Bald ist ein Jahr vergangen seit dem Release von StarCraft 2. Für viele war es keine Frage, dass über kurz oder lang die Masse der Turniere schrumpfen würde und nur eine Hand voll auf Dauer überleben. Dabei ist viel wahrscheinlicher, dass sich wenig ändert und nur das Prinzip von Youtube Anwendung finden wird – mit all seinen Folgen für die Veranstalter.
Wer momentan StarCraft 2 schauen möchte, hat dazu ausreichend Gelegenheit. Neben GSL, NASL und TSL3 laufen regelmäßig Cups, dazu finden Teamligen statt und in regelmäßiger Abfolge noch LAN-Events. Unmöglich, dabei alles schauen zu können.
Das untermauert auch eine Umfrage, die kürzlich auf readmore lief. Eine nicht unwesentliche Zahl von Zuschauern schaut weder regelmäßig um 3 Uhr noch um 19 Uhr bei der North American Star League zu, sondern nur bei den besonders interessanten Matches. Der Rest fällt mangelnder Zeit, mangelndem Interesse oder simpler Überflutung zum Opfer. Kein Wunder bei der Anzahl an Ligen, die mit hochklassigen Matches aufwarten können
Es wäre und war nun scheinbar logisch, einen darwinistischen Prozess zu prognostizieren, bei dem sich die Stärkeren durchsetzen, während die Schwächeren irgendwann die Segel streichen müssen. Aber diese Vermutung trifft, wenn überhaupt, lediglich im Maßstab der ganz großen Veranstaltungen zu. Wer 500 oder 1000 Euro ausschüttet, erwartet keine Zuschauerzahlen im Millionenbereich. Und für die geringen Anforderungen ist die Anzahl der Interessierten insgesamt groß genug, um auch bei weitgehendem Desinteresse noch eine akzeptable Zahl auf den Stream ziehen zu können.
Im Prinzip läuft es hier auch kaum anders als auf Youtube. Dort sind über den Daumen gepeilt 99% der Inhalte für den Nutzer weder relevant noch interessant. Aber für den Hobbymusiker, der seine Coverversionen mit Freunden teilt, erfüllt es den Zweck. Gerade diese Basisdemokratie ohne die Vorgaben des klassischen Fernsehens machten den Erfolg von Youtube aus – jeder schaute, was und wann er wollte, egal ob es andere interessierte.
Genauso funktionieren die Massen an SC2-Wettbewerben momentan. Manche ziehen Millionen, andere nur Hunderte an, aber daran stören sich nur die mit festen Zielvorgaben, die verfehlt werden. Herausheben aus der Masse kann man sich, wie mit seinen Videos auf Youtube, mit cleverem Marketing, tollen Inhalten oder hoher Viralität. Dafür müssen allerdings die Veranstalter sorgen, den Zuschauer kümmmert es wenig – er schaut, was er für richtig hält. Die NASL hat das mit den Bewerbungsvideos versucht, GomTV tut es über Exklusivität und die TSL hat ihre Webseite im Rücken.
Allerdings, und das unterscheidet StarCraft 2 dann doch deutlich von Youtube, sind den Veranstaltern manchmal die Hände gebunden. Aufwändig produzierte Videos würden deutlich weniger Klicks erzielen, wenn es dieselben Inhalte auch woanders fast genauso gäbe. Und hier kommen die Teilnehmer ins Spiel. Wenn die NASL mit hohem Kosteneinsatz das Match von Grubby gegen Moon überträgt, das gleiche Match aber von den Spielern auch im Sonntagscup für 100 Euro bestritten wird, ist der erste Attraktivitätsfaktor passé.
Hier hätten auch die Spieler eine Chance, ihren eigenen Status zu verbessern. Während andere deutsche Spieler jedes noch so kleine Turnier bestreiten, ist ein Mondragon so gut wie nie zu sehen – und zieht dann, sobald er spielt, dafür alle Blicke direkt auf sich und begeistert mit kreativen Ideen, auch wenn er verliert. Auch TLO war einst so ein Spieler. Als Werbeträger und Starfigur ist er damit deutlich interessanter. Wer erinnert sich in ein paar Jahren an Nick Heidfeld, der in 10 Jahren keinen einzigen Grand Prix gewinnen konnte, aber immer mitgefahren ist?
Die wenigsten Spieler sehen allerdings diese Chance, auch weil sie oft kaum die restlichen Qualitäten zum Star besitzen. Für sie ist die kurzfristige Geldchance wichtiger. Damit helfen sie den kleinen Turnieren beim Überleben, machen sich aber fast ausschließlich vom Preisgeld abhängig. Für Progamer ist das ein durchaus riskantes Vorhaben. Das hat auch Fatal1ty damals erkannt und sich eine Marke aufgebaut, die ihn abseits der Turnierszene etabliert.
TakeTV steht übrigens vor ganz ähnlichen Problemen. Zwar sind die Gesamtaufrufe durchaus passabel, doch erreicht werden sie vor allem über die Masse an verschiedenen Videos von Adventskalender bis zu Laddersessions. Angesichts des massiven Geldeinsatzes wird es hier aber sehr wohl darauf ankommen, dass die Zuschauerzahlen bei den relevanten Events hoch sind. Bisher ist das Programm, von zwei Homestory-Cups mal abgesehen, nur eines unter Millionen von Videos. Und damit braucht er für den Erfolg, wie auch die Vollzeit von Youtube-Einnahmen lebenden Netzfiguren, vor allem eins – eine clevere Strategie.
Die Kolumne ‚Montagsminuten‘ von Ulrich ‚FlyingDJ‘ Schulze erscheint wöchentlich auf readmore.de.