Für ungläubiges Kopfschütteln sorgte die Ankündigung seitens n!faculty, in der Sommersaison auf junge, weitgehend unerfahrene Spieler zu setzen. Nach den ersten beiden Pflichtspielen bat readmore.de Ralph ’nokz‘ Quidet zum Gespräch: Der junge Österreicher über sein neues Zuhause, die unzureichende Situation in der Alpenszene und „Aufgaben, die wenig Köpfchen benötigen“.
readmore.de: Als euer Team vorgestellt wurde, wirkte das auf den ersten Blick ziemlich zusammengewürfelt. Zwei Spieler von Bouncer4You, Kirby von Hardware4u, sh4dow von ESC und du von plan-B. Wie kam es denn zu dieser Konstellation?
Ralph ’nokz‘ Quidet: Nachdem Alen (prophe7), Tarek (ProoF) und ich vorhatten, gemeinsam in einem EPS-Team zu spielen, haben wir zwei weitere Spieler gesucht. Nach vielen Testgames mit möglichen Lineups, sind wir irgendwann auf Chris (sh4dow) und André (Kirby) gestoßen. Sie hatten zuerst vor, mit einem anderen Team in die EPS einzusteigen. Als diese Option für sie nicht mehr verfügbar war, hat es sich ergeben, dass wir fünf angefangen haben, intensiver zusammenzuspielen. Wir haben schnell gemerkt, dass die Atmosphäre in dieser Konstellation sehr gut ist. Die Motivation hat gepasst und wir haben uns auch deswegen für dieses Lineup entschieden.
readmore.de: Dass ihr als relativ unerfahrenes Team das neue Aushängeschild von n!faculty werden solltet, hat für doch recht negative Reaktionen gesorgt. Kannst du kurz schildern, wie ihr zum Traditionsclan gekommen seid?
nokz: Nachdem wir fünf uns gefunden haben, haben wir von Bakr, dem Bruder von Tarek, erfahren, dass das Management von n!faculty in Zukunft auf ein junges und motiviertes Team setzen möchte. Daher kam das Interesse, sie hatten ein Auge auf uns geworfen. Nach einem ausführlichen und konstruktiven Gespräch hat sich dann relativ schnell ergeben, dass wir n!faculty im CS-Bereich repräsentieren dürfen.
Die Reaktionen nach der Vorstellung kann ich verstehen – wenn ich nicht Teil von n!faculty gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert. Wir haben nichts anderes erwartet als eine negative Reaktion seitens der Community und fanden manches, was da geschrieben wurde, eigentlich sogar recht lustig. Ich möchte der Community nichts vorwerfen, denn wenn man die bisherigen Leistungen unserer alten Teams betrachtet, kann man eigentlich kaum von uns erwarten, an die Leistung von chrizzo und co. anknüpfen zu können. Nachdem wir jetzt die ersten Spiele bestritten hatten, hat sich das ganze etwas gebessert. Ich denke, die Community sieht, das wir auch etwas dafür tun, diesen Namen tragen zu dürfen.
readmore.de: Was zeichnet die Organisation n!faculty aus, wie ist es, für einen der alteingesessensten und erfolgreichsten deutschen Clans zu spielen – gerade im Vergleich zu deiner vorherigen Station, plan-B?
nokz: Wenn man die Situation in den Alpen betrachtet, kann man über den Support von plan-B an sich doch recht zufrieden sein. In Deutschland, und ganz besonders bei n!faculty, ist es etwas ganz anderes. n! ist ein Verein mit einer Vielzahl von Mitgliedern und Anhängern, mit einer klaren Struktur und Führung, die so – in Deutschland oder selbst international – sehr selten ist. Daher bin ich, als eines der neuen n!faculty-Mitglieder, sehr begeistert. Kurz gesagt: n!faculty ist im Vergleich zu meinen alten Organisationen in jeder Hinsicht professioneller. Ich bin froh, dass uns n!faculty diese Chancen gibt und bin stolz, in diese großen Fußstapfen treten zu dürfen.
readmore.de: n!faculty hat durch das Vereinsheim in Köln eigentlich eine hervorragende Bootcamp-Location. Nun sind mit prophe7 und dir zwei Österreicher im Team, die Anreise dürfte eine beschwerliche Sache sein. Wie oft kommt ihr überhaupt in den Genuss dieser Möglichkeiten?
nokz: Wir kommen natürlich nicht oft dazu, das Vereinsheim zu besuchen. Aber es ist fest geplant, dass wir in dieser Saison noch mindestens einmal das Vereinsheim besuchen werden, um unser Spiel dort noch effektiv zu verbessern.
readmore.de: Zieht die Entfernung noch andere Probleme mit sich?
nokz: Abgesehen von der fehlenden Möglichkeit, das LAN-Haus öfters zu besuchen, haben wir eigentlich keine allzu spannenden Probleme. Sicher wäre es ein tolles Gefühl, wenn Alen und ich auf deutschen Servern einen besseren Ping hätten. Da wir uns aber schon daran gewöhnt haben, ist es keine große Sache. Es kommt hin und wieder vor, dass ich ein schlechtes Trace-Routing zu bestimmten deutschen Anbietern habe, was aber auch kein Problem darstellt, weil wir dann einfach auf einen anderen Server wechseln. Dafür freuen wir uns umso mehr, wenn wir mal im LAN spielen können.readmore.de: Es ist deine erste Saison in der deutschen Königsklasse. Wie unterscheidet sich die deutsche EPS von der Alpenszene?
nokz: Die deutsche EPS ist – mit einem Wort – besser als die Alpenszene.
Als ich damals in die Alpen-EAS eingestiegen bin, hatte ich noch die Hoffnung, dass sich die Situation in der Alpenszene irgendwie verbessern könnte. Mittlerweile hat sich diese so verschlechtert, dass für die letzten zwei Alpenfinals nicht einmal eine gut ausgerüstete Location verfügbar war.
Diese Saison hat man beschlossen, die Finals online auszutragen. In CS 1.6 hat man aber den Spielern zumindest die Möglichkeit gegeben, aus der AREA52 zu spielen. Es ist aber zu vielen Schwierigkeiten gekommen, weil beispielsweise SFTO nur teilweise dort war und die Internetverbindung nicht aufrecht erhalten werden konnte. Das führte letztlich dazu, dass SFTO sich dazu entschieden haben, plan-B einen Defwin zu „schenken“, da sonst alle weiteren Spiele komplett online hätten ausgetragen werden müssen. Außerdem konnte ich an diesen Finals nicht teilnehmen, weil sich die Alpen-EPS und deutsche EPS überschneiden.
readmore.de: War die Trennung der Alpensektion von den deutschen Ligen rückblickend also ein Fehler?
nokz: Ich weiß ja nicht, was sich der Verantwortliche für die Trennung gedacht hat, aber der Großteil der Alpen-Community war von Anfang an gegen diese Entscheidung. Damals wurde schon prophezeit, was sich jetzt herausstellt: Dass diese Idee ein großer Reinfall wird. Die Leute, die hinter der Alpenszene stecken, haben natürlich versucht, das Beste aus der Situation zu machen und gute Arbeit geleistet. Mittlerweile denke ich aber, dass sie einfach damit überfordert sind, eine attraktive Alpensektion zustande zu bringen. Die Zusammenlegung der beiden Ligen wäre ein Traum eines jeden Alpenspielers. Aber das wird wohl oder übel ein Wunschtraum bleiben.
readmore.de: Zurück nach Deutschland. Ihr wurdet mit SFTO, Leisure und myRevenge in eine relativ machbare Gruppe gelost. Wie schätzt du die Gegner ein und was erhofft ihr euch von der Saison?
nokz: Ich bin recht zufrieden mit der Gruppe, weil wir ein schwierigeres Los hätten bekommen können. Ehrlich gesagt kann ich alle drei Teams nicht wirklich einschätzen. Leisure und myRevenge sind zwei Teams, von denen man bis jetzt noch nicht viel sagen kann, weil sie in dieser Konstellation erst ein bis zwei EPS-Spiele bestritten haben. SFTO hatte einen kleinen Wechsel vor unserer Begegnung, welcher sie so kurz vor dem Match etwas geschwächt hat.
Auf jeden Fall wollen wir in der Saison die Playoffs erreichen – ob wir dann eine Runde weiter kommen, zeigt sich später. Das Engagement und Potenzial ist jedenfalls vorhanden, das sehen wir nicht nur an den Trainingsergebnissen.
readmore.de: Wie stehst du allgemein zum neuen EPS-System?
nokz: Ich habe in der Vergangenheit die deutsche EPS verfolgt und glaube, dass sich mit dem neuen System die Einstellung zur EPS ändern wird. Die Spannung in den jeweiligen Spielen ist größer, weil jeder Sieg wichtig für das Team ist – und letztlich macht es das auch für die Zuschauer attraktiver.
readmore.de: Ihr habt vor der Saison beim TBH-Cup mitgespielt und unter anderem mit einer starken Leistung gegen den prominent besetzen Gastgeber überrascht. Wie sehr taugen diese Ergebnisse als Gradmesser für eure Leistungsfähigkeit? Denkst du, ihr könntet auch in etwaigen Playoffs mit Teams wie TBH, Alternate oder gar mousesports mithalten?
nokz: Ich denke schon, dass wir mithalten können. Das wissen wir auch. Es ist aber nicht unmöglich, dass wir gegen Teams wie das neue ESC, TBH, Alternate oder mouseports komplett untergehen. Man kann auch gegen vermeintlich schwächere Teams verlieren, wie es sich oft in der Vergangenheit bei mouz und Alternate gezeigt hat. Glück ist ein kleiner, aber manchmal entscheidender Faktor. Ich hoffe daher, dass wir nicht allzu nervös oder aufgeregt sein werden, wenn es darauf ankommt und dadurch schlechtere Entscheidungen treffen. Wir sind eben noch ein sehr junges Team, also können da noch Fehler passieren.
readmore.de: Ihr habt euch jetzt, nach fünf „offiziellen“ Spielen einigermaßen gefunden. Wie würdest du euren Spielstil charakterisieren, welchem Spieler werden welche Aufgaben zuteil?
nokz: sh4dow ist unser ältester und erfahrenste Spieler, daher übernimmt er die Aufgabe des Ansagers. ProoF hilft ihm dabei, weil er bei seinen bisherigen Teams auch angesagt hat. Kirby und prophe7 sind zwei sehr aimstarke Spieler, die eine Runde alleine holen können. Mich selber sehe ich eher als den „Neuen und Unerfahrenen“, weil ich ja meine erste deutsche EPS-Saison bestreite. Ich übernehme oft die Aufgaben, die nicht viel Köpfchen brauchen. Unser Spielstil ist meiner Meinung nach sehr organisiert und im Vergleich zu meinem alten Team teilweise sehr variabel und durchdacht.readmore.de: In eurem ersten Ligamatch gegen SFTO fiel auf, dass ihr vor allem als CT sehr offensiv gespielt habt und Runden sehr schnell für euch entscheiden konntet. Wie passt das zum „durchdachten Spielstil“ und setzt ihr da auf dieses Überraschungsmoment?
nokz: Ich denke nicht, dass wir gezielt auf eine Taktik oder einen Spielstil setzen. Es hängt von den Gegnern und der Situation ab. Wir wussten, dass es aufgehen wird, wenn wir gegen SFTO früh stören. Genauso kann es auch sein, dass wir gegen andere Gegner anders agieren. Jedenfalls haben wir fähige und aimstarke Spieler, und können eben durchaus auch aggressive Taktiken in unser Spiel einfließen lassen.
readmore.de: Ihr habt zwei Anti-Ecos und ein paar Überzahlsituationen recht leichtfertig abgegeben – merkt man in solchen Situationen, dass vielleicht doch noch etwas die Routine fehlt?
nokz: Klar kann man sagen, dass es an der fehlenden Routine lag. Solche Situationen besprechen wir auch im Training und wir haben uns auch teilweise selber an den Kopf gegriffen, nachdem wir die eine oder andere Runde verschenkt hatten. Man muss aber dazu sagen, dass es unser erstes EPS Spiel war und zumindest ich ziemlich nervös war. Wer das Spiel mitverfolgt hat, hat vielleicht mein verlorenes 1on1 gegen tankJr gesehen. Ich habe zu dem Zeitpunkt des 1on1s zu sehr gezögert und daher die Situation ziemlich schlecht gehandhabt. Das lag eben auch an der Aufregung. Bei den verlorenen Anti-Ecos haben wir uns falsch entschieden und dem Gegner die Runde leicht gemacht. Das waren alles Fehler, die wir eigentlich zu vermeiden versuchen und die das Spiel unnötig in die Länge ziehen. Fehler, die wohl auf die fehlende Routine hinweisen. Aber alles in allem haben wir daraus gelernt, und können mit dem ersten Sieg der Saison zufrieden sein.
readmore.de bedankt sich für das Gespräch.


