Heute stellten die ESL, e-Stars und ESWC de_forge und de_mirage als Neuzugänge in ihren Mappools vor. Während de_forge den amerikanischen Spielern schon seit Jahren bekannt ist, stellt sie für die meisten Europäer absolutes Neuland da. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen beleuchtet heute die Map, für die einst de_cbble Modell stand und die alle Nachteile des CT-lastigen Vorbilds beseitigen sollte. Morgen folgt dann die Vorstellung von de_mirage.
Auch wenn de_forge im internationalen Turnierzirkus auf den ersten Blick neu erscheinen mag, so verdient die Map dieses Prädikat eigentlich nicht. Bereits im Mai 2006, also vor mehr als stolzen fünf Jahren, präsentierte die US-amerikanische CEVO-Liga die Map als Neuerung im Pool. Etwa ein Jahr später folgte dann bereits ein Update der Map – sie war zu Terror-lastig gewesen. Welch Ironie, bedenkt man doch, dass sie als Nachfolger von de_cbble gedacht war und auch ganz nach diesem Vorbild aufgebaut ist.
Doch viele US-Topteams konnten sich trotzdem nicht mit de_forge anfreunden, vor allem das damalige compLexity verfluchte die Map das eine oder andere Mal. In Funwars dagegen erfreuten sich die Casual Gamer dagegen an den schönen Texturen und der Detailvielfalt, die bereits beim aufwändig gestaltetem T-Spawn ins Auge fällt. Ob die Map im zweiten Versuch den Durchbruch schafft wird vor allem an den Topteams selbst liegen. Freunden sie sich mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Gameplay auf der Map an, hat de_forge eine Chance.
Der A-Spot: Minimalistisch gestaltet, aber maximal schwer einzunehmen
Der A-Spot wurde im Vergleich zu de_cbble viel minimalistischer gestaltet. Durch den Wegfall des Turms in der Mitte und einem längeren, wenig offensivfreunlichen Seitengang wird es für die CTs schwerer, den Terrors bereits auf dem Vorplatz Probleme zu bereiten. Aggressive Firstfrags entfallen somit, die Ts bekommen am Rundenanfang mehr Ruhe und Luft zum Atmen. Allerdings können sie diese nur bedingt ausnutzen. Das liegt daran, dass neben dem klassischen Verschiebergang zum B-Spot ein zweiter, weiter hinten gelegener CT-Gang zwischen den beiden Spots hinzugefügt wurde. Es wird somit schwerer für die Ts, bei Fakes einen verschiebenden CT aus der Mitte heraus abzuzielen.
In der Regel platzieren die CTs hier einen starken AWP-Spieler, der – aus Mangel an alternativen Positionen – meistens defensiv vom Spot aus die Mitte kontrolliert. Als Partner bietet sich dabei ein klassischer Teamspieler an, der bei einem Angriff mit Granaten Zeit schindet und einzelne, wichtige Frags setzt. Aggressive Madfragger werden als CT auf diesem Spot keine Freude haben, da es für sie kaum sichere Möglichkeiten gibt, offensiv das Duell zu suchen.
Insgesamt bietet der Spot einen Vorteil für die CTs. Wer hier eine gute AWP platziert, kann sich einigermaßen sicher fühlen. Ebenso erlaubt das offene Design des Spots gute Retakes, da es den Ts nach gelegter Bombe an Rückzugsmöglichkeiten fehlt. Der neu geschaffene Verschiebergang ist weit hinten gelegen und somit vor oder nach einem Bombplant kaum einzunehmen und nur schwer zu kontrollieren. Effektiv könnte ein Angriff dann sein, wenn sich die CTs in einer schlechten Geldsituation befinden. Wer sich keine AWP oder genug Granaten leisten kann, verliert schnell die Kontrolle über die Mitte und kann bei einem nahenden Rush keine wertvolle Zeit mit Gegenflashes und -smokes schinden.
Der B-Spot: CTs wie auf dem Präsentierteller
Auch der B-Spot ähnelt noch sehr stark de_cbble. Für die Ts wurde jedoch endlich ein weiterer Zugang geschaffen. Dieser endet direkt gegenüber des beliebten Sniperpads, welches somit deutlich an Effektivität verliert. Dadurch, dass die beiden Zugänge nicht nur aus zwei komplett verschiedenen Richtungen kommen, sondern sich dazu noch auf unterschiedlichen Ebenen befinden, ist es für die Ts eine leichte Aufgabe, die CTs auf dem Spot in die Zange zu nehmen.
Durch die offene Gestaltung muss bei einer 3-Mann-Deckung jeder CTs einen großen, offenen Bereich decken. Wer als Angreifer einen Edward, GeT_RiGhT oder n0thing im Team hat, sollte diese vorschicken und versuchen, den Firstfrag zu setzen. Gelingt dieser, deckt im Idealfall nur noch ein einzelner CT jeden Zugang – zu wenig, um die dann ausschwärmenden Ts aufzuhalten. Ebenso schwierig wird es, 3-2-Splits aufzuhalten. Wird über beide Zugänge gleichzeitig angegriffen, müssen die CTs schon perfekt abgestimmte Granaten werfen und Positionen einnehmen, um erfolgreich zu verteidigen. Dass dies in der kurzen Vorbereitungszeit auf die Map gelingen wird, ist mehr als fraglich.
Dadurch, dass der neue T-Gang kaum Kisten und überraschende Winkel zum Abzielen bietet, entfällt auch auf diesem Spot das Mittel des aggressiven Deckens. Hier sind vor allem die Ansager der Teams gefragt: Im Idealfall ordern sie rechtzeitig einen Spieler des A-Spots rüber, um so während der Runde auf eine 4-1-Deckung umzustellen. Mit dieser ist der Spot einigermaßen zu verteidigen. Gleichzeitig bietet dies den Terrors jedoch die Möglichkeit, mit Fakes die AWP auf dem anderen Spot zu separieren und anschließend zu überrennen. In den USA war einige Zeit auch ein 4-1-Spiel direkt zu Rundenbeginn üblich, um die gefährlichen, schnelles Rushes abzuwehren. Fehlt es aber auf dem anderen Spot an einer (starken) AWP, ist dies eine mehr als riskante Option.
Fazit: de_cbble ist weg, aber eine Map der Extreme bleibt
Das Gute vorweg: Die Unausgeglichenheit von de_cbble wurde auf de_forge mit sinnvollen Neuerungen aufgehoben. Doch trotzdem bleibt es eine Map der Extreme. Während ein Spot nachwievor die CTs stark bevorzugt, haben die Ts auf dem anderen leichtes Spiel. Grund dafür ist, dass die Neuerungen nur inkonsequent umgesetzt wurden. So wurden zwar neue Gänge geschaffen, die Spotkisten, Winkel und Deckungspositionen von de_cbble allerdings zum Großteil beibehalten. Feinheiten, die maßgebend für das Gameplay sind. Ebenso vermisst man die Liebe zum Detail in den neuen Gängen selbst: Überraschende Positionen oder abwechslungsreiche, offene Gangführung fehlen komplett. So sind die neuen Bereiche der Map nichts weiter als ein schöner Wanderpfad, aber keine Plätze für Feuergefechte oder taktische Spielereien.
Als Resultat verlagert sich die entscheidende Phase einer Runde maßgeblich auf die endgültigen Angriffe. Das sorgt vor allem auf CT-Seite dafür, dass richtige Timings und gutes Teamplay gefordert sind. Aufgrund der Unerfahrenheit der Nicht-Amerikaner auf der Map und der mehr als kurzen Vorbereitungszeit wird dieses auf den ersten Events vermutlich noch fehlen.
Schön anzusehen bleibt die Map trotzdem und ist somit eine nette Abwechslung zum bisherigen Mappool. Im readmore.de-Demoarchiv befinden sich bereits einige US-Ineye-Demos auf de_forge. Besonders empfehlenswert sind die Demos von Danny ‚fRoD‘ Montaner. Als CT nutzt er zum Verschieben zwischen den Spots oft den neuen Gang und deckt dazu auch oft den neuen Zugang auf dem A-Spot. Also optimale Gelegenheiten, die Neuerungen der Map in der Praxis zu begutachten.