Er ist einer der erfahrensten und schillernsten Persönlichkeiten der DotA-Szene. Jacob ‚Maelk‘ Toft-Andersen spielt konstant auf höchstem Niveau, ist langjähriger Team-Kapitän von Meet Your Makers und Dänemark. Mit readmore.de spricht er über die Entwicklung der Szene, die Auswirkungen des Erscheinens von HoN und LoL und seine Erwartungen an Dota 2.
readmore.de: Du spielst DotA seit bereits sieben Jahren, hast du das Gefühl, dass das Interesse an dem Spiel langsam nachlässt?
Jacob ‚Maelk‚ Toft-Andersen: Diesen Juni werden es sieben Jahre sein. Ich glaube, dass es weniger Interesse von grösseren Organisationen gibt. Diese widmen HoN und LoL zurzeit viel Aufmerksamkeit. Teilweise weil viele DotA-Teams in der Vergangenheit durch unprofessionelles Verhalten aufgefallen sind und es wenig Turniere gibt, wo sich die Organisationen beweisen könnten.
readmore.de: Was sind die Konsequenzen aus dem gesunkenen Interesse großer Organisationen? Was genau hat sich seit dem Release von HoN und LoL verändert?
Maelk: Es gibt viel weniger Offline Turniere, auch wenn die Online Turniere viel höhere Preisgelder haben, als jemals zuvor. Desweiteren nehmen weniger Teams das Spiel so ernst, wie sie es mit einer großen Organisation im Rücken täten. Das ist etwas, was mir immer sehr gefallen und mich motiviert hat. Die zwei neuen Spiele haben viele neue Spieler angezogen und plötzlich fingen die Sponsoren und Organisationen an, dort zu investieren. Meiner Meinung nach ist das aber bloß ein Versuch, Vorreiter bei neuen Projekten zu sein, um dort etwas vom Kuchen zu bekommen.
readmore.de: Denkst du, dass die Ankündigung von DotA 2 der Szene hilft, anstatt alle drei Spiele eine Art Warteschleife zu befördern?
Maelk: Ich glaube, es wird die Sponsoren veranlassen weiterhin ein Auge auf DotA zu haben, anstatt all ihre Ressourcen in HoN oder LoL zu investieren. Genau wie es bei den StarCraft: Broodwar der Fall war. Teams und Spieler wurden neu beschäftigt, Monate bevor StarCraft 2 erschien. Mein persönlicher Wunsch ist, dass sich mit DotA 2 alle Szenen vereinigen und sowohl HoN als auch LoL langsam verschwinden.
readmore.de: Planen du und das Team einen kompletten Wechsel zu DotA 2, sobald es erscheint?
Maelk: Defintiv.
readmore.de: Du hast ja bereits gesagt, dass Organisationen weniger motiviert sind, neue DotA Teams aufzunehmen und doch haben SK, EG oder fnatic HoN-Teams aufgenommen. Denkst du, HoN-Spieler sind professioneller?
Maelk: Nein, ich denke, das ist einfach eine Modeerscheinung. Anders als Counter-Strike oder StarCraft 2, werden die HoN-Teams entlassen, sobald ein neues Spiel in dem Genre kommt, in diesem Fall DotA 2.
readmore.de: Im Gegensatz zu DotA, steht bei LoL und HoN ein richtiger Entwickler hinter dem Spiel. Es wird angenommen, dass genau das an DotA fehlt – eine Firma, die das Spiel finanziell unterstützen kann. Könnte das ein entscheidender Unterschied sein, der diese Spiele erfolgreicher machen könnte.?
Maelk: Dieser Faktor spielt mit hinein, aber ich denke, dass andere Sachen wie Grafik, Matchmaking, Laddersysteme und die vielen Dinge wie die Warcraft 3-Engine eine größere Rolle spielen. Würde die ganze DotA-Community auf einer Plattform spielen können, anstatt auf hunderten verschiedenen, wäre das Spiel sicherlich erfolgreicher.
readmore.de: Die ESL hat kürzlich LoL in die Featured EPS berufen. Es wurden 10.000 Euro Preisgeld ausgeschrieben. Eine Chance, die DotA nie gewährt wurde. Wieso hat sich die ESL für LoL entschieden, statt DotA oder HoN zu wählen?
Maelk: DotA hatte seine Chance in der ESL, obgleich mit weniger Preigseld, aber hat es nie geschafft, sich zu etablieren. Vermutlich aufgrund von grobem Fehlverhalten seiten der Teams. LoL ist ein leicht zugängliches Spiel, ist damit für Jedermann attraktiv, ohne eine harte Lernkurve zu haben oder allzu viel Skill zu erfordern. Das macht es derzeit zu einem populärem Spiel – noch.
readmore.de: Man sollte meinen, die DotA-Spieler hätten aus Erfahrung gelernt. Es gab damals viele Diskussionen zwischen Warcraft 3-Anhängern und DotA-Spielern über die Skillunterschiede zwischen beiden Spielen. Heutzutage sind es hingegen die DotA-Spieler, die auf HoN und LoL herab schauen. Ein großes Problem für die Szene?
Maelk: Der Unterschied liegt darin, dass Warcraft 3 und DotA zwei grundverschiedene Spiele sind, während DotA, LoL und besonders HoN sehr ähnlich sind. Daher ist es auch einfacher diese einzuschätzen. Ich persönlich schaue nicht auf HoN-Spieler herab. Die HoN-Szene hat einige sehr talentierte Spieler. Während ich allerdings LoL gespielt und beobachtet habe, musste ich feststellen, dass es große Unterschiede zu den individuellen Fähigkeiten in DotA gibt.
readmore.de: Was genau unterscheidet LoL von DotA? oder HoN, dass deiner Meinung nach weniger Skill erfordert?
Maelk: Einmal glaube ich, dass es ein großer Fehler war, die Möglichkeit zu denien aus dem Spiel zu nehmen, auch wenn ich die Gründe dahinter verstehe. Ich kann dem einfach nicht zustimmen. Weiterhin ist es viel zu einfach, Spells zu nutzen und nicht annähernd so komplex in Timing und Präzision wie in DotA/HoN. Da gibt es noch weitere, viele kleinere Dinge, die im Zusammenspiel ein anderes Spielerlebnis erzeugen.
readmore.de: Gibt es einen Unterschied zwischen HoN und DotA?
Maelk: Ja, es gibt einen Unterschied zwischen HoN und DotA, jeder der beides gespielt hat, wird dem, unabhängig von der persönlichen Präferenz, zustimmen. Es sind genau wie bei LoL viele kleine Sachen, die den Unterschied ausmachen.
readmore.de: Denkst du, dass Spieler von HoN zu DotA und umgekehrt wechseln könnten, ohne ihre Fähigkeiten einzubüßen?
Maelk: Ja, im Grunde genommen funktioniert das in beide Richtungen. Es kommt aber ausschließlich darauf an, wie gut derjenige sich an das Spiel anpassen kann, und ob er möglicherweise mit dem neuen Spiel besser zurecht kommt. Ein gutes Beispiel einer Person, die erfolgreich wechselte, ist Kai ‚H4nn1‘ Hanbueckers. Ich glaube, er stand als bester Allround Player des Jahres 2010 zur Wahl.
readmore.de: Er hat die Auszeichnung sogar gewonnen.
Maelk: Ah stimmt, er hat gewonnen. Ich habe H4nn1 immer für einen der talentiertesten Europäer gehalten, die jemals in DotA in Erscheinung traten.
readmore.de: Die Spieler, die in der Szene bekannt sind, haben sich kaum geändert. Wenn man sich die Teams von MYM Prime Nations anguckt, dann sieht man viele Spieler, die schon jahrelang in der DotA Szene mitwirken, aber kaum neue Gesichter. Was ist der Grund für den Mangel an jungen talentierten Spieler?
Maelk: Natürlich ist Erfahrung eine wichtige Sache in DotA, genauso wie in jedem anderem Spiel, aber ich fürchte daran ist die Exklusivität der Inhouse-Ligen schuld. Es ist schwierig für Spieler, die praktisch noch ungeschliffene Diamanten sind, sich weiter zu verbessern, wenn sie nicht in einem konkurrenzfähigem Umfeld spielen können. Stattdessen einfach jeden Tag public Spieler schlagen. Viele Spieler bekommen einfach keine Chance, und wenn sie doch eine bekommen, kann eine schlechte Stimmung im Team die Verbindung zur Szene zu schnell wieder trennen, viel früher als sie es verdient hätten.
Aber dennoch glaube ich, dass es viele Spieler geschafft haben, ihr Talent unter Beweis zu stellen und als Newcomer gesehen werden. In Schweden, Frankreich und Amerika gibt es viele Spieler der nächsten Generation und ich weiß, dass Dänemark sehr viele junge Talene für den Nationscup gescoutet hat.
readmore.de: Du bist wieder einmal Team Captain von Dänemark. Was sind deine Ziele für MYM Prime Nations Elite?
Maelk: Es sind die gleichen Ziele wie bei vergangen Prime Nations oder dem ENC: Zu zeigen, was wir drauf haben, und das auf die möglichst spannendste Weise. Wir sind nicht unbedingt glücklich darüber, dass man die Limitierung von drei Spieler aus demselben Clan aufgehoben hat nur um Nationen zu belohnen, die ihren Talenten keine Chance geben. Unser Team wird sich dennoch an die Regulierung halten, auch wenn diese nicht mehr aktiv ist, und ein wenig Vielfalt im Versuch zeigen, Gold zu holen, nicht bloß eine Top 3 Platzierung.
readmore.de: Ihr nehmt freiwillig ein Handicap in Kauf, aufgrund einer Regel, die es nicht gibt?
Maelk; Ja, ich vertraue unserem komplettem Lineup, nicht nur den MYM-Spielern. Ich bin der Ansicht, dass einer der Vorteile von Nationscups der ist, dass neue Talente ihre Fähigkeiten präsentieren können, unabhängig davon, bei welchem Team sie spielen. Leider teilen andere diese Ansicht nicht. Das ist sehr bedauerlich, sowohl für aufstrebende Spieler speziell, als auch die Community generell.
readmore.de: Doch anstatt auf frische Spieler zu setzen, hab ihr euch kürzlich entschieden den etablierten Misery zurück in das MYM-Lineup zu holen. Ist er der Schlüsselfaktor für euren neuen Erfolg?
Maelk: Wir hatten Misery noch nie in unserem Lineup, er war im altem Ravens Team mit miGGel und Angel, deswegen ist es für uns alle eine neue Erfahrung. Wir haben ihm schon im Juli 2010 ein Angebot unterbreitet, er entschied sich aber Donalds Team weiterhin zu unterstützen. Ich glaube aber, er hat inzwischen gemerkt, was er zu tun hatte, um sein Potential auszuschöpfen. Er ist defintiv ein Schlüssel zum Erfolg in unserem Team. Seine Fähigkeiten sind Weltklasse und er passt perfekt zum Rest des Teams. Ich hatte anfangs meine Bedenken, aber die sind verflogen. Es ist eine Freude mit ihm zu spielen.
readmore.de: Ist es wichtiger individuell starke Spieler unter einem Dach zu haben, als auf ein gut funktionierendes Team basierend auf Freundschaft?
Maelk: Nein, auch wenn es so erscheinen mag, als ob MYM immer versucht hat, individuell starke Spieler zu holen. Unser primäres Ziel war immer, die Chemie im Team zu erhalten. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, wieso Mania, Push und ich über all die Jahre hinweg immer noch zusammen spielen. Für mich sind die Beiden sehr wichtig, aber das kann bei anderen Teams anders sein. Ich habe den Eindruck, dass einige von denen zunächst die Besten holen, und erst danach Vertrauen aufbauen.
readmore.de: Demon sagte in einem Podcast, dass Misery die Rolle des Hard-Carry im Team übernehmen wird. Ist es immer noch so wichtig, einen Hard-Carry zu haben?
Maelk Das ist wahrscheinlich eine Sache, die sich nie ändern wird: Einen Schlüsselheld unterschiedlicher Art, der den meisten Farm bekommt, wird es immer geben, überall. Es mag varieren, welcher Heldentyp das ist – von Drow Ranger und Medusa über Alchemist oder Necrolyte – aber ein Held wird immer aus dem Rest hervorstechen.
readmore.de: Viele Amateur-Mannschaften neigen dazu, die Rolle des Supporters dem schwächsten Spieler im Lineup zu geben. Sobald talentierte Spieler zu größeren Teams wechseln, müssen sie ihre Rolle überdenken, beispielsweise von Gang auf Support wechseln. Gibt es einen Mangel an gut ausgebildeten Support-Spieler?
Maelk: Die Supporter Rolle scheint sehr simpel und einfach zu sein. Sie bietet Spielern die Möglichkeit, sich der Verantwortung, das gesamte Team über späte Phasen des Spiels zu tragen, weil sie nicht imstande sind, ausreichend Farm zu finden, oder schlecht Lasthitten, zu entziehen. Viele Support-Spieler denken ganz selbstverständlich, dass sie gut wären, weil sie die einzigen sind, die diese Rolle übernehmen wollen. Aber es steckt mehr dahinter als Wards zu setzen und nicht zu feeden. Ich bezweifle, dass irgendjemand unser Team so gut supporten könnte wie Pusher. Wenn ich es versuche, ist das Team mit meiner Leistung nicht wirklich zufrieden.
Andererseits gibt es Teams, die Support-Spieler haben, die nicht auf einem Niveau mit dem Rest des Teams sind. Diese Teams waren wahrscheinlich dazu gezwungen, jeden zu nehmen, der die Rolle ausfüllen wollte, oder es handelt sich um einen Spieler, der dem Team auf einer anderen Ebene hilft, stimmungs- oder führungstechnisch. Sie wären aber bessern dran, wenn sie jemanden finden würden, der die Rolle übernimmt und auf dem Niveau des Rest des Teams spielt.
readmore.de: Das heißt, ein guter Support Spieler zu sein ist eher eine Frage des eigenen Egos?
Maelk: Nein, diese bestimmte Rolle erfordert sozusagen mehr einen gestandenen Mann, als jede andere Rolle. Die Fähigkeiten müssen auf dem Niveau vom Rest des Teams sein, um erfolgreich zu sein. Man kann Spieler wie Misery oder Pusher nicht vergleichen, keiner könnte die Rolle des anderen so ausfüllen, wie das bislang der Fall ist.
readmore.de: Wer sind im Moment eure stärksten Gegner in Europa?
Maelk Na’vi, GG.net und vom Potential her DTS, wenn sie hart an sich arbeiten. Und das werden sie. Obwohl viele der Ansicht sind, der Wettbewerb wäre einseitger denn je, glaube ich, dass es noch nie so eng war. Um an Europas Spitze zu bleiben, bist du gezwungen, viele viele Stunden zu trainieren. Es gibt ungefähr 12-16 Teams in Europa, die sich gegenseitig schlagen können.
readmore.de: Im Spiel gegen GG.net in der Pick League hast du dich mithilfe einer Crow mit dem Furion zum gegnerischem Fountain teleportiert, um das gegnerische Chicken zu töten. Ist das wirklich kosteneffektiv oder gab es einen speziellen Grund für diese Strategie?
Maelk: Die Investition ist es auf jeden Fall wert. Man schadet dem gegnerischen Support-Hero, der sich wahrscheinlich weit weg vom Fountain befindet und ohnehin nicht das Geld hat, ein neues Chicken zu kaufen. Dementsprechend lähmst du ihre Lanes, bis sie es schaffen ein neues zu besorgen. Ironischerweise wird die Strategie effektiver, je länger es dauert, einen ihrer Helden zu töten.
readmore.de: Warum wurde sowas nicht früher ausgenutzt?
Maelk: Wurde es. So gern ich mich mit dieser brilliante Idee rühmen würde, es geht nicht. Ich hab es beim alten Lineup vom brasilianischen Team CNB gesehen, und war sofort verliebt. Furion ist ein sehr situationsabhängiger Held, aber mit der neuen Popularität vom Clockwerk, hat auch sein Nutzen zugenommen.
readmore.de: Es gibt ein neues Item, smoke of deceit. Wird es eine brauchbare Option in Turnieren darstellen?
Maelk: Ja, es ist sehr effektiv um Ganks vorzubereiten oder um den Gegner in eine Unterzahlsituation zu locken. Besonders nützlich gegen Teams, die sehr viel warden. Es ist nur eine Frage der Zeit bis das Item 24/7 genutzt wird. Es macht bis auf 900 Reichweite unsichtbar und man kann auch von Wards nicht gesehen werden.
readmore.de: Die Turnierkarten scheinen sich oft zu ändern. Es wird häufig auf die neueste Version statt der stabilen gesetzt. Erhöht das die Zuschauerfreundlichkeit durch die Variabilität oder stört es den Wettbewerb eher, weil Teams weniger Zeit haben sich auf die neue Version einzustellen?
Maelk: Einerseits könnte man das natürlich so sehen, dass alle Teams gleich stark davon betroffen sind, andererseits haben die Teams einen Nachteil, die an Ligen und Turnieren teilnehmen, die immer noch die stabile Map verwenden. Aber die Zuschauer sind sicher mehr daran interessiert, Spiele zu verfolgen, die auf der Map ausgetragen werden, die sie selbst spielen. Anstatt der alten akzeptierten Version.
readmore.de bedankt sich für das Gespräch.