Dennis Gehlen ist ein vielbeschäftigter Mann. Gesicht der deutschen ESL, Pate von TaKeTV, Ausrichter des HomeStoryCups und momentan mitten im Umzug in die neue, größere Wohnung. Im Gespräch mit readmore.de spricht TaKe über die neue Selbstständigkeit, seinen täglichen Arbeitsaufwand, das neue Projekt TaKeTV.net und sein angespanntes Verhältnis zu Sebastian ‚HomerJ‘ Schenck.
readmore.de: Gehen deine Freunde noch ans Telefon, wenn du anrufst?
Dennis ‚TaKe‚ Gehlen: Manchmal wollen sie zwar schon schlafen oder haben keine Lust mehr, von mir ausgebeutet zu werden, aber in der Regel ja.
readmore.de: Liegst du denn mit der Renovierung der neuen Wohnung im vorgesteckten Zeitplan?
TaKe: Momentan sieht alles noch sehr gut aus, aber wer schonmal eine wirklich größere Renovierung durchgeführt hat, der weiß, dass es immer wieder Überraschungen gibt, die so nicht eingeplant waren und mehr Zeit kosten. Zum Glück hab ich etwas Extrazeit eingeplant. Im Zweifelsfall muss einfach mehr gearbeitet werden.
readmore.de: Was passiert eigentlich, wenn es mal stark regnen sollte? Gibt es auf deinem Indoor-Balkon einen Wasserabfluss?
TaKe: Tatsächlich ist der Boden ja nicht komplett zu, so dass der Regen heruntertropfen kann und dadrunter das Erdgeschoss, beziehungsweise ein Abstellplatz ist, wo sich Abflüsse befinden. Dann darf sich der Irishpub über das Wasser freuen.
readmore.de: Wirst du in der neuen Wohnung alleine wohnen?
TaKe: Fest wohnen auf jedenfall. Ja.
readmore.de: Aber eine große Einweihungsparty wird es geben?
TaKe: Die ist derzeit so geplant und ich würde sie ungern ausfallen lassen, aber mal schauen, wie viel Geld am Ende des Einzugs noch übrig ist.
readmore.de: Einer der größten Vorteile der neuen Wohnung, den du immer wieder betonst, ist die größere Behausung für die nächste Ausgabe des HomeStoryCups. Gibt es dazu schon konkrete Pläne?
TaKe: Ja, die Vorbereitungen laufen seit mehreren Wochen, die meisten Spieler stehen schon fest, die Finanzierung steht auf halbwegs sicheren Füßen und das Logistische kommt step by step und auch die Helfer für vor Ort sind größtenteils schon ausgewählt.
readmore.de: Wann soll das Ganze stattfinden?
TaKe: Vom 23. bis 26. Juni. Drückt die Daumen, dass es klappt. Ich arbeite nur auf diesen Tag hin. Jeden Tag aufs Neue – von morgens bis nachts – es muss klappen.
readmore.de: Darfst du schon ein paar Namen der Spieler verraten, die teilnehmen werden?
TaKe: Ich kann hier zwar noch nichts garantieren und möchte mich auch nicht auf dieses Interview festnageln lassen, aber so ziemlich alles was das Herz begehrt. IdrA, HuK, JinrO, Socke, TLO, Dimaga, Tarson, DarKFoRcE, HasuObs, White-Ra, ClouD, BratOK, DeMusliM, Kas, ToD, Grubby, mOOnGLaDe und einige mehr. Außerdem zwei oder drei Koreaner, auf deren Entscheidung ich noch warte, wo es aber tendenziell eher gut aussieht. Letzten Endes landen wir bei 30 Spielern, die alle offline spielen werden.
readmore.de: Dafür ist sicherlich einiges an Equipment nötig, wird dieses wieder von der ESL gestellt werden?
TaKe: Was Computer und Monitore betrifft, trage ich diesmal selber Sorge dafür, dass alles steht. Ein Sponsor steht schon fest, ein Monitorsponsor allerdings noch aus. Den finde ich aber hoffentlich auch noch. Darüber hinaus werde ich ja viele Dinge für die Wohnung neu anschaffen, aber letzten Endes bin ich mir sicher, dass die ESL mit der ein oder anderen Sache aushelfen wird, allerdings nicht so intensiv, wie es beim ersten Mal der Fall war.
readmore.de: Dein Projekt TaKeTV scheint immer stärker auf eigenen Beinen zu stehen. Inwiefern ist dort die ESL dort noch involviert?
TaKe: Ich bin seit dem 01.04. selbstständig und TaKeTV ist mein Unternehmen. Die ESL bezahlt mich noch für meine Arbeit, die ich für sie tätige und ist dadurch durchaus involviert, da sie natürlich auch mitbestimmen möchte, was ich darf und was nicht. Jedoch habe ich mehr Freiheiten als früher und kann mich so auch finanziell besser absichern.
readmore.de: Im Vergleich zu den letzten Monaten, was ändert sich durch deine neue Selbstständigkeit für dich konkret?
TaKe: Die verdammten scheiß Papiere und ich brauche einen eigenen Steuerberater. Ich hasse Deutschland für seine ganzen Steuergesetze und all die Bürokratie! Naja, was ändert sich? Klar, das ist mehr Arbeit, dadurch hat man dann im ersten Moment mehr Geld auf dem Konto, da man den Steuerabzug zum Beispiel nicht sofort hat und auch immer noch die Mehrwertsteuer bekommt, die ich monatlich wieder abführen muss. Man muss besonders aufpassen, wie viel Geld man wofür ausgeben kann. Es ist allerdings etwas ganz eigenes und das gibt viel Motivation.
readmore.de: Wird man dich trotzdem weiterhin als Moderator bei ESL Veranstaltungen sehen?
TaKe: Definitiv. Mein Aufgabenfeld wird sich nach außen hin nicht so sehr verändern. Nur intern ändert sich ein wenig.
readmore.de: War das Hauptmotiv hinter dem Schritt zur Selbstständigkeit der zu erwartende Motivationsschub?
TaKe: Nein. Die Motivation ist sicherlich ein großer Punkt, aber nicht der einzige. Mit der Selbständigkeit hat man zwar ein größeres Risiko, kann sich aber gleichzeitig auch ein gutes Standbein für die Zukunft aufbauen und unabhängiger machen. Ich habe Vorstellungen, was ich in fünf oder zehn Jahren mache und manche Dinge sind schwer in einer großen Firma zu verwirklichen, wenn du nur einer von 130 Mitarbeitern bist. Dazu kommt natürlich, sollte alles funktionieren und ich weiterhin so hart an mir arbeiten, wie ich es derzeit tue, ich auch finanziell sicherlich besser dabei wegkomme als in einem Angestelltenverhältnis bei Turtle Entertainment. Ich möchte mehr als nur ein 1-Mann Unternehmen werden und wirklich was im eSport bewegen. Ich arbeite Tag und Nacht daran und dafür ist mein Ehrgeiz und die Liebe zum eSport zu groß, als dass ich nur irgendwie vor mich hinarbeite und halbwegs zufrieden bin. Ich möchte eine prägende Figur im eSport sein!readmore.de: Das ganze Projekt steht und fällt allerdings mit deiner Initiative. Wie sieht deine Absicherung gegen einen möglichen Motivationsverlust aus?
TaKe: Für mich eines der wichtigsten, eventuell sogar das wichtigste Thema in der letzten Monate. Ich musste mir immer wieder den Kopf darüber zerbrechen, ob das wirklich eine smarte Idee ist. Das Projekt funktioniert nur über mich, was ich natürlich in den nächsten Jahren ändern möchte. Jedoch musste ich irgendwann die Entscheidung treffen und werde fortan einen Weg beschreiten, der viel Arbeit mit sich bringt und nicht nur Spaß macht, so wie es viele Leute tun, die sich selbständig machen. Es gibt jetzt kein zurück mehr und nachdem ich lange Zeit versucht habe zu reflektieren, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich eine sehr starke Persönlichkeit bin und weiß, was ich will und es dann auch durchziehe. Hier gibt es kein Wenn und Aber, auch wenn ich an manchen Tagen lieber mal etwas anderes machen möchte.
readmore.de: Du sprichst davon, dass du jetzt zwar monatlich mehr Geld zur Verfügung hast, allerdings kommt auch einiges an Startkosten auf dich zu. Wie kommt das Kapital für die Unternehmensgründung zusammen?
TaKe: Ich habe einen Teil, circa 15.000 Euro, von meinen Ersparnissen der letzten Jahre dafür verwendet und zwei private Kredite bei Freunden aufgenommen, die sich nochmal auf circa 20.000 Euro belaufen.
readmore.de: Wie hast du das Geld investiert?
TaKe: Vieles wird noch angeschafft, jedoch ging ein Teil schon in die Renovierung. Neben den üblichen Kosten für solch eine Sanierung auch bescheuerte Sachen, wie zum Beispiel einen Boden erhöhen, da er nicht die gleiche Höhe hatte, wie der Nebenraum und ich die Zwischenwand herausgenommen habe trägt seinen Teil dazu bei. Hinzu kommt, dass ich eine 10 Kilowatt Stromleitung durchs halbe Haus legen musste, damit der Gamingbereich ausreichend Strom hat. Der größte Posten ist allerdings die Ausrüstung: Zwei neue Kameras, eine neue Matrix, viele Kabel und Einrichtung für Studio, Gamingbereich oder Interviewarea. Eine Kamera kostet circa 2.000 Euro und die Matrix mindestens 2.500 Euro, aber dann hat man auch etwas vernünftiges.
readmore.de: Neben dem Umzug und dem HomeStoryCup III steht ein weiteres Projekt, die Homepage TakeTV.net, gerade in den Startlöchern. Wie sieht es dort derzeit aus?
TaKe: Grausam! Nein, Spaß bei Seite. Dem ein oder anderen sagt eventuell Charon von PG noch etwas. Jemand, der die Öffentlichkeit scheut und trotzdem noch viel Spaß am eSport hat und der junge Mann, mittlerweile fast 30 Jahre alt, arbeitet seit einiger Zeit an meiner Page, die zum Release meiner Wohnung und Start des HomeStoryCup III fertig sein soll. Wir sind gerade in die closed Beta gegangen und die elementarsten Funktionen laufen soweit. Man sollte keine überragende, 1000 Funktionen umfassende Page erwarten, aber eine Plattform für die Community, für die wir laufend weitere Features einbinden werden. Ich bin soweit zufrieden und hoffe, dass es die Community auch sein wird.
readmore.de: Wie viel Zeit investieren du und dein Team derzeit täglich, um den alten Standard aufrecht zu erhalten und gleichzeitig neue Projekte voranzutreiben?
TaKe: Also mein Team, welches mittlerweile über zehn Leute umfasst, arbeitet täglich an vielen Baustellen und verbringt unfassbar viel Zeit damit, alles zu verbessern. Ich persönlich setze mir jeden Tag das Ziel 10 bis 12 Stunden zu investieren, sei es für VoDs, Shows oder Sponsoren. Es gibt auch viele Sachen, die im Hintergrund anfallen, von denen die Community nichts mitbekommt.
readmore.de: Bleibt da noch zeit für Freunde, Freundin oder Familie?
TaKe: Derzeit ehrlich gesagt nicht. Meine Freundin kommt in der Regel am Wochenende, aber hat wirklich sehr wenig von mir und hilft mir oft noch bei der Umsetzung der Wohnung. Die Familie hingegen sehe ich so oft, wie in den letzten 12 Monaten nicht, da sie mir regelmäßig beim Umzug hilft. Ich habe glücklicherweise eine extrem handwerklich begabte Familie und frage mich ernsthaft, wie das sein kann, da ich gar nix kann. Sie sind fast jeden Tag in meiner Wohnung und helfen mir. Ohne meinen Vater würde ich dieses Projekt nicht gestemmt bekommen oder es wäre unbezahlbar geworden. Ich habe das Gefühl, dass er richtig aufgeht in der Wohnung und fast schon motivierter ist als ich. Ich bin extrem dankbar dafür und muss einfach sagen, dass es toll ist, so eine Familie zu haben.
readmore.de: Während du von deinem hohen Engagement, zumindest langfristig, direkt profitierst, engagieren sich deine Mitarbeiter zunächst ehrenamtlich.
TaKe: Bis dato wird niemand dafür bezahlt und die einzigen Vorzüge, die die Jungs und Mädels bei mir genießen sind viel Alkohol, heiße Frauen, Teamtreffen und jede Menge Spaß. Ich hoffe natürlich, dass es irgendwann so gut läuft, dass man dem ein oder anderen auch etwas Geld dafür geben kann, denn das hätten sich einige auf jeden Fall verdient.
readmore.de: Du scheinst momentan sehr viel zu experimenieren, kommentierst Online-Turniere, die EPS, startest den Selbstversuch Become A Pro, machst Replaycasts zur MLG. Wird dein Spektrum mit der Eigenständigkeit so weitläufig bleiben?
TaKe: Definitiv. Ich hoffe, dass, sobald die Wohnung wirklich zu 100% steht, auch noch etwas mehr Struktur reinkommt und ich noch ein oder zwei weitere Ideen angehen kann, die in meinem Kopf schwirren. Become A Pro geht langsam vorwärts. Top 700 in Europa!
readmore.de: Ursprünglich hast du mit Sebastian ‚HomerJ‘ Schenck eine Kooperation für den HomeStoryCup II geplant, heute verteilst du gerne mal einen Seitenhieb auf dessen Kommentatorenfähigkeiten. Wie ist euer Verhältnis?
TaKe: Eines vorweg: Ich habe rein gar nichts gegen seine Kommentatorenfähigkeiten. Er hat einige Stärken, die ich sehr beneide, aber natürlich auch die ein oder andere Schwäche. Wir haben derzeit eigentlich gar kein Verhältnis, da er mich mit dem HomeStoryCup II extrem im Stich gelassen hat und auch schon in der Vorbereitungszeit, die 2010 begann, komplett allein gelassen hat, obwohl ich versucht habe regen Kontakt zu ihm zu halten, was aber sehr schwer war. Viel mehr möchte ich dazu nicht sagen, da ich hier keine Schlammschlacht oder ähnliches provozieren möchte, jedoch warte ich bis heute auf eine Entschuldigung seinerseits.
readmore.de: Eine neuerliche Zusammenarbeit scheint erstmal in weiter Ferne.
TaKe: Definitiv. Sowas prägt sich natürlich in meinem Kopf ein und ich lege viel Wert auf Ehrlichkeit, Vertrauen und gute Zusammenarbeit. Basti war mir gegenüber immer sehr freundlich und sympathisch, jedoch zählt letzten Endes, was man dann auch wirklich macht.
readmore.de: War sein Projekt eine Art Vorbild bei deinem Schritt in die Selbstständigkeit?
TaKe: Gute Frage. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich schaue mir natürlich regelmäßig seine Entwicklung an und sehe viele gute Dinge, wo ich dann überlege, ob ich es ähnlich oder anders machen würde und wie man daraus lernen kann. Ein Vorbild ist er zwar definitiv nicht, jedoch schaut doch jeder irgendwie auf die Konkurrenz, wenn man es jetzt mal so sagt, wie es ist. Man will wissen, wo man sich verbessern kann.
readmore.de: HomerJ ist auf own3D.tv schon sehr stark vertreten, du allerdings bist offenbar noch auf der Suche nach einem geeigneten Partner und probierst momentan munter die verschiedenen Dienste, wie justin.tv oder Ustream.tv. Was versprichst du dir davon?
TaKe: Das hat weniger mit mir, als mehr mit ESL TV zu tun. Ich bin nur Mittel zum Zweck und halte als Versuchskaninchen her. Wir versuchen momentan einfach den bestmöglichen Streamanbieter zu finden, damit es den kleinstmöglichen Frust bei den Usern gibt. Diesen Sonntag testen wir zum Beispiel Ustream und ich hoffe, dass die ESL die richtige Wahl trifft, da ich natürlich auch daran gebunden sein werde. Ich finde es aber schon löblich, dass sie da überhaupt herumtesten, auch wenn es für alle Beteiligten etwas nervig ist.
readmore.de: Warum ist die ESL mit own3D.tv unzufrieden?
TaKe: Es gab immer wieder Probleme mit dem Premiumstream. Teilweise kamen die Leute gar nicht drauf, häufig hat er gelaggt. Als User bin ich da verständlicherweise frustriert, wenn ich für ein Produkt bezahle und es nicht einwandfrei funktioniert. Ich weiß nicht, ob man sich von außen in einen Caster reinversetzen kann, der das ganze sehr ernst nimmt, jedoch zieht das meine Motivation extrem in den Keller und ich fühle mich extrem scheisse und vorallem verantwortlich gegenüber dem Zuschauer, auch wenn ich persönlich dafür nichts kann. In der ESL haben wir schon tausende Male über diese Thematik gesprochen und ich habe schon oft über nicht funktionierende Streams gewhined. Die ESL wie auch ich möchten nichts anderes, als dass jeder zufrieden ist, was natürlich klar sein sollte.
readmore.de: Du verbindest Hantelbank mit Laddersession, Gogo-Tänzerin mit LAN-Party. Ist dieser Mainstream in der Nischensportart eSport dein Erfolgsgeheimnis?
TaKe: Möglich, wichtig ist aber, dass man sich nicht verstellt, sondern natürlich bleibt. Ich bin einfach der Vogel, den man im Stream sieht.
readmore.de bedankt sich für das ausführliche Gespräch.
