Wenn am 31. Januar die neue CSPromod Version 1.05 erscheint, dann beginnt vielleicht eine neue Ära des kompetitiven Counter-Strikes. Viele Veränderungen, die das Spiel mit sich bringt, werden der Königsdisziplin einen neuen Aufschwung bescheren. Eine Bestandsaufnahme mit hoffnungsvollem Blick in die Zukunft von Tom ‚bumbum‘ Gürke.
Vorgeschichte
Da der Programmiercode von Counter-Strike 1.6 nie veröffentlicht wurde, ist das vorläufige Ziel der CSPromod Entwickler das Gameplay von CS 1.6 so detailgetreu wie möglich zu kopieren. Dazu gehört das Movement, die Streuung der Waffen, die Physik und die Kombination dieser Eigenschaften. Für die Macher vom CSPromod stellt dies eine größere Herausforderung dar als zunächst angenommen. Die sehr lange Entwicklungszeit der Modifikation lässt sich vor allem dadruch erklären, dass das komplette Projekt von unbezahlten Programmierern und Grafikern vorangetrieben wird. Über die Jahre hinweg wechselten die hauptverantwortlichen Mitarbeiter, wobei deren Arbeit dabei teilweise im Streit verloren ging. Dabei wurden Fehler begangen, so dass unfertige und fehlerhafte Versionen an die Öffentlichkeit gelangten.
Bis heute wird das Spiel nicht allzu häufig gespielt – und doch wurde das Projekt nie als gescheitert erklärt. Das Entwicklerteam ist zuversichtlich, dass sich der CSPromod früher oder später zum perfekten eSport-Titel mausert. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und so möchte man nun, exakt ein Jahr nach nach dem Release von Version 1.04, am 31. Januar 2011 CSPromod 1.05 veröffentlichen. Wahrscheinlich wird auch diese Version viele der berechtigten Forderungen der Community nicht erfüllen. Der Changelog lässt allerdings bereits erahnen, wohin es mit dem Projekt noch gehen wird. Wenn die Entwickler das Gameplay von Counter-Strike 1.6 in die neue Version erfolgreich übernehmen können, dann ist der erste Meilenstein definitiv erreicht.
Der Bug – Fluch oder Segen?
Bevor man auf den CSPromod umsteigt, sollte sich zunächst jeder die aktuellen Situation von Counter-Strike 1.6 vor Augen führen. Möchte man erfolgreich Counter-Strike spielen, ist eine Sache besonders wichtig: sich in einer Runde einen taktischen Vorteil zu verschaffen; ein besonders gern‘ gepredigter Spruch von Szeneliebling David ‚CHEF-KOCH‘ Nagel. Auf der Overview kann man dies manchmal sehr schön beobachten, wenn beispielsweise gespielte Fakes erfolgreich aufgehen. Gestoppt wird man dann meist nur von einem – der Bugkante. Ein bei vielen Spielern immer noch unbekanntes Element im Spiel ermöglicht es, durch eine Kante, die sich rechts von einem befindet, seinen Kopf zu verdecken, um so weniger Schaden zu nehmen beziehungsweise überhaupt keinen Headshot zu kassieren. Das hat auch zur Folge, dass man vom Gegner später wahrgenommen wird und somit einen klaren Vorteil hat. Als Faustregel gilt dabei: im Stehen der letzte Schritt nach rechts, im Ducken nach links.
Dieser Bug lässt sich besonders gut in den Statistiken von HLTV.org wiederfinden. Die Counter-Terrorists gewinnen prozentual gesehen auf jeder der fünf Standardmaps die Pistolenrunde. Außerdem werden 2,3 mal mehr Frags mit der USP erzielt, als mit der Glock – alles Auswirkungen der berühmten Bugkante. Natürlich ist die USP generell die stärkere Waffe, dennoch ist die Kombination aus langer Distanz und Bugkante streng genommen eine höchst unausbalancierte Gegebenheit im Spiel. Doch genau dies macht das Positionsspiel in Counter-Strike 1.6 so extrem wichtig und ist eines der wichtigsten taktischen Spielelemente im Spiel – und wird es auch im CSPromod bleiben.
CSPromod ist fair
Falls der große Umschwung erfolgt, wird sich das Niveau im Allgemeinen und die Vielfalt der gespielten Taktiken im Speziellen zwangsläufig erhöhen, denn alle derzeitigen Kritikpunkte an Counter-Strike 1.6 kann der CSPromod mühelos lösen.
Smokegranaten werden wieder eine größere Rolle spielen, da sie auf Grund ihrer Dreidimensionalität undurchsichtig sind und man nur eine Granate benötigt, um jemandem die Sicht zu versperren – „Füße gucken“ und „Xektor Smokes“ adé.
Die „goldene“ Ära verkommt zur weißen. Der erst kürzlich von Fatih ‚gob b‘ Dayik ausführlich erklärte Bug in Counter-Strike 1.6 bewirkt Folgendes: Wird ein Spieler komplett geflasht und steht während des Abklingens des Flasheffekts im Wirkungsradius einer weiteren Flash, dann ist dieser wieder komplett blind. Der Knackpunkt dabei: es ist völlig egal, wo die zweite Flash explodiert. Diesen Effekt wird es in CSPromod nicht mehr geben, wodurch Deckungen und Positionen wieder länger besetzt bleiben dürften und somit den Terroristen das Durchkommen erschwert wird.
Den am meisten kontrovers diskutieren Kritikpunkt an Counter-Strike 1.6 kann der CSPromod problemlos ausstechen: den Netcode. Der wurde eigens von den Entwicklern geschrieben und leistet schon jetzt hervorragende Arbeit und wird in Zukunft den einen oder anderen pensionierten Counter-Strikeler wieder von der Couch vor den Monitor holen. Auch schlecht an das Internet angebundene Spieler mit hohen Pings könnten im Promod wieder zurückschießen.
Ein weiterer Pluspunkt ist die acht Jahre alte Source-Engine, auf der der CSPromod zur Zeit läuft. Diese wurde über viele Jahre hinweg immer wieder von Valve weiterentwickelt und optimiert und läuft heute auf jedem Low-Budget-Rechner problemlos. Einer großen Verbreitung des Promods steht somit, auf technischer Seite, nichts im Wege.
Eine Chance für die ESL
Schaut man sich die CSPromod-Sektion in der ESL an, so stellt man fest, dass man sich derzeit auf den nahenden Release vorbereitet – eine lobenswerte Entscheidung. Bleibt nur zu hoffen, dass sie dem Namen PROmod auch gerecht werden und möglichst keine unnötigen (Spaß-)Ligen erstellen, die für die Entwicklung von Counter-Strike mehr als hinderlich sind. 5 gegen 5 ist der Spielmodus, der Counter-Strike groß gemacht hat und uns heute alle vor den heimischen Monitoren zum Jubeln bringt – und vielleicht bejubeln wir ja bald gelungene Aktionen in einem neuen, uns aber sehr vertrauten Spiel.