Es gab wohl selten ein Turnier mit sechsstelligem Preisgeld, das an der Präsentation derart sparte und mit Problemen kämpfte wie die NASL. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass Preisgeld nicht alles ist und man aus den Fehlern der anderen ruhig lernen darf.
Es gibt einen Trend in Hollywood-Filmen, der einige Filmenthusiasten schon seit Jahren stört. Ob Jason Bourne oder Captain Kirk, viele der Helden in neueren Produktionen sind kaum noch zu erkennen angesichts der wackelnden Handkamera, die sie in Actionsequenzen einfängt. Das soll Bewegung fühlbar machen, erleichtert den Regisseuren die Bildkomposition und erzeugt meist ziemliche Kopfschmerzen.Gelegentlich fühlte man sich auf den NASL-Finals des vergangenen Wochenendes so, als würde J.J. Abrams auch dort im Regiesessel sitzen. Immer wieder schwankte und wirbelte die Kamera durch die Gegend und ließ keine Ruhe aufkommen. Wenn sie dann mal stand, war sie an ungünstigen Orten platziert und ließ die Akteure in Briefmarkengröße über den Bildschirm spazieren.
Es wäre zu verkraften gewesen, wenn das der einzige Aussetzer der NASL geblieben wäre. Leider zeugte auch der Rest des Wochenendes davon, dass dort Leute am Werk waren, die von ihrem Handwerk nicht viel verstanden und oft der Meinung waren, die besseren Ideen zu haben – um damit schließlich zu scheitern.Das fing bei den furchtbaren Tonproblemen am Freitag bereits an. Während kleine Aussetzer auf jedem Event an der Tagesordnung sind, funktionieren hier über weite Strecken weder die Mikrofone ordentlich, so dass einige Interviews völlig wertlos wurden, noch war Gamesound zu hören. Und als es diesen dann gab, übertönte die Hintergrundmusik den kompletten Rest.
Es ist ohnehin fraglich, was sich die NASL bei der Präsentation gedacht hat. So wurde jeder Spieler mit seinem Turnierverlauf als Video präsentiert und damit dem Publikum vorgestellt, was trotz der übermäßigen Länge der Clips eine frische Idee war. Auf der Bühne und im Spiel selbst allerdings war von den Akteuren nichts zu sehen, ihre Position in dunklen Spielerkabinen, die wie Ticketboxen anmuteten, ließ lediglich schwach beleuchtete Silhouetten erkennen. Emotionen, angestrengte Gesichter und ähnliches sah man nur bei den Kommentatoren, die man in die Mitte des Geschehens rückte – eine Unsitte, die andere Ligen bereits vor langer Zeit abgeschafft hatten.Auch der Rest der Ideen, die die Veranstalter aufbrauchten, war unausgegoren und ignorierte die Erfahrungen, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Eine auf IdrA getextete Version von Eminems Song ‚Stan‘ sorgte für Begeisterung im Publikum, konnte aber nicht über die Fehlgriffe hinwegtäuschen, die weitaus präsenter waren – in Form von Incontrols Freundin Anna Prosser und, weitaus schlimmer, Miss-Teen-USA-Teilnehmerin Lindsey Sporrer. Während Erstere wenigstens halbwegs sinnvolle Fragen stellte und nur mal HasuObs ein zusätzliches R unterjubelte, hatte, die blonde Moderatorin vorher noch nie etwas von StarCraft gehört. Und so erschuf sie dann eine neue Rasse namens G, fragte auf dem Premierenevent nach, ob er schon vorher mal hier gewesen sei und zog sich damit den beißenden Spott der zuschauenden Community zu.
Auch andere Ideen schlugen fehl. So wurde das Observen über einen separaten Streaming-PC gelöst, der dem eigentlichen Spectator folgen sollte – also weniger hektische Bewegungen und keine Maus im Bild. Gutes Konzept in der Theorie, das aber an der Realität scheiterte und nach zwei Spielen angesichts seiner Unzulänglichkeiten schon wieder abgeschafft wurde.Mit einem Preisgeld von 100.000 Dollar und einer Gebühr von 25 Dollar für den HD-Stream sind solche Aussetzer nicht zu entschuldigen. Hier hätte es sich gelohnt, einige Dollar mehr in die Umsetzung und weniger in die Preisgelder zu stecken. Dass Incontrol sich bereits vom Projekt verabschiedet hat, das bald in die zweite Saison gehen soll, spricht Bände. Die MLG hat aus ihrem Desaster-Event gelernt und sich gebessert. Hoffentlich schafft die NASL das auch. Falls nicht, wird sie wohl nur für eines in Erinnerung bleiben: Als Grund, in einer Kolumne auf readmore.de viel unbedeckte Haut zu zeigen.



