„Absolutely brilliant“ – Das hörte man an diesem Abend ziemlich oft von ESL TV-Moderator Joe ‚Joe‘ Miller, wenn es darum ging, die Aktionen der Spieler zu beurteilen. Egal, ob auf dem Monitor Counter-Strike 1.6 oder Quake Live gezeigt wurde. Und er hatte verdammt recht damit.
Der Finalsabend startete mit dem Counter-Strike 1.6 Finale zwischen fnatic und mTw. fnatic hatte sich im ersten Halbfinale des Turniers mit 2:1 gegen Na’Vi durchgesetzt, die auf diesem Event überraschend blass blieben und dementsprechend nur den vierten Platz belegen. mTw hingegen konnte im zweiten Halbfinale die stark aufspielenden Polen von Frag eXecutors bezwingen, wobei eine Overtime auf de_nuke und eine dritte Map nötig waren.
Counter-Strike 1.6: Die Neuzugänge machten den Unterschied
Entsprechend der Vorgeschichte, die beide Teams aufzuweisen haben, erwarteten die Zuschauer ein großartiges Finale. Und sie sollten nicht enttäuscht werden: Die erste Map das Finales lautete, wie bei beiden Spielen von mTw zuvor, de_nuke. Und wie in beiden Spielen zuvor konnten die Spieler von mTw auch gegen fnatic ihre Map für sich entscheiden. Doch es sollte die einzige Map für diesen Abend sein, die an mTw ging. Denn fnatic kam nun erst richtig in Fahrt.
Viele mögen Bedenken gehabt haben, dass fnatic zum ersten Mal mit ihrem neuen Lineup auf diesem Event antrat, doch die Kritiker verstummten schnell. Delpan überzeugte mit einer herausragenden AWP-Leistung und bestätigte seine Aussage, wieso fnatic im Finale stand, während SK mit ihrem neuen Lineup schon nach der Gruppenphase die Koffer packen mussten. Co-Moderator threat konnte seine Begeisterung über die grandiosen AWP-Treffer des Neuzugangs der Schweden oft kaum in Worte fassen (während Joe sie leider als Caster immer verfehlt hat und den Zuschauer so nicht an der Begeisterung teilhaben lassen konnte).Doch nicht nur Delpan machte den Unterschied auf de_train. Beide Teams lieferten sich einen offenen Schlagabtausch und so war das Glück und Können auch der anderen Neuzugänge von Nöten, um die Dänen zu bezwingen. Xizt, der an diesem Abend noch eine entscheidende Rolle einnehmen sollte, gewann ein entscheidendes 1on1 für sich, nachdem er nur mit Glück dem herannahenden ArcadioN entwischen, die Bombe legen und selbst mit wenig HP noch die Runde für sich entscheiden konnte.
pita, ebenfalls Neuzugang bei fnatic, konnte immer wieder durch aggressives Pushing überzeugen, sodass er oft hinter den Mannen von mTw stand und so entscheidende Frags für einzelne Runden machen konnte. In der zweiten Overtime konnte fnatic dann letztlich de_train für sich entscheiden und es ging auf die alles entscheidende, dritte Map.Auf de_inferno musste nun also die Entscheidung fallen. mTw, die schon gegen Frag eXecutors eine unterhaltende Partie auf dieser Map boten, konnten auch hier wieder als Counter-Terrorists den angreifenden Terroristen von fnatic Paroli bieten und gewannen die erste Hälfte sogar mit 8:7. Eine gute Ausgangsposition, um als Terror die restlichen nötigen Runden zum Sieg zu holen.
Doch die Rechnung hatten sie ohne Richard ‚Xizt‘ Landström, den Youngster des neuen fnatic gemacht. Dieser wehrte ein ums andere Mal die Rushes der starken Dänen ab und entschied so wichtige Runden. Wie die letzte Runde, die letztlich zum Sieg führte: In einem 1on2 konnte er bei gelegter Bombe die letzten beiden mTw-Spieler ausschalten und den Sieg für sein Team sichern.
Quake: Der Schüler unterliegt dem Lehrer
Damit war der Abend aber noch nicht beendet: Das Quake Live-Finale wartete noch darauf, gespielt zu werden. Es standen sich der Russe Anton ‚Cooller‘ Singov und sein ehemaliger Schüler, Maciej ‚av3k‘ Krzykowski, gegenüber. Cooller gab im Vorinterview zu, dass ihn das Match gegen strenx viele Nerven und viel Kraft gekostet hat. Davon war im Finale selbst dann allerdings wenig zu sehen.
Es hatte den Anschein, als brauchte Cooller die ersten fünf Minuten, um wirklich ins Spiel zu kommen. Kaum hatte das Spiel begonnen, da lag av3k auf ztntourney1 bereits mit 6:0 in Führung. Viele glaubten schon an eine erste Entscheidung, doch Cooller wollte sich so schnell nicht geschlagen geben. Er sicherte sich die Kontrolle über die Map und so dauerte es nicht lange, bis er auf einen Frag an den Polen herangekommen war. In der drittletzten Sekunde vor Schluss schaffte er dann sogar noch das Unmögliche und erzielte mit seinem Frag den Ausgleich, mit dem er av3k in die Overtime zwang. Es vergingen weitere drei Overtimes ohne Frag, bis schließlich in Minute acht Coller ein Fehler unterlief und av3k scheinbar auf die Siegerstraße brachte. Dieser konnte seine Führung allerdings abermals nicht behaupten und verlor so 20 Sekunden vor Ende der vierten Overtime mit 8:7.
Die zweite Map des Abends in diesem Finale hieß dismemberment. Nunmehr ging Cooller in Führung und 30 Sekunden vor Schluss sah es so aus, als würde er auch die zweite Map für sich entscheiden können. Doch av3k gab nicht auf und kam so noch auf ein 3:4 an seinen ehemaligen Lehrmeister heran. Kurz vor Schluss hatte der Pole sogar noch die Chance auf den Ausgleich, dem Shotgun-Schuss konnte Cooller aber noch rechtzeitig ausweichen.Mit einer 2:0-Führung nach Maps im Rücken ließ Cooller nun auf qztourney7 nichts mehr anbrennen. Er baute seine Führung bereits Minuten vor Schluss auf 5:2 aus, sodass av3k nur noch ein frühzeitiges „gg“ übrig bleib. Er musste damit anerkennen, dass er in diesem Turnier den Meister in seinem Lehrmeister gefunden hatte.
StarCraft 2: Der Ukrainer kann seinen Heimvorteil nicht nutzen
Nachdem in Counter-Strike der ukrainische Lokalmatador Na’Vi nur Vierter wurde und in Quake Live erst gar kein Ukrainer antrat, enttäuschte Oleksii ‚White-Ra‘ Krupnyk in Starcraft 2 die Zuschauer nicht. In beeindruckender Manier spielte sich der Ukrainer bis ins Finale durch und traf dort auf den Schweden Jeffrey ‚SjoW‘ Brusi.
Für viele war der Protoss Favorit, hatte er doch schon am vorherigen Wochende ganze drei Turniere für sich entscheiden können. Und SjoW wurde zwar von vielen als solider Terran bezeichnet, doch war seine Mangel an Scouting für viele ein Grund zu behaupten, er würde es nie in die europäische Spitze schaffen.
Für SjoW schien der Weg ins Finale recht einfach zu sein, schlug er doch den Polen Tomasz ‚Tarson‘ Boroń souverän mit 3:0. White-Ra hatte gegen den Briten Ben ‚DeMusliM‘ Baker größere Probleme. Nachdem er bereits mit 1:2 in Maps zurück lag, konnte er den Briten auf Lost Temple und Scrap Station doch noch schlagen und somit mit 3:2 ins Finale einziehen.
Auf der ersten Map Metalopolis wiederfuhr White-Ra das gleiche wie im Halbfinale – er verlor und geriet mit 0:1 in Rückstand. Auf Delta Quadrant sah es zunächst besser aus, sein Void Ray Harass war recht erfolgreich und er konnte im Gegenzug die Drops von SjoW mit geringen Verlusten abwehren. Doch dann passierte das Gleiche wie bereits in der Quake Live-Partie Cooller gegen strenx: Das Netz brach zusammen, Delta Quadrant musste wiederholt werden. Diesmal konnte SjoW sein Macrogame besser aufziehen. Im letzten Fight zerstörte der Schwede mit MMM und Tanks die Units von White-Ra und ging somit mit zwei Maps in Führung.
Xel Nage gab White-Ra und dem Publikum noch einmal Hoffnung, als der Ukrainer die Map für sich entscheiden konnte und somit nochmal auf eine Map heran kam. Scrap Station sollte die letzte Map zwischen den beiden Spielern werden. Nachdem SjoW mit massivem Workereinsatz den Four-Gate Push abwehren konnte, setzte er zu Gegengo an und konnte damit den Ukrainer in die Knie zwingen. Somit ist Sjow um 7.500 US-Dollar reicher und ist amtierender Gewinner der European Finals der Intel Extreme Masters V.
Fazit: Die Gewinner sind die Zuschauer
Damit ging ein überaus spannender Abend des noch jungen Jahres zu Ende, der, sowohl in Quake Live als auch in Counter-Strike 1.6, eine hoffentlich wegweisende Richtung übernimmt. Denn mit ungefähr 50.000 Zuschauern in Counter-Strike 1.6 und ungefähr 35.000 Zuschauern bei Quake Live kann wohl niemand behaupten, dass das Spiel tot (Counter-Strike 1.6) oder uninteressant (Quake Live) sei. Lediglich StarCraft 2 büßte in den späten Abendstunden an Zuschauern ein. Dies scheint in Anbetracht der grandiosen Finalspiele aber nur ein kleiner Wermutstropfen.


