Geht man streng nach dem Wörterbuch, steht der Begriff mirage für eine Fata Morgana eine Illusion. Und in der Tat wird sich mancher auf de_mirage verwundert die Augen reiben, da er sich im ersten Moment auf de_cpl_strike vermutet. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen nimmt heute den Fast-Klon der CPL-Map unter die Lupe, nachdem bereits gestern mit de_forge die zweite Map aus dem neuen Turnier-Mappool begutachtet wurde.
Dass das Prinzip, eine der drei CPL-Maps einfach leicht zu modifizieren, klappen kann, hat bereits de_tuscan mehr als erfolgreich bewiesen. Da lag es ja fast auf der Hand, dass man dies auch mit de_cpl_strike versuchen könnte. Das Ergebnis: de_mirage. Erst kürzlich konnte man die Map auf der DreamHack Summer begutachten. Dort wurde sie jedoch nur in der Gruppenphase gespielt.
Während de_tuscan aber einen eigenen Stil entwickelte, hat man es sich bei de_mirage etwas einfacher gemacht: Ein Spot wurde komplett übernommen, beim anderen lediglich ein Zugang modifiziert. Als Mapper muss man sich die Frage gefallen lassen, warum man einer alten Map, die sich nie wirklich durchsetzen konnte, soviel Vertrauen schenkt? Auf den ersten Blick lässt sich darauf kaum eine Antwort finden, die Map wirkt immer noch nicht ausgeglichen und geradlinig. Jetzt liegt es an den Teams, den schlechten theoretischen Eindruck verschwinden zu lassen.
Der A-Spot: Copy & Paste aus de_cpl_strike
Der A-Spot wurde komplett von de_cpl_strike übernommen und dürfte aus diesem Grund vielen bekannt sein. Der ein oder andere Terrorist könnte den Spot außerdem aus seinen schlimmsten Alpträumen kennen, denn ein Angriff ist hier alle andere als einfach. Der erste Grund dafür: Der Spawnpunkt der CTs liegt quasi direkt um die Ecke, so dass sie immer schneller zur Stelle sind als die Ts. Ein Gräuel für jeden Liebhaber schneller Rushes.
Der erste Zugang zum Spot ist eine Art „Mauseloch“. Der enge, auch noch bergauf führende Gang ist für die CTs von maximal drei Seiten und aufgrund der vielen Kisten von unzähligen unterschiedlichen Ebenen zu decken. Wem etwas an seinem virtuellen Leben liegt, sollte hier als T nicht alleine, oder zumindest nicht ohne reichlich Granaten einen Zugriff wagen. Effektiv wird es dagegen, wenn man mit 3-4 Spielern schnell heraus pusht. Durch die kurzen Wege zum Spot und den Standardpositionen der CTs kann man diese so schnell überrennen.
Der andere Zugang zum Spot ist der Teppichgang. Warum dieser übertrieben groß gestaltet wurde, bleibt ein Geheimnis des Mapdesigners, denn zu Feuergefechten wird es hier selten kommen, da der Gang an sich für kluge CTs Sperrgebiet sein sollte. Diese warten lieber auf dem Spot darauf, dass die Ts zu ihnen kommen. Da der Ausgang nämlich vom Bombenspot weggerichtet ist, können die Ts viele CT-Positionen erst abzielen, nachdem sie hinaus gelaufen sind. Dazu lässt sich bereits aus großer Entfernung tief in den Gang hinein zielen, wodurch das sowieso schon schwere Rauskommen nicht gut koordiniert werden kann. In der Regel platzieren die CTs in Richtung Mitte/Mittegang eine AWP, die eben genau diesen Winkel nutzt. Starke Sniper können an dieser Position sehr viel Spaß haben.
Der neue B-Spot: Ein schöner Gang, um zu sterben
Das eigentlich Neue im Vergleich zu de_cpl_strike ist der B-Spot. Auf de_cpl_strike musste man diesen durch eine Treppe betreten, die nur die seltensten jemals lebend erklommen haben. Man könnte also denken, dass der Designer von de_mirage den Angreifern mit seiner Map etwas Gutes getan hat, indem er die Treppe durch einen hochgelegen Gang ersetzt hat – inklusive einer Wäscheleine, damit sich auch de_inferno-Liebhaber wohl fühlen.
Doch der neue Gang ist ein echter Horrortrip für die Ts. Bereits in das erste Fenster lässt sich als CT mit der AWP von zwei kaum einsehbaren Positionen zielen. Zu allem Überfluss ist genau vor dieses Netz noch eine Art Gitter gesetzt worden, damit ein Konterzielen der Ts noch schwerer wird. Gleiches gilt für das riesige Dach über dem gesamten Spot, welches das klassische Netz von früher ersetzt. Warum dieses „gebaut“ wurde, ist ebenfalls nicht schlüssig, da es den Spot noch uneinsichtiger und somit noch vorteilhafter für die CTs macht. Angst vor Regen kann es aufgrund der reichlich bestückten Wäscheleine jedenfalls nicht gewesen sein…
Auch gewöhnungsbedürftig: Aus dem neuen Gang heraus kann man nur kommen, indem man herausspringt. Eine Leiter oder helfende Kisten für die ältere Generation sucht man vergebens. Sehr gefährlich, da sich die CTs am Gangende hinter dem Sprungbereich positionieren können. Hätte man den Bereich so gestaltet, dass man das Endstück nur „von vorne“ decken könnte, wäre dies T-freundlicher gewesen. Aber es gibt auch gute Nachrichten für die Terroristen: Hat man den Spot einmal eingenommen, stehen die Chancen gut. Denn entweder haben die CTs auf ihren Spotpositionen keinen Rückzugsort und können leicht erlegt werden, oder sie müssen sich soweit zurückziehen, dass es mehr als schwer wird, wieder in eine gute Retake-Position zu kommen.
Der Schlüssel zum Erfolg: Die goldene Mitte
Nachdem die direkten Zugänge zu den Spots zumindest auf dem Papier wenig Erfolg versprechen, lässt zumindest die Mitte Hoffnung auf einige T-Runden machen. Sie könnte sich als Schlüssel zum Erfolg erweisen. Von ihr aus geht jeweils ein Gang direkt auf die beiden Spots und zwar so, dass man dort meistens den CTs in den Rücken fallen. Eine große Last muss deshalb der Spieler tragen, der die Mitte vom „Fenster“ aus deckt. Fällt er, oder kann keine Frags setzen, muss er den Bereich zwangsläufig aufgeben. Vor allem die A-Spot-Spieler müssen sich als Reaktion darauf komplett umstellen und deutlich schlechtere, da defensivere Positionen suchen. Wer als T diesen Moment zu nutzen weiß, hat in jedem Fall gut Erfolgsaussichten.
Noch effektiver hätte man die Mitte jedoch gestalten können, hätte man sie verkürzt und mehr Rückzugsmöglichkeiten für die Ts in Form von Kisten, Kanten und Nischen eingebaut. So wurde im Gegensatz zu de_cpl_strike nur eine einzige Kiste verändert. Je nachdem wie sich die Teams dazu entscheiden, ihre AWPs zu verteilen, kann es in der Mitte auf sehr entscheidende Sniperduelle hinauslaufen. Ebenso wird spannend zu sehen sein, ob manche Teams als CT den Mut haben, die Mitte offensiv einzunehmen oder sich dem Risiko aussetzen, defensiv auf den Spots zu bleiben.
Fazit: Terroristen mit schnellen Beinen sind gesucht
Auf den ersten Blick lässt sich feststellen: Der Mapdesigner von de_mirage hat offenbar etwas gegen Terroristen. Das ist im Prinzip etwas Gutes, für einen CS-Mapper jedoch eine schlimme Tugend. So wurden im Vergleich zu de_cpl_strike viele Chancen verpasst, die Map T-freundlicher und variabler zu gestalten. Stattdessen wurde mit dem neuen Gang am B-Spot eher noch vieles verschlimmbessert. Langsames Spiel oder Teams mit Spielern, die gerne „nur mal kurz um die Ecke schauen“, haben auf de_mirage vermutlich wenig Erfolgsaussichten. Zu gut sind viele der CT-Positionen, um beim Aimduellen einen klaren Vorteil zu haben.
Aber: Auf der Dreamhack war bei den Spielen auf der Map eine solche CT-Tendenz nicht zu erkennen. Das lässt entweder hoffen, oder darauf schließen, dass sich die Teams schlicht und ergreifend nicht vorbereitet haben und über die Vorteile der Map Bescheid wussten. Ebenso kommt der Map zu Gute, dass schnelles Spiel zum Erfolg führen kann. Lässt man den CTs erst gar keine Chance, auf ihre Positionen zu gelangen, kann man sie so schnell aus den Konzept bringen. Die recht kompakte Bauweise der Spots selbst lässt es ebenfalls nicht zu, dass man bei Problemen als CT während einer Halbzeit mal eben variantenreich umstellt. Wer als T also am Anfang mit schnellen Rushes Runden gewinnen kann, kann die CTs so aus dem Konzept bringen und eine Serie starten.
Auch spannend: Wie wird von den Teams die Mitte genutzt werden? Vor allem der Weg von der Mitte zum A-Spot wirkt äußerst verlockend und könnte dank mangelnder Erfahrung den CTs viele Probleme bereiten. Teams, die als T gerne ein Risiko eingehen, könnten hier etliche Runden entscheiden.