Er war einer der umstrittensten Spieler von Blizzards WarCraft 3. Yoan ‚ToD‘ Merlo sorgte früher auf Szeneseiten stets für Diskussionsstoff, trat in Starcraft 2 aber bisher nicht in Erscheinung. Nun greift er wieder zu Maus und Tastatur. Mit readmore.de spricht er nun über seine zurückgewonnene Motivation, seine Karriere und warum er sich das Spiel ursprünglich gar nicht kaufen wollte.
readmore.de: Du spielst auf dem europäischen Server, hast aber bis vor kurzem noch in China gelebt. Wo wohnst du momentan?
Yoan ‚ToD‘ Merlo: Ich bin vor einem Monat nach Frankreich zurückgekehrt. Ich habe das Land wirklich sehr vermisst.
readmore.de: Was hast du in letzter Zeit in China gemacht? Gerüchten zufolge hast du angefangen zu pokern?
ToD: Ich habe viele Freunde besucht und war damit beschäftigt meinen langen Aufenthalt zu genießen. Und ich habe Poker gespielt, das stimmt.
readmore.de: Hast du beim Pokern ausreichend Geld verdient um die Miete zu zahlen oder hast du hauptsächlich von deinen Preisgeldern gelebt?
ToD: Ich musste von meinen Preisgeldern leben. Ich hab zwar ein wenig Geld mit dem Pokerspielen gemacht, aber es war nicht genug. Unglücklicherweise hab ich sehr spät damit angefangen und musste ein paar Swings hinnehmen. Ich glaube es ist schwer für mich, ein guter Pokerspieler zu werden. Ich hab nicht genug Geduld und wahrscheinlich auch nicht genug Disziplin.
readmore.de: Anders als viele andere frühere Warcraft 3-Spieler hast du erst spät angefangen richtig Starcraft 2 zu spielen. Was waren die Gründe für den späten Einstieg in das neue Spiel?
ToD: Ich habe nie geplant Starcraft 2-Pro zu werden. Ich hab die Beta ein wenig getestet, wollte mir die Vollversion aber nicht mal kaufen. Nun kamen immer mehr langjährige Freunde auf mich zu und wollten mit mir spielen. Als ich vor einem Monat nach Frankreich zurückkam, habe ich mir das Spiel endlich gekauft und angefangen zu laddern.
readmore.de: Du hast dich für die Protoss entschieden, dabei scheint die Rasse der Terraner für ehemalige Human-Spieler die offensichtliche Wahl zu sein. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
ToD: In Starcraft: Broodwar war ich auch Terra-Spieler, aber mir hat Protoss immer gefallen. Ich finde es ist eine sehr künstlerische Rasse. Ich durfte Starcraft 2 antesten, als es auf der Blizzcon 2008 das erste Mal der Öffentlichkeit vorgeführt wurde. Dort hab ich dann auch Terra gespielt, aber ich erinnere mich, als ich damals gegen Protoss spielen musste, dass ich die ganze Zeit dachte, dass es eine echt coole Rasse ist. Die Einheiten sahen klasse aus und Warpgates waren großartig. Ich glaube in der Zeit hab ich mich unbewusst entschieden dass, sollte ich jemals Starcraft 2 spielen, ich Protoss wählen würde.
readmore.de: Du hast sowohl auf dem europäischen und asiatischen Server gespielt. Ist dir ein Unterschied hinsichtlich Skilllevel oder Spielstil aufgefallen?
ToD: Ich hab nicht viele Spiele in Asien gemacht und ich kannte das Spiel nicht annähernd so gut wie heute. Aber es war dort wirklich schwer zu gewinnen. Es gibt allerdings eine ganze Menge Europäer, die Starcraft 2 spielen, wahrscheinlich mehr als es bei Warcraft 3 der Fall war. Die weitere Entwicklung wird interessant.
readmore.de: Das stimmt, in Europa ist Starcraft 2 vermutlich bereits größer als es Warcraft 3 je war. In China ist der alte Titel aber immer noch ungemein erfolgreich. Starcraft 2 dagegen dort noch nicht offiziell erschienen. Glaubst du es wird sich dort ähnlich stark wie in Europa durchsetzen?
ToD: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube Warcraft 3 ist dort sehr populär, weil so viele Studenten es in den Internet-Cafes spielen. Die sind allerdings nicht besonders gut ausgestattet. Es könnte für Starcraft 2 also schwer werden, weil es an passender Hardware mangelt. Ich weiß nicht, ob die Warcraft 3-Community in China das Spiel langsam satt hat, aber eigentlich sollte es nach so langer Zeit anfangen langweilig zu werden. Es hängt auch von vielen Faktoren, wie der Verfügbarkeit ab, aber grundsätzlich könnte Starcraft 2 dort riesig werden. Chinesische Spieler haben sich in Warcraft 3 hervorragend präsentiert, das würde ich ihnen auch in Starcraft 2 zutrauen.
readmore.de: Heute wirst du an dem SK-Gaming Champions Trophy Turnier teilnehmen. Dein erster Gegner ist Nightend, den du in der Ladder schon besiegen konntest. Was für eine Leistung können wir von dir erwarten?
ToD: Ich weiß nicht, Mirror ist mein schlechtestes Matchup, déjà-vu, es hängt wirklich sehr vom Zufall ab. Nightend ist ein sehr guter Spieler und einer meiner Lieblingsprotoss. Was aber nicht heisst, dass ich nicht alles tun werde um ihn auszuschalten.
readmore.de: In einem Interview mit eSportfrance.com hast du vor knapp einem Jahr gesagt, du könntest dir nicht mehr vorstellen jemals wieder Vollzeit Videospiele zu spielen. Trifft das so noch zu?
ToD: Ich bin mir noch nicht sicher. Ich wollte eigentlich nie wieder professionell zur Tastatur greifen, aber wem mach ich was vor, ich hab dies Spiel, seitdem ich es erworben habe, echt viel gespielt und ich denke nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Ich schwanke im Moment noch etwas. Das Problem ist, dass ich vermutlich schon etwas zu alt bin. Ich kann nicht mehr so viele Spiele hintereinander absolvieren, wie ich es gewohnt war. Ich nehm mir eine Menge Pausen zwischen den Spielen. Als ich mit Warcraft 3 anfing, wollte ich im Prinzip nichts anderes tun, als Nonstop weiterzuspielen. Jetzt gibt es Phasen in denen ich darauf keine Lust habe und ich höre dann auch auf. Das Beste für mich wäre wohl eine Art Semi-Pro zu werden. Weil ich nebenbei noch eine Menge Replays und Streams verfolge, muss ich gucken, ob es ein Nachteil ist, nicht so viel zu spielen wie andere Topspieler.
readmore.de: Hast du Pläne einem Team beizutreten, hast du schon Angebote erhalten?
ToD: Ich habe viele Angebote, aber ich möchte die Dinge nicht überstürzen. Ich bin wie gesagt noch nicht so weit, dass ich wüsste wie viel Zeit und Energie ich in das Spiel stecken möchte. Ich hab mir ein paar Angebote näher angeschaut, aber meine Entscheidung noch nicht getroffen.readmore.de: Spielst du aussschließlich in der Ladder oder hast du bereits regelmäßige Traingspartner?
ToD: Mir gefällt das automatische Match-Making-System. Deshalb spiele ich meistens dort. Hin und wieder natürlich auch ein paar Customgames gegen Freunde, aber nicht allzu viele. Im Moment ist mir wichtig ein gewissen Grundskill aufzubauen, dafür eignet sich die Ladder hervorragend. Später, wenn ich an bestimmten Matchups oder Strategien arbeiten möchte, werd ich auf private Spiele zurückgreifen.
readmore.de: Andere französische Spieler schlagen sich bisher ganz gut in Starcraft 2. Hast du schon mit Leuten wie Adel.Scott oder SarenS gesprochen, glaubst du einer von ihnen hat das Potential wohlmöglich eine ähnliche eSport Karriere wie du sie hattest hinzulegen?
ToD: Es gibt in der Tat einige gute französische Spieler. Das ist wirklich gut, weil wir in Frankreich auch eine große Community haben. Eine große Anzahl vom Leuten genießt es das Spiel zu verfolgen und selbst zu spielen. Ich spreche mit Adel.Scott fast jeden Tag, wir diskutieren Strategien und tauschen Replays aus, das hat mir sehr geholfen und ich respektiere ihn sehr. Er ist extrem nett und hat wirklich Talent für das Spiel. Ich habe SarenS noch nicht kennengelernt, aber ich habe nur Positives über ihn gehört, er soll auch sehr nett sein und ich freu mich schon darauf ihn zu treffen. Das sind die beiden besten Spieler zur Zeit, aber es gibt noch viele andere, die ziemlich gut sind. Im Prinzip kann es jeder schaffen, der die Chance wahrnimmt und ernsthaft trainiert.
readmore.de: Würdest du sagen, dass professionelle Spieler heutzutage weniger charismatisch sind als 2007, dem Höhepunkt deiner Karriere?
ToD: Ganz und gar nicht. Das Spiel steckt noch in Kindessschuhen und es gibt nicht viele Offline-Turniere. Mit der Zeit werden die Spieler anfangen sich zu öffnen und Interviews und ihrem Spiel ansich eine Persönlichkeit geben.
readmore.de: Dein Freund und Co-Caster Kevin ‚Rotterdam‘ van der Kooi ist nach Köln gezogen um als Vollzeitcaster für ESL TV zu arbeiten. Du hast in China selbst ein bisschen gecastet, wäre das eine Option für dich, ein Werdegang als Caster, anstatt als Spieler?
ToD: Ab und zu caste ich gerne mal, aber Vollzeit wäre das nicht unbedingt was für mich. Ich hab aber Spaß daran und man weiß ja nie. Stand heute habe ich allerdings nicht die Absicht professioneller Caster zu werden.
readmore.de bedankt sich für das Gespräch.
