Im Finale des Upper Bracket trafen heute Abend mousesports und Alternate aufeinander – und auf dem Stream kam Counter-Strike: Source. Den Fans zu Hause blieb immerhin HLTV, die Angereisten mussten sich seitlich der Bühne hinter die Spieler quetschen. Traurig, weil das ewige Duell auch dieses Mal extreme Spannung bot – hier noch einmal zum Nachlesen.
„Navid, du musst Gesichter machen. Und Mister Burst, keine Bursts wenn es nicht sein muss“. Mit diesen Worten entlässt mousesports-Mastermind Fatih ‚gob b‘ Dayik sein Team aus der kurzen Vorbesprechung vor dem Winner-Bracket-Finale gegen Alternate. In den fünf Minuten zuvor hat er sein Team noch einmal eingeschworen. Schlägt den „Na’Vi-A-Split“ vor, „wenn wir fünf oder sechs Runden führen“. Kapio wirft ein: „Und, Jungs, die spielen keine Go’s. Hoch, zurück. Hoch, zurück“. Der Gegner ist bestens bekannt, kein Duell hat das deutsche Counter-Strike in den letzten Jahren so geprägt wie Alternate gegen mousesports, das ewige EPS-Finale.
Im Winner Bracket des 17. Turniers treffen sich die beiden Teams erneut. Es ist das vorletzte Spiel für Kapio und gob b, auch Dauer-Standin Blizzard geht nach der Saison wieder in den Standby-Modus. Vorzeichen, die dem zuletzt unterlegenen Gegner Hoffnung machen: Kapitän mooN rechnete seinem Team im Gespräch mit readmore.de im Vorfeld „durchaus Chancen“ aus, es könne schon sein, dass die Situation zumindest Kapio beeinflusst. Hinzu kam, dass mousesports eigentümlich Stellung bezog: Weil aus unerfindlichen Gründen das zeitgleich stattfindende Loser-Bracket-Finale in CS:Source auf der Mainstage übertragen wurde, nahmen die beiden CS-Teams an den Rändern der Bühne Platz. Dort war aber nicht genügend Raum, um jedem mouz-Spieler den gewünschten eigenen Tisch zur Verfügung zu stellen – und roman saß folglich zentral, seitlich zu seinen Teamkameraden gewandt, einen Meter höher.
Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch: „Ehehehe! Hab ihn!“, feixt Blizzard lautstark, als er in der Messerrunde vorprescht und seinen langjährigen Wegbegleiter Roman R. erwischt. Nach gewonnener Seitenwahl startet mousesports als Verteidiger, abermals sind alle Augen auf den Altmeister gerichtet. Alternate versucht, über den Teppichgang zum Erfolg zu kommen, Blizzard schaltet zunächst den Bombenträger aus und hat mit zwei weiteren Frags maßgeblichen Anteil, dass die Pistolenrunde an sein Team geht. „Super Dieter!“, brüllt Nebenmann gob mit einem Schulterklopfer – um sich in der nächsten Runde mit vier Frags an die Spitze des Scoreboards zu setzen. Auch die dritte Runde geht standesgemäß an mousesports: Alternate scheitert am Zweigespann Kapio/roman, das den kleinen Spot deckt.
Alternate findet ins Spiel – die Erste
Alternate, nun mit Waffen ausgestattet, findet erst jetzt langsam ins Spiel – und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Sie tasten sich in der Mitte gemächlich nach oben, dann finden die Kugeln von seraph und mooN jeweils zwei Ziele. Als letzte verbliebene Maus kann roman wenig ausrichten, Alternate wird warm. So kann in der nächsten Runde auch eine Dreifach-Deckung in der Action-Zone die abermals durch die Mitte vorstoßenden Angreifer nicht stoppen. Zwar können gob b und Kapio je zwei Frags verzeichnen, Last Man Standing seraph setzt sich allerdings gegen zwei Verteidiger durch und sichert seinem Team unter lautem Jubel das 2:3.
Die angespannte finanzielle Situation der Mäuse ermöglicht Alternate nun, das Spiel zu drehen: In Runde sechs, mousesports nur teilweise equipped, gelingt zwar roman im Bananengang der First Frag, geht jedoch im direkten Gegenzug down. Tandempartner Kapio zieht sich zurück und findet sich gemeinsam mit Blizzard schließlich in einer 2on2-Situation bei gelegter Bombe wieder. Beim Retake-Versuch schießt Blizzard alle drei verbliebenen Spieler über den Haufen und muss sich danach aus dem Detonationsradius der Bombe bringen. Seine gesavete Waffe ist auch die Einzige in der siebten Runde, alle Mann warten am großen Spot auf den Gegner. Alternate aber hat den Braten offenbar gerochen, legt auf Klein und entscheidet die Runde problemlos zum 4:3 für sich.
Kapio dreht auf
Die nächsten Runden stehen unter dem Stern von Navid Javadi: Zwei saubere Headshots im Bananengang sichern den Ausgleich in der achten Runde. Die Angreifer verlagern ihr Spiel in die Mitte, brechen durch, versuchen über Hazz zum Erfolg zu kommen – und drei von ihnen finden im mittlerweile verschobenen Kapio ihren Meister. Lässt er in Runde zehn noch einmal gob b den Platz im Rampenlicht, der gemeinsam mit Tixo am kleinen Spot zum Retake und Defuse kommt, sichert der Kalif höchstpersönlich das 7 zu 4: Die nur mit Deagle ausgestatteten Terrors entscheiden sich nach langem Zögern zum erneuten Go auf die Mitte, durch die Banane ist Kapio allerdings bereits in ihren Rücken gefallen und sichert mit drei Frags den Rundengewinn.
Alternate gelingt als Angreifer nur noch ein Rundengewinn zum zwischenzeitlichen 5:7, die restlichen drei Runden gehen sicher an mousesports. Das wenig kreative Terrorspiel bleibt weiter beim sich abwechselnden Mitte-Go und langsamen Aufbau über den Bananengang, die Angriffe waren aber insgesamt zu langsam vorgetragen, um die Deckung ernsthaft in Gefahr zu bringen. Nennenswert bleibt noch die letzte Runde vor dem Seitenwechsel, als der bis dato kaum in Erscheinung getretene Tixo mit einem sehenswerten 1on3 den 10:5-Halbzeitstand sichert.
mousesports erwischt guten Start als Terror
“Spielen die eigentlich jemals offensiv?“, fragte Kapio in der Besprechung vor dem Spiel. „Am Anfang“, antwortete Ansager, „aber dann zu dritt“. Dementsprechend defensiv baut mousesports von Beginn an sein Angreiferspiel auf, bereits in der Pistolenrunde warten Kapio, Blizzard, roman und gob b unten; Tixo orientiert sich Richtung Haus – der Standardaufbau, der in den kommenden fünfzehn Runden nur in Nuancen geändert werden soll. Nachdem die CT-Granaten in der Pistolenrunde allerdings präzise sitzen, endet der anschließende Klein-Go trotz gelegter Bombe im 1:0 für Team Alternate, das 2:0 folgt auf dem Fuß.
Gut ausgerüstet geht es für die Mäuse in Runde drei: Nach einem Falsche-Mitte-Fake orientiert sich das Team Richtung kleiner Spot, roman säubert erst diesen und entscheidet schließlich ein 1on2 gegen Roman R. und approx für sich. Nahezu unisono kommt ein „Geile Runde, Junge!“ aus vier Kehlen in Richtung romans „Thron“. In der Folge entwickelt sich ein launiger Schlagabtausch, drei Runden für die CTs, drei Runden für die Terrors – darunter auch eine wunderbare Deagle-Eco von Alternate mit jeweils zwei höchst sehenswerten Kills von KenaN und mooN -, was zum Zwischenstand von 14:10 für mousesports führt.
Alternate kommt zurück – die Zweite
Die Zeichen stehen also gut für den Titelverteidiger, der Herausforderer steht mit dem Rücken zur Wand – und holt einmal mehr auf. Runde 25, wieder mousesports‘ Aufbau mit vier Mann defensiv an der Rampe und Tixo, der aufpassen soll, dass approx nicht im Teppichgang pusht und den Mäusen in der falschen Mitte in den Rücken fallen kann. Die Terroristen orientieren sich erneut in Richtung des kleinen Spots, wo sie mit KenaN und seraph den Schwachpunkt ausgemacht zu haben glauben. Es gelingt auch, die Bombe zu legen, das folgende 3on3 entscheidet Roman R. mit einem Doppelkill jedoch maßgeblich zum 11:14 aus Sicht von Alternate.
In der Folge wechseln sich KenaN (drei Kills, Runde 26), approx (vier Kills, Runde 27) und abermals KenaN (Doppelkill, Runde 28) mit rundenentscheidenden Szenen ab. Vierzehn zu vierzehn, Gleichstand. Nervosität bei mousesports, das sicher geglaubte Spiel scheint aus den Händen zu gleiten. Die Entscheidung, Galils zu kaufen und durch den Teppichgang zu rennen, mutet fast etwas hilflos an. Symbolisch romans Aktion, der zwar approx überrennt, danach aber die Entfernung zwischen Balkon und Boden maßlos unterschätzt und in den Tod springt. Ruhepol gob b ist es dann zu verdanken, dessen besonnenes Handeln seinem Team das 15:14 und damit das Draw sichert.
„Bombe, Bombe, Bombe, ihr Vollidioten“
Wenig besonnen gibt sich dagegen Kollege Kapio in der letzten, entscheidenden Runde. Der Matchball wird serviert, mousesports smoket die Mitte, wartet etwas am Fuchsbau, erst verschieben drei Angreifer in den Bananengang, dann vier, dann auch Tixo. Der Spot ist eingenommen, nur etwas Elementares fehlt: Die Bombe. „Bombe, Bombe, Bombe, ihr Vollidioten!“, herrscht Javadi seine Kollegen an, drei Sekunden später ist der Sprengkörper platziert – und Alternate kann zu dritt den Spot nicht mehr einnehmen, 16:14, Schluss, aus, mousesports zieht ins Finale ein.
Ein knappes Ergebnis in einem hoch emotionalen Spiel zweier Kontrahenten auf Augenhöhe – und ein guter Grund, sich auf den morgigen Tag zu freuen.