf neue Teamkameraden eingestellt. Findest du das anstrengend oder eher herausfordernd?
mooN: Es ist beides. Aber die Herausforderung macht die Anstrengung wieder wett. Man lernt neue Leute kennen, kann neue Strategien spielen, mit dem Team ganz anders zusammenspielen als vorher. Die Spieler unterscheiden sich, dementsprechend hat man auch nie das Problem, dass man neuen Leuten immer das Gleiche beibringen muss. Stattdessen schaut man, welches Spielermaterial haben wir, wie können wir das am Besten ausnutzen und so das Maximum aus unserem Team herausholen.
readmore.de: Ihr habt mit seraph und KenaN in diesem Jahr zwei relativ junge Spieler integriert und es steht ja fest, dass approx nächste Saison wechseln wird. Wie sieht euer Profil für die Suche nach einem Nachfolger aus – sucht ihr wieder nach einem aufstrebenden Talent oder habt ihr euch schon auf etwas festgelegt?
mooN: Festgelegt haben wir uns noch gar nicht. Man muss sich immer überlegen, was man eigentlich haben will. Alternate hat den Anspruch, dass wir nicht einfach irgendwelche Spieler haben, die 24/7 zu Hause sitzen und spielen, sondern schon „normale“ Leute, die zur Schule gehen, studieren, arbeiten. Und dann hat man eben zwei Alternativen: Entweder man holt sich einen erfahrenen Spieler, kann dann schon etwas früher richtig loslegen, aber vielleicht nicht ganz so viel herausholen. Verpflichten wir dagegen einen jungen Spieler, ist das eine Investition für die Zukunft. Man muss dann zwar am Anfang mit Rückschlägen rechnen, hat dafür aber die Möglichkeit, dass man den Spieler längerfristig binden und richtig verbessern kann.
readmore.de: Es gab zuletzt vielfach Diskussionen, ob es überhaupt noch junge Talente gibt oder CS nicht langsam ausstirbt.
mooN: Es gibt auf jeden Fall noch einige interessante Talente.
readmore.de: Und wie findet man die?
mooN: Zuerst siebt man mal ziemlich grob, nach Spielern die in irgendeiner Form ins Auge stechen. Den hab ich schon mal gesehen, den kenn ich, der passt vielleicht menschlich nicht so gut zu uns. Danach muss man sich einfach viele Spiele und Demos von den Betreffenden anschauen. Meistens kennt man die aber ohnehin, die ganze EPS ist ja an sich ein großer Gatherhaufen. Daher kann man schon mal abschätzen, wie derjenige menschlich zu uns passt oder was er spielerisch auf dem Kasten hat.
readmore.de: Wird es, abgesehen von approx, noch weitere Abgänge geben?
mooN: Das kann ich nicht sagen, weiß ich momentan noch nicht.
readmore.de: Und für dich steht das gar nicht im Raum? Ich kann mir schwer vorstellen, dass du dieses Spiels nicht irgendwann müde wirst. Du spielst ja auch Starcraft 2, da gibt es doch auch eine EPS.
mooN: (lacht)Ja, da gibts auch eine EPS. Aber was mich an Counter-Strike immer fasziniert hat und was mir daran Spaß gemacht hat, ist, dass man als Team zusammenspielen kann. Starcraft ist ein super Spiel, ich spiele das auch total gerne – aber man spielt halt alleine. Und das ist eben, was an CS die Faszination für mich ausmacht: Das Team.
readmore.de: Hast du mal darüber nachgedacht, deine Erfahrung vielleicht gewinnbringend anderweitig zu nutzen? Wie es in anderen Sportarten üblich ist, abseits des Spielfeldes. Hast du dir diesbezüglich schon mal etwas überlegt? Es gab da ja mal ein TAMM-Buch…
mooN: Es gab da schon ein paar Ideen. Was genau, sage ich jetzt nicht, weil ich das wahrscheinlich auch noch machen werde. Aber ein Buch wirds nicht (lacht). Nein, ernsthaft, es gibt da schon noch einige andere Ideen und man möchte seine Erfahrungen natürlich auch mit anderen teilen.
readmore.de: Du wirst dem eSport also noch einige Zeit erhalten bleiben…
mooN: Auf jeden Fall. Ich habe so viel Herzblut in den eSport gesteckt. Ganz verlassen werde ich den eSport wohl niemals, ich werde immer dabei bleiben. Ob ich dann spiele, Trainer bin oder irgendwelche Sendungen moderiere – das muss man sehen. Aber den Rücken zuwenden werde ich dem eSport nie.
readmore.de: Zurück zum Turnier. Ihr spielt jetzt gegen mousesports, wie siehst du eure Chancen?
mooN: Wenn wir so ein gutes Spiel hinlegen können wie gegen n!faculty und mousesports wie gegen TBH leichte Probleme hat, dann haben wir ganz gute Chancen, denke ich. Kommt natürlich auch auf die Map an, wie beide Teams ins Spiel kommen – aber Chancen sehe ich auf jeden Fall. Man muss da aber jedes Spiel für sich sehen. Man kann ein Spiel gut spielen und im nächsten total versagen. Wir haben zwar gegen n!faculty gut gespielt, sie haben uns aber auch gut ins Spiel kommen lassen.
readmore.de: Glaubst du, es kommt euch entgegen, dass mit Kapio, Blizzard und gob b drei Spieler im Team stehen, für die nach der Saison Schluss ist?
mooN: Bei Blizzard macht das keinen Unterschied, glaube ich. Der ist schon so oft eingesprungen, immer nur für eine Season, und hat eigentlich jedes Mal überzeugt. Kapio könnte es ein bisschen beeinflussen, vielleicht hat er im Vorfeld auch nicht ganz so viel gespielt, wie er sonst spielt. Und bei Fatih kann ich mir das gar nicht vorstellen. Wenn der etwas macht, dann macht er’s richtig und investiert auch viel Zeit. Auch wenn es seine letzte Saison ist.
readmore.de: mousesports hat für die kommende Saison mal wieder einen Versuch gestartet, mit einem Ausländer in die EPS zu starten. Bei elemeNt hat es ja überhaupt nicht funktioniert, in der Zwischenzeit gab es einige Versuche mit Niederländern. Glaubst du, das ist sinnvoll?
mooN: ElemeNt hat ja überhaupt kein Deutsch gesprochen, da musste sich das ganze Team umstellen. Karrigan kann Deutsch, zumindest verstehen und auch – ich glaube, nur brüchig – sprechen. Ich glaube, die Idee war vorher, mehr Ausländer zu holen. Also einen gesunden Mix zu machen, drei Deutsche, zwei Ausländer, die vielleicht auch schon zusammengespielt haben. Das hat offenbar nicht ganz funktioniert, weiß ich nicht genau. Man hat mit karrigan eben jetzt einen Spieler, der ist schon etabliert, aber noch nicht ganz so alt, also eine gute Mischung aus jung und erfahren.
readmore.de: Wäre das für euch auch eine Option, euch im Ausland umzusehen?
mooN: Nein. Wir beschränken uns auf Deutschland, Alternate ist ein deutscher Clan – abgesehen von einem Österreicher oder so, sowas hatten wir ja schon ab und an im Source-Team, glaube ich. Wenn die Spieler sagen „Wir müssen den unbedingt haben“, dann wird da eine Ausnahme gemacht, aber ansonsten nicht.
readmore.de bedankt sich für das Gespräch. Geführt wurde das Interview von Ulrich Schulze und Christian Bauer.