Mit seinem Team myRuSh spielte sich Fabian ‚V3n0m‘ Doellert auf den ersten Platz der EAS First Division und sicherte seinem Team so den Direktaufstieg. Kurz nach Ende der Saison wurde das Team allerdings wegen Problemen mit der Lizenz disqualifiziert und auf den letzten Platz zurückgestuft. readmore.de sprach mit dem Spieler über die Fehler des Managements.
readmore.de: Hallo Fabian! Mit eurem Team konntet ihr die ganze Saison größtenteils überzeugen und man rechnete schon fest mit euch in der nächsten EPS-Saison. Nun wurdet ihr wegen Lizenzproblemen disqualifiziert. Was genau ist vorgefallen?
Fabian ‚V3n0m‘ Doellert: Wie schon richtig erwähnt, wurde uns der Titel des Direktaufsteigers wegen Problemen mit der Lizenz aberkannt. Es fehlte die vom Regelwerk geforderte juristische Person hinter myRuSh. Um das Ganze zu erläutern, muss ich etwas weiter ausholen.
Das letzte EPS-Lineup von myRuSh ist, wie vielleicht noch bekannt, durch genau diese Lizenzregelung aus der EPS verbannt worden. Sie stellten zum damaligen Zeitpunkt kein Mehrheitslineup und waren auch keine juristische Person, sodass die ESL die Lizenz entzog und das Team zum Direktabstieg in die 1st Division zwang. Um einen kompletten Lineuptausch vornehmen zu dürfen, wechselte man nach dem EPS-Kick den Lizenzhalter zu WANDELWARE, die ja als bestehendes Unternehmen logischerweise auch eine Rechtsform besitzen. Allerdings war dieser Wechsel des Lizenzhalters nicht mit der ESL abgesprochen und damit laut Regelwerk auch ungültig. Nach dem zweiten Spieltag wurde uns dann von Sebastian Grune (Headmanager) beiläufig in Steam Friends gesagt, dass die ESL wohl gerade die ganzen Excelsheets prüft und bei uns Lizenzprobleme festgestellt hatte. Es wäre aber wohl nichts Wildes, sodass wir in Ruhe weiterspielen können.
Ich habe mich daraufhin mit dem zweiten Teil unseres Managements unterhalten und musste in Erfahrung bringen, dass das Ausmaß dieser Probleme doch größer sei. Wir haben uns dann im Team mit dem Regelwerk und der Vergangenheit von myRuSh beschäftigt und mussten dem Management die Situation erklären, da die ESL mit ihrer Aussage vollkommen im Recht war und unsere Führungsebene einfach null Durchblick hatte. Nach ellenlangen Diskussionen mit der Ligaleitung und Sebastian Grune, der sich weiterhin im Recht sah, wurde uns seitens der ESL eine Frist bis zum Ende der Season gesetzt, um myRuSh als Verein zu registrieren und damit die Auflagen nachhaltig zu erfüllen. Herr Grune wollte sich dann umgehend um alles kümmern und die Daten schnellstmöglich nachreichen.
Was daraus geworden ist, sieht man ja jetzt. Er hat uns wochenlang knallhart ins Gesicht gelogen, den restlichen Teil vom Management bei der Diskussion um eine Vereinsgründung einfach ausgeschlossen und war am Ende der Saison einfach wochenlang nicht mehr erreichbar – weder per Handy, noch sonst irgendwie. In einem abschließenden Gespräch zwischen mir und Sebastian stellte sich dann heraus, dass er inaktiv gehen wolle, weil er mit persönlichen Problemen zu kämpfen hätte. Da er aber mittlerweile geschätzte zehn Stunden CS am Tag spielt, werden sich seine „persönlichen Probleme“ wohl nach Abgabe sämtlicher Verantwortungen in Luft aufgelöst haben. In den letzten Wochen haben wir dann als Team den Clan myRuSh übernommen, da die Führungsebene einfach weggebrochen ist. Wir versuchten mit aller Macht binnen weniger Wochen noch eine Vereinsgründung durchzukriegen, um eben den Aufstieg in die EPS wahrzunehmen. Jedoch machten uns die Bearbeitungszeiten der Ämter einen Strich durch die Rechnung und das Vorhaben scheiterte.
readmore.de: Wie war die Reaktion des Teams, nachdem ihr von der Disqualifikation erfahren habt?
V3n0m: Unsere Reaktion war, wie man sich gut vorstellen kann, wirklich sehr niedergeschlagen. In so einem Augenblick kommt es einem so vor als hätte man diesen ganzen, immensen Aufwand umsonst geleistet. Unser Ziel war zu Beginn der Season ganz klar die LAN-Relegation, weil man ja nicht genau wissen konnte, wie die Mischung zwischen altbekannten und neuen Spielern funktionieren würde. Zuletzt standen wir dann sogar auf dem ersten Platz und wären direkt aufgestiegen. Die Stimmung im Team war somit sehr gut und sehr motiviert und alle haben sich über diesen, zu Beginn unerwarteten Erfolg sehr gefreut. Es wäre also aus unserer Sicht eine fast perfekte Season gewesen.
Umso größer ist die Verachtung gegenüber unserem Management ausgefallen, zumindest gegenüber Sebastian Grune, der das Ganze ja zu verantworten hat. Somit war es für uns in dieser Season ein Wechselbad zwischen Freude, Zweifel, Motivation, Aggression und Enttäuschung.
readmore.de: Gab es schon vorher Anzeichen dafür, dass ihr am Ende dieser Saison um euren verdienten Lohn gebracht werdet?
V3n0m: Wie schon oben erwähnt gab es erste Anzeichen bereits nach dem zweiten Spieltag. Hier drohte unsere Motivationskurve fast schon zu kippen, da man sich ja nicht sicher sein konnte, ob man die ganze Arbeit nicht umsonst macht.
Zu diesem Zeitpunkt wollte die Ligaleitung, dass alles bis zum 3. Spieltag geregelt ist, was wir ja in keiner Weise geschafft hätten. Sebastian Grune war ja immer noch von seinem Recht überzeugt, aber nachdem wir uns ausgiebig mit den Support- und Email-Inhalten auseinander gesetzt haben, war uns zum ersten Mal klar, dass die ESL völlig im Recht ist. Deswegen haben wir Spieler die Ligaleitung um eine Fristverlängerung gebeten die uns freundlicher Weise auch bis zum Ende dieser Season genehmigt worden ist.
Nun hieß es „nur noch“ eine e.V. zu gründen und diese Season weiter zu spielen. Wir haben gefühlte zweihundert Mal angefragt, wie weit Sebastian Grune mit der Gründung des Vereins ist, jedoch wurden wir, wie man im Nachhinein sehr gut sehen kann, knallhart belogen. Reine Faulheit hat uns quasi um den Aufstieg gebracht. Wir haben uns öfter angeboten, ihm unter die Arme zu greifen, jedoch hat er diese Vorschläge mit dem Satz „Ihr sollt nur spielen“ abgewiesen.
Da wir uns ja selbstverständlich darüber informiert haben, wie viel Aufwand und Zeit es bedarf, einen Verein zu gründen, übte ich mit den fortschreitenden Spieltagen immer mehr Druck gegenüber Sebastian Grune aus. Er versicherte und versprach mir, dass alles nur noch vom Amtsgericht geprüft werden muss. Auf den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen muss ich ja nicht weiter eingehen. Da schon vorher Abmachungen nicht eingehalten worden sind, ist der Zweifel in uns natürlich stetig gestiegen.
readmore.de: Wie war euer Verhältnis zum Clan, bevor ihr von der Disqualifikation und wusstet und wie ist es jetzt? Besteht überhaupt noch Kontakt?
V3n0m: Unser Verhältnis zum Clan war anfangs eigentlich relativ gut. Für mich war es speziell eine große Chance, einen First-Division-Slot zur Verfügung gestellt zu bekommen, dementsprechend war man zu Beginn sehr dankbar dafür. Ebenso positiv verliefen die Gespräche über die Erwartungen, die man aneinander stellte. Die Meisten von uns Spielern hatten auch häufig Kontakt zu unserem Management und ich habe sehr oft mit den verschiedenen Personen geschrieben, geredet und telefoniert. Leider verschlechterte sich die Beziehung zwischen Team und Leitung kontinuierlich über die gesamte Saison, bis zu dem heutigen Nullpunkt.
Die Kommunikation innerhalb des Managements war schlecht und somit musste man Informationen mehrmals an die einzelnen Personen weitergeben. Insbesondere Sebastian Grune hat Versprechungen bezüglich Server, Gelder, Premium etc. gegeben und in ungenügender Weise eingehalten oder sich erst mehrere Wochen später darum gekümmert. Wir hoffen alle, dass er sich für die Zukunft ein anderes Hobby suchen wird oder ihm kein anderer Clan jemals wieder Glauben schenkt. Zu ihm hat auch keiner aus unserem Team noch Kontakt. Nur mit Anna und Michael sind wir nicht im Streit auseinander gegangen, da sie die Einzigen waren, die sich bemüht haben.
readmore.de: Standet ihr unter rechtskräftigen Verträgen und verstößt das Management nun möglicherweise gegen diese?
V3n0m: Nein, wir haben für diese Season keine Verträge unterschrieben und wahrscheinlich ist es bei dieser Führung auch besser so gewesen. Somit hat myRuSh nur gegen mündlich besprochene Abmachungen verstoßen, welche die heutigen Resultate widerspiegeln.
readmore.de: Welche Schlüsse zieht ihr aus diesem Fall? Kann man als Team so etwas überhaupt verhindern oder ist man da machtlos und muss sich ganz den Clans hingeben?
V3n0m: Ich denke, als größte Erfahrung zieht man aus so einem gescheiterten Projekt, dass man für die Zukunft nichts mehr ohne Verträge machen wird. Bei mündlichen Absprachen im eSport hat man einfach nichts Festes in der Hand und letztendlich bleibt einem dann nur die Enttäuschung über das Fehlverhalten der anderen Partei. Wir werden für die Zukunft alles zehnmal hinterfragen, expliziter auf Abmachungen und Besprechungen eingehen und sich ggf. sogar gewisse Beschlüsse schriftlich geben lassen.
Die Frage, ob man gegen einen Clan machtlos ist, würde ich mit „Jein“ beantworten. Wir haben uns wirklich mehr als nur ein Mal darum bemüht die ganze Geschichte in eine gute Richtung zu lenken. Haben mit jeglichen Personen, die irgendeinen Einfluss auf den Clan haben, häufig gesprochen und sehr oft Druck bei den betroffenen Personen gemacht. Als ein vernünftiger und sachlicher Umgang mit Sebastian Grune keinerlei Früchte gezeigt hat, habe ich damit gedroht, dass wir erst die nächsten Liga-Spiele antreten werden, wenn die gemachten Versprechungen eingehalten werden. Hier kam es uns sogar zugute, dass wir keine Verträge gemacht haben.
Diese Drohung hatte Wirkung gezeigt, weshalb ich sagen würde, dass man selbstverständlich Möglichkeiten hat, in einem Clan etwas zu bewegen. Man ist ja immerhin die ausführende Mannschaft. Aber gegen bewusstes Fehlverhalten ist kein Kraut gewachsen. Somit sind einem in manchen Situationen doch die Hände gebunden.
readmore.de: Glaubst du, dass das System der ESL, die Teams abhängig von den Clans zu machen, sinnvoll ist?
V3n0m: Zuerst muss ich sagen, dass ich schockiert war, wie unprofessionell der eSport eigentlich ist. Ich hätte mit viel mehr Disziplin, Seriosität und Druck seitens eines Clans wie myRuSh gerechnet. Da wir nun ja einen Einblick bekommen haben, wie viel Bürokratie hinter einem professionellen Clan steckt und um wie viel man sich nebenher kümmern muss, sehe ich das grundsätzlich schon als Vorteil. Man ist nun mal „ein Spieler“ und grundsätzlich will man zu seiner aktiven Zeit auch einfach „nur spielen“. So ist ein Clan, bei einer guten Führung, ein großer und entlastender Vorteil.
In dem Fall von myRuSh würde ich sagen, dass es nicht sinnvoll ist, Teams von Clans abhängig zu machen. Aber ich bin jetzt einfach optimistisch und hoffe, dass wir das schwarze Schaf bzw. das schon sinkende Schiff erwischt haben und es besser organisierte und seriösere Clans geben wird. Leider waren wir in diesem Fall in einer Abhängigkeit zum Clan gefangen, somit kann ich aus meiner jetzigen Erfahrung keine allgemeingültige Antwort liefern.
readmore.de: Wie sieht es nun mit der Zukunft eures Teams aus? Habt ihr bereits als Team Angebote von anderen Clans oder wird nun jeder von euch seinen eigenen Weg gehen?
V3n0m: Die Zukunft unseres Teams sieht sehr zufriedenstellend aus. Wir haben alle vielversprechende Angebote von EPS-Clans bekommen und auch mehrere Anfragen seitens EAS-Teams. In jedem Fall haben wir vor, nur geschlossen in einen neuen Clan zu wechseln und die ersten Gespräche diesbezüglich werden geführt. Mit welchen Clans und zu welcher Wahrscheinlichkeit eine Zusammenarbeit stattfinden könnte, will ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten. Eine gute Sache hatte diese Season also doch, man konnte sich beweisen, präsentieren und weitere Erfahrung für die Zukunft sammeln. Jedenfalls hat uns diese ganze Geschichte sehr zusammengeschweißt und wir haben ein noch engeres und freundschaftlicheres Verhältnis als zuvor.
readmore.de bedankt sich für das Gespräch.